MAINBERNHEIM

Einer, der mit den Menschen leben will

Paul Häberlein ist angekommen. Nicht nur physisch im frisch renovierten Pfarrhaus im Mainbernheimer Gartenweg. Der neue Pfarrer und seine Frau Birgid haben sich eingelebt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Aufgespielt: Die Musik ist wichtig für Paul Häberlein. Saxophon spielt der Mainbernheimer Geistliche auch im Ensemble. Foto: Foto: Timo Lechner

Paul Häberlein ist angekommen. Nicht nur physisch im frisch renovierten Pfarrhaus im Mainbernheimer Gartenweg. Der neue Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde und seine Frau Birgid haben sich auch mental bereits im Markgrafenstädtchen eingelebt, wo er seit 1. Mai die Stelle inne hat, die seit anderthalb Jahren vakant war.

„Mainbernheim hat alles, und das in Reichweite. Man kann zum Lebensmittelgeschäft laufen, auch zum Doktor oder zur Bank, alles zu Fuß. Und auf dem Weg dorthin trifft man immer wieder nette Leute“, sagt der 53-Jährige. Zudem mangele es nicht an Helfern, die das gemeindliche Leben unterstützen oder ihn einfach bei der Organisation von Gottesdiensten unter die Arme greifen. Nur dass es noch keinen hauptamtlichen Organisten gibt, das sei schade.

„Endlich wieder nur Pfarrer“ sein, das wollte Häberlein nach den Jahren in der Diasporagemeinde St. Johannis in Karlstadt, wo er fünf Predigtstationen hatte und die mit einem Anteil von sechs Prozent verhältnismäßig wenigen evangelischen Christen betreute. Dabei ging viel Zeit und Energie alleine für das Autofahren drauf. Persönliche Kontakte waren weitaus schwerer zu knüpfen oder zu halten, als dies in einer Kleinstadt wie Mainbernheim der Fall ist.

„Das Wort Gottes besitzt an sich schon eindeutige Botschaften.“
Paul Häberlein, Pfarrer in Mainbernheim

Dennoch hat Paul Häberlein bereits alles Hände voll zu tun. Bis sämtliche Vereinigungen rund um die Kirche besucht und begrüßt sind, das dauert eine Weile. Zudem gibt es in einer regen evangelischen Gemeinde wie Mainbernheim eine Vielzahl an Terminen und Verpflichtungen. Dazu kommt, dass Häberlein einfach gerne predigt und sich viel Zeit lässt, Gottes Wort auszulegen und für die Menschen begreifbar zu machen. „Das mache ich nicht belehrend oder mit erhobenem Zeigefinger. Das Wort Gottes besitzt an sich schon eindeutige Botschaften“, meint der gebürtige Marktstefter. Seelsorge im Sinne des Wortes, das sei ihm wichtig. Den Menschen begleiten, das heiße für ihn, in allen Lebenslagen da zu sein: Ob bei der Taufe, auf einen gemütlichen Schoppen beim Fest oder eben auch bei der Trauerarbeit. Das gehöre alles zusammen.

Einen festen Platz im Arbeitszimmer im Pfarrhaus haben aber nicht nur die Bücher der reichhaltigen Bibliothek und die üblichen christlichen Insignien. Dort stehen auch die verschiedenen Saxofone, die Paul Häberlein spielt. Erst seit sieben Jahren, aber das schon mit einer Finesse, dass er sogar ein Ensemble mit befreundeten Musikern in der „alten Heimat“ Karlstadt hat.

Musik spielt schon lange eine Rolle im Leben Häberleins. Ein Lehrer konnte einst seinen Vater überzeugen, den kleinen Paul doch in die Musikschule zu schicken, damit er Klavierspielen lerne. Mit dem Instrument machten die Häberleins ein Schnäppchen – ein Würzburger Fußballverein hatte damals Konkurs angemeldet und verkaufte sogar das Inventar des Vereinsheims. Darunter war auch ein Klavier. Von den klassischen Tasten wechselte Häberlein, mittlerweile Student, zu den elektronischen, spielte Rockmusik in diversen Bands. Solange es eben noch mit Beruf, Frau und den letztlich vier Kindern vereinbar war.

Paul Häberlein mag es aber auch ganz ruhig. Wenn er an seinen Modellbauschiffen bastelt und beispielsweise die Gorch Fock oder die HMS Victory nachbaut, dann braucht der Geistliche absolute Ruhe. Und nimmt sich auch mal ein paar Jahre Zeit, um ein Modell perfekt zu machen. Eine Winterarbeit, nichts für den Frühling oder Sommer. „Schön ist, dass man diese Arbeit immer wieder unterbrechen und später zurückkehren kann“, sagt Häberlein. Dass ihm diese gelungen ist, davon zeugen die Schiffe, die im Gang in einer Vitrine stehen. „Ein wunderbarer Ausgleich für jemanden, der viel mit dem Kopf und Worten arbeitet. Da hat man am Ende wirklich etwas in der Hand“, meint der einstige Notfallseelsorger.

Das dritte Hobby, Angeln, musste bislang zurückstehen. Dafür ist der Umzug nach Mainbernheim doch noch zu frisch, der Garten muss hergerichtet und irgendwann auch die letzte Kiste ausgepackt werden. Doch Paul Häberlein hat es nicht eilig. Eben einer, der angekommen ist.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.