Wiesentheid

Eklat wegen Salatzucht: Fünf Räte verlassen die Sitzung

Aus Protest gegen das Abwürgen einer weiteren Diskussion um die Salatzucht haben fünf Wiesentheider Gemeinderäte den Sitzungssaal verlassen. Was hat sie so erbost?
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Betretene Mienen und leere Stühle gab es im Wiesentheider Gemeinderat, nachdem fünf Räte die Sitzung aus Protest verlassen hatten. Foto: Andreas Stöckinger

Das dürfte es so noch nie im Wiesentheider Gemeinderat gegeben haben. Fünf Räte verließen am Donnerstagabend die Sitzung, während die Beratungen noch liefen. Um 21.47 Uhr standen der Sprecher der Fraktion Bürgerblock, Michael Rückel, und vier weitere Kollegen auf, packten ihre Unterlagen zusammen und gingen hörbar aufgebracht aus dem Sitzungssaal. Bürgermeister Werner Knaier zeigte sich verdutzt; er setzte die Sitzung mit den verbliebenen zehn Räten, darunter auch zwei der Fraktion Bürgerblock, fort. Gegen 22.30 Uhr war der öffentliche Teil der Beratungen dann vorüber.

Auslöser für den Eklat war der Tagesordnungspunkt 4. Die Fraktion Bürgerblock hatte einen erneuten Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplans "Sondergebiet Natur, Erholung, Freizeit und Sport" gestellt. Die betreffenden Flächen liegen im Osten Wiesentheids, in Nähe des Sportzentrums Richtung Untersambach/Abtswind. Zu dem Areal gehören die Grundstücke, auf denen die holländischen Unternehmer-Brüder Delissen ursprünglich Gewächshäuser für eine Salatzucht in größerem Stil errichten wollte. Insgesamt 17 Hektar würden dazu benötigt.

Massiver Widerstand gegen Salatzucht

In der Gemeinde hatte es in den letzten Monaten massiven Widerstand gegen das Projekt gegeben. Auch die Gemeinde will das Ganze auf ihren Flächen möglichst verhindern, was nicht so einfach ist, weil es sich um ein landwirtschaftliches, also privilegiertes Bauvorhaben handelt. Wie das Ganze zu verhindern ist, dazu haben die beiden Fraktionen im Wiesentheider Gemeinderat unterschiedliche Ansichten.

Während der Bürgerblock ein Sondergebiet im Osten schaffen möchte, auf dem durch eine Veränderungssperre vorerst nicht so leicht gebaut werden könne, sieht die CSU um Bürgermeister Knaier das nicht als richtigen Weg. Mit ihrer Mehrheit im Rat setzten sie die Schaffung einer Konzentrationsfläche für Gewächshäuser durch. Diese Fläche liegt im Nordwesten Wiesentheids, direkt neben einer dort bereits bestehenden Gärtnerei. Wenn überhaupt, dann solle nur dort die Salatzucht entstehen, hieß es. Besitzer der beiden Flächen ist das Haus Schönborn.

Holländische Firma zog Bauantrag zurück

Erst Ende September hatten die holländischen Interessenten ihren Bauantrag für die Fläche in Richtung Untersambach zurückgenommen. Für dieses Grundstück müssten sie eine neue Planung einreichen. Zuletzt hatte nun das Haus Schönborn quasi in letzter Minute das für die Konzentrationsfläche vorgesehen Grundstück aus der Überplanung der Gemeinde zurückgezogen. Darüber wurde bereits in der letzten Ratssitzung am 10. Oktober diskutiert.

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Als Bürgermeister Knaier diesmal den Tagesordnungspunkt mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans für die Sonderfläche aufrief, stellte Ratsmitglied Walter Rosentritt (Reupelsdorfer Liste) gleich den Antrag, dass man darüber nicht noch einmal diskutieren müsse, weil es keine neuen Erkenntnisse gebe. Das sahen die Kollegen vom Bürgerblock anders. Es gebe sehr wohl neue Erkenntnisse, Delissen wolle nach wie vor die Fläche in Nähe des Sportzentrums und lasse dazu neue Pläne erstellen, sagte Michael Rückel (Bürgerblock). Die Gemeinde solle "die Karten auf den Tisch legen" und diese Grundstücke dicht machen, was seiner Ansicht nach durch ein dort auszuweisendes Sondergebiet möglich wäre. Man müsse die Untersambacher Flur schützen, weil dort aktuell kein rechtsgültiger Bauplan vorliege, so Rückel.

Bürgermeister Knaier würgt Rückel ab

Das werde nicht so einfach gehen, die Behörden würden diesen Fall als Verhinderungsplanung ansehen und wohl ablehnen, wiederholte Bürgermeister Knaier seinen bereits mehrfach zuvor vorgebrachten Standpunkt. Schließlich wurde über den Antrag von Ratsmitglied Rosentritt abgestimmt, in der aktuellen Sitzung nicht mehr darüber zu diskutieren. Mit neun zu sieben Stimmen erhielt der Vorschlag die Mehrheit.

Daraufhin meldete sich Ratsmitglied Rückel (Bürgerblock) erneut, er habe noch Ausführungen zu dem Thema. Da ging Bürgermeister Knaier dazwischen. Der Antrag sei abgestimmt, "damit ist der Punkt fertig", Nachmeldungen gebe es nicht, würgte Knaier ihn quasi ab. Das erboste die Mitglieder der Fraktion Bürgerblock dermaßen, dass mit Rückel, Heinrich Wörner, Harald Rößner drei ihrer Vertreter plus Erwin Jäger (SPD) und Frank Hufnagel (Bündnis 90/Die Grünen), fünf Mann die Sitzung verließen. Die verbleibenden Räte setzten die Sitzung fort.

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