NENZENHEIM

Eisen verliert Kampfabstimmung

Dass Vereine händeringend nach willigen Personen suchen, um hohe Ämter zu bekleiden, ist derzeit gang und gäbe. Dass jedoch gleich zwei Bewerber an die Spitze eines Vereins wollen und es zu einer Kampfabstimmung kommt, ist selten. Am Samstag war es in Nenzenheim der Fall: Alexander Hansch, seit vier Jahren Kassier des Weinbauvereins Nenzenheim, trat, für viele überraschend, gegen den langjährigen Vorsitzenden Ludwig Eisen an und gewann die Wahl mit eindeutigen 28:6 Stimmen. Ein Ergebnis, das nicht nur an sich einen Paukenschlag für den Verein bedeutete. Auch der Weg bis zur Wahl war von kontroversen Diskussionen geprägt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Teamgeist demonstriert: Willi Bayer, Daniel Sturm, Alexander Hansch, Michelle Krämer und Günther Kahl sind das neue Vorstands-Team des Weinbauvereins Nenzenheim. Foto: Foto: Timo Lechner

Dass Vereine händeringend nach willigen Personen suchen, um hohe Ämter zu bekleiden, ist derzeit gang und gäbe. Dass jedoch gleich zwei Bewerber an die Spitze eines Vereins wollen und es zu einer Kampfabstimmung kommt, ist selten. Am Samstag war es in Nenzenheim der Fall: Alexander Hansch, seit vier Jahren Kassier des Weinbauvereins Nenzenheim, trat, für viele überraschend, gegen den langjährigen Vorsitzenden Ludwig Eisen an und gewann die Wahl mit eindeutigen 28:6 Stimmen. Ein Ergebnis, das nicht nur an sich einen Paukenschlag für den Verein bedeutete. Auch der Weg bis zur Wahl war von kontroversen Diskussionen geprägt.

Ludwig Eisen schien vom geplanten „Umsturz“ nichts zu ahnen und berichtete zu Sitzungsbeginn über die Themen, die den 78 Mitglieder starken Verein im vergangenen Jahr beschäftigten. Mit 81 Hektoliter Most sei die Erntemenge der Nenzenheimer Winzer höher als der Durchschnitt gewesen, man habe „richtig ackern“ müssen, um 90 Prozent des Weins wetterbedingt in zwei Wochen zu lesen. Das Nenzenheimer Weinfest, das der Verein seit fast 40 Jahren gemeinsam mit dem Sportverein in einer Weinfestgemeinschaft (WFG) rund um das erste Mai-Wochenende veranstaltet, sei nach wie vor der Höhepunkt des Jahres. Eisen verkündete, dass der Gewinn künftig zu gleichen Teilen an die Vereine geht und nicht wie früher im Verhältnis 60 Prozent für den Weinbauverein und 40 für die Sportler. Das war der erste Punkt, der von einigen Mitgliedern kritisiert wurde, da Uneinigkeit in Fragen beispielsweise des Einsatzes an Gütern wie Kühlwagen und der Bezahlung von Sicherheitspersonal sowie deren Kostenaufteilung herrschte. Die vielen Einzelfragen, die in diesem Zusammenhang auftauchten, konnten nicht ad hoc geklärt werden.

Kassier Alexander Hansch verkündete einen hohen vierstelligen Betrag als sattes Plus, mit dem der Weinbauverein aus dem Geschäftsjahr 2014 herausging. Hier hakte Mitglied Wolfgang Freyberger ein. Es existiere seines Wissens nach ein weiteres Konto, über das Aufwendungen der WFG laufen und auf das alleine der Weinbauverein seine Hand habe. Freyberger wollte wissen, ob dieses Konto geprüft werde. Es stellte sich heraus, dass über dieses Konto der Vorsitzende verfügt und es im Jahr 2013 erstmals überprüft worden war. Manfred Krämer war einer der Prüfer und schilderte der Versammlung die stichprobenartige Kosten-Leistungs-Rechnung, die er gemeinsam mit Evi Kilian unternommen hatte. Dabei stellte sich heraus, dass über dieses Konto die vielen laufenden Kosten des Weinfestes, das einen Gesamtumsatz von rund 150 000 Euro hat, abgewickelt werden und es sehr großen Aufwand brauche, um hierbei wirklich jeden Beleg einzeln zuzuordnen. Das Konto werde seit Jahren auf Vertrauensbasis vom Vorsitzenden verwaltet, der damit nicht nur die Gagen der Musiken, sondern beispielsweise auch kleinere Posten wie Büromaterial oder Gutscheine abwickelt. Krämer und Kilian hätten 2013 lediglich Empfehlungen ausgesprochen, die Kostendisziplin wieder zu stärken. Ludwig Eisen beteuerte, bei Ausgaben stets im Sinne der WFG gehandelt zu haben. Nach rund halbstündiger Diskussion stellte der ehemalige Kassier Rüdiger Eisen den Antrag, künftig auch dieses Konto bei der Kassenprüfung mit einzubeziehen. Daraufhin wurde die Entlastung des Kassiers erteilt, die des Vorstands fiel jedoch nicht einstimmig aus.

Wolfgang Freyberger leitete die Wahlen. Erster Vorschlag für das Amt des Vorsitzenden: Alexander Hansch. Es vergingen lähmend lange Sekunden, bis eines der Mitglieder doch noch den amtierenden Vorsitzenden vorschlug. Die Auszählung der Stimmzettel brachte dann ein klares Ergebnis für Hansch. Stellvertretender Vorsitzender Uwe Sieber wäre zwar wieder angetreten, der ebenfalls vorgeschlagene Daniel Sturm konnte aber sämtliche gültigen Stimmen auf sich verbuchen. Willi Bayer wurde als dritter Vorsitzender in seinem Amt bestätigt. Als Schriftführerin wurde Michelle Krämer vorgeschlagen, die ebenfalls einstimmig gewählt wurde. Karl-Heinz Schwemmer war nach 20 Jahren in diesem Amt nicht mehr zur Wahl angetreten. Günther Kahl feierte ein „Comeback“ in den Vorstand und trat erfolgreich als Kassier an. Ebenfalls zurückgekehrt ist Stefan Löslein als Ausschussmitglied, der den Vorstand zusammen mit den wieder angetretenen Matthias Kahl und Sebastian Wolf unterstützt.

Alexander Hanschs erste Amtshandlung als Vorsitzender war, der Versammlung einen Neuanfang zu signalisieren. Die WFG solle künftig noch eigenständiger werden, es müsse nicht wie bisher der Vorsitzende des Weinbauvereins auch die Belange des Weinfests unter sich haben. Auch solle dessen Abrechnung transparenter werden. Der Weinbauverein werde sich wieder auf seine Kernaufgaben konzentrieren und ebenso wie der Sportverein acht Mitglieder in die WFG entsenden. Die Ehrenmitgliedschaft, die er Ludwig Eisen antrug, lehnte dieser ab.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.