In einer Bürgerversammlung muss es nicht zwingend hoch her gehen. Manchmal sind die Einwohner einfach grundsätzlich zufrieden. So dauerte die Bürgerversammlung in Nenzenheim am Dienstag im Feuerwehrhaus gerade mal rund 75 Minuten, und Bürgermeister Josef Mend, der seinen Reigen an Iphöfer Themen und denen des mit 479 Einwohnern (Stand zum Jahresende 2013) größten Stadtteils nach und nach abgearbeitet hatte, fragte immer wieder nach, ob an dieser oder jener Stelle noch Erklärungsbedarf sei.

Dem war nicht so, worauf Mend meinte: „Gut, dann können wir ja noch ein Bier zusammen trinken“. Dass er auf das Getränk noch über eine halbe Stunde warten musste, lag dann aber daran, dass Mend nach dem Ende des offiziellen Teils von Bürgern belagert wurde, die ihr Anliegen wohl nicht vor den Ohren aller Anwesenden vortragen wollten.

Bauplätze besser vermarkten

Andere dagegen taten es. Wolfgang Freyberger schilderte seinen Eindruck, dass die Stadt Iphofen die Bauplätze in Nenzenheim nicht wirklich intensiv bewerbe und die Bauwilligen anscheinend schnell in die Kernstadt gelockt werden. Umliegende Gemeinden würden ihren Baugrund viel besser an den Bauherren bringen. Nicht mal eine Tafel sei aufgestellt, die auf freie Plätze hinweise. Mend entgegnete, dass die Stadt sehr wohl sämtliche Bauplätze in allen Stadtteilen Interessenten anbiete. Im Übrigen seien die Quadratmeterpreise in Iphofen doppelt so hoch wie in den Stadtteilen. Von einer Tafel verspreche er sich wenig Breitenwirkung.

Eine zweite Beobachtung Freybergers: Der Nenzenheimer Wald sei von städtischen Waldarbeitern mittlerweile sehr durchlichtet worden. Nicht nur ihm dränge sich der Verdacht auf, dass man zugunsten der eigenen Hackschnitzelanlage einige Bäume mehr aus den Beständen der Stadtteile heraushole, als aus denen rund um Iphofen selbst. Auch diesem Eindruck widersprach Mend und verwies auf einen auf 20 Jahre angelegten Plan der Forstbetriebsgemeinschaft. Der lege fest, wann an welchen Stellen wie viele Bäume geschlagen werden.

Karl Scheck schlug vor, dass in Nenzenheim eine öffentliche Toilette entstehen solle, und zwar direkt am Marktplatz. Mend versprach, dieses Thema im Stadtrat demnächst zur Diskussion zu stellen.

Weitere Themen in der Bürgerversammlung waren:

• Wahrscheinlich im dritten Quartal des Jahres, spätestens aber im November, wird Nenzenheim an das Hochgeschwindigkeits-Internet angeschlossen. Die Versorgungsstrecke von Hüttenheim nach Nenzenheim wird gerade gebaut. Dann erhalten die Haushalte einen Anschluss mit 30 Megabit pro Sekunde.

• Die Stadt Iphofen würde gerne einen Grüngutlagerplatz bei der stillgelegten Kreismülldeponie in Nenzenheim schaffen. Die Flächen brauche der Landkreis aber noch, wie Mend nun in einer Stellungnahme erfahren habe. Derzeit prüfe man, ob man dem Kreis ein Tauschgrundstück als Ausgleichsfläche anbiete.

• In der Nenzenheimer Flur ist in jüngster Vergangenheit wieder vermehrt illegal Müll entsorgt worden. Bürgermeister Josef Mend reagierte mit Unverständnis und appellierte an die Bürger, doch die zahlreichen Container zu nutzen. Mend erklärte, diese Art der Entsorgung sei kein Kavaliersdelikt, wer sich als Verursacher herausstellt, werde angezeigt.

• Dass der geschützte Biber sich rund um Iphofen wieder zahlreich ansiedelt und vermehrt ist einerseits ein gutes Zeichen, andererseits für viele ein Ärgernis, deren landwirtschaftliche Flächen durch den Nager und dessen Bauten beeinträchtigt werden. Bürgermeister Mend rief die Nenzenheimer dazu auf, nicht selbst tätig zu werden und störende Biberbauten zu entfernen. Solche Aktionen müssten immer mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgesprochen werden. Auch hier gilt: Wer eigenmächtig den Biber stört, der begeht eine Ordnungswidrigkeit.