SULZFELD/LANDKREIS KT

Einmaliger Besuch im Frankenland

Diese Männer und Frauen haben eine Leidenschaft, die sich sehen lassen kann. Am Mittwoch, 4. Juni, machen Bugattisten aus Ländern wie USA, Australien und Japan im Landkreis Kitzingen Station. Ein seltenes Spektakel.
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Hingucker: Bugatti zählen nicht nur zu den erfolgreichsten Rennautos aller Zeiten, sondern auch zu den schönsten. Foto: Archivfoto: Siegfried Farkas
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Diese Männer und Frauen haben eine Leidenschaft, die sich sehen lassen kann. Am Mittwoch, 4. Juni, machen Bugattisten aus Ländern wie USA, Australien und Japan im Landkreis Kitzingen Station. Ein seltenes Spektakel.

Alle acht Jahre findet das Internationale Bugatti-Treffen in Deutschland statt. In jedem Bundesland sind die Liebhaber der seltenen Fahrzeuge gern gesehene Gäste. Deshalb hat der Sulzfelder Winzer Hugo Brennfleck recht, wenn er von einer einmaligen Sache spricht. „Wir werden so etwas bei uns nicht mehr erleben.“

Thomas Feierabend hat schon etliche Bugatti-Treffen und -Rennen erlebt. Der Inhaber der gleichnamigen Würzburger Oldtimer-Restaurierungsfirma ist schon in Sizilien und auf der berühmt-berüchtigten Mille Miglia, von Brescia nach Rom und zurück, mitgefahren. Über staubige Schotterstraßen hat er seinen Bugatti Typ 37 gelenkt und über Gebirgspässe. „Einmal sind wir beinahe im Schnee versunken“, erinnert er sich. Extreme Bedingungen machen den Fahrern nichts aus. „Bugattisten sind kernig“, sagt Feierabend. Das passt. Denn die Fahrzeuge gelten unter Liebhabern ebenfalls als robust. Und als äußerst zuverlässig.

„Früher dauerten Rennen auch mal ein paar Tage.“
Thomas Feierabend, Bugatti-Fahrer

Zwei Grand-Prix-Bugatti hat Feierabend in seinem Besitz. Das Besondere an dem Auto: seine Form, die aus der Vogelperspektive ein wenig an ein Boot erinnert, seine Geschwindigkeit und seine Zuverlässigkeit. „Früher dauerten Rennen auch mal ein paar Tage“, erinnert Feierabend. „Da mussten die Autos durchhalten.“

Früher, das war in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ettore Bugatti hatte im Jahr 1909 mit Unterstützung gut situierter Freunde sein eigenes „Automobil-Atelier“ im damals noch deutschen Molsheim bei Straßburg gegründet. Bugatti war ein vielseitig interessierter Mann. Als Sohn eines Goldschmieds, Malers, Bildhauers und Kunstmöbelherstellers besuchte er für kurze Zeit die Akademie der schönen Künste in seiner Geburtsstadt Mailand. Doch dieses Studium fesselte ihn gar nicht. Es zog ihn nach Paris, ins Zentrum des Automobilbaus am Ende des 19. Jahrhunderts.

„Er hat immer außergewöhnliche Lösungen gefunden“, schwärmt Feierabend. Beispielsweise das Alurad mit integrierter Bremstrommel. Dadurch war ein sehr schneller Bremsenservice im Rennen möglich. „Er hat ganz besondere Autos gebaut“, sagt Feierabend. Die Rennwagentechnik hat Geschichte geschrieben.

Der Bugatti galt zu seiner Zeit als der „schnellste Leiterwagen“ der Welt. Mehr als 200 km/h brachte er in den 30er Jahren auf die Rennstrecke. Und hat damit Rekorde aufgestellt. Der erfolgreichste Rennwagen aller Zeiten ist der Bugatti Typ 35. Alleine zwischen 1924 und 1927 feierten die Fahrzeuge mit dem prägnanten Kühler 1851 Siege.

Etwa 7000 Bugatti sind in Molsheim im heutigen Elsass entstanden. Beinahe jeder ein Unikat. „Die Typenvielfalt war relativ groß“, erzählt Feierabend. „Ettore Bugatti wollte sich abheben von der langsam beginnenden Massenproduktion.“ Er wollte exklusiv sein. Die Oldtimerfreunde danken es ihm noch heute.

Wer ein solches Fahrzeug besitzt, gibt es in der Regel nicht mehr her. Thomas Feierabends Vater Helmut war in Deutschland einer der ersten, der Oldtimer restaurierte. „Den Bugatti Typ 37 hat er in den 60er Jahren als Schrott gekauft“, erinnert sich der Sohn. „Und die Fragmente wieder hergerichtet.“

Am diesjährigen Bugatti-Treffen nimmt er allerdings mit dem leistungsstarken Bugatti Typ 54 Grand Prix teil, der über 250 PS leistet und mehr als 200 km/h schnell ist. Zwischen dem 3. und 8. Juni sind 71 Bugatti in Franken zu sehen. Sie sind auf den Straßen in Bamberg, Bayreuth und Coburg unterwegs. Am 4. Juni fährt der Tross von Bamberg über Ebrach nach Sulzfeld. Dort freut sich der Winzer Hugo Brennfleck schon auf den Besuch. Zwischen 12 und 15 Uhr wird er rund 160 Personen in seinem Weingut verköstigen. Während dieser Zeit sind die seltenen Fahrzeuge in den Gassen der Winzergemeinde geparkt und können besichtigt werden.

Gegen 15 Uhr fährt der Tross durch das Erlacher Tor wieder aus Sulzfeld hinaus. Ein Moment, auf den sich Brennfleck ganz besonders freut. „Dann können die Fahrer mal richtig Gas geben“, sagt er. Mit im Gepäck haben sie dann einen ganz besonderen Bocksbeutel. Brennfleck hat für die Veranstaltung extra 160 spezielle Etiketten drucken lassen. Ettore Bugatti ist darauf zu sehen, wie er auf die Silhouette Sulzfelds blickt und in die Gassen des Ortes, in dem am 4. Juni Teile seines Vermächtnisses zu bewundern sind.

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