Kitzingen
Jubiläum

Eine schlagkräftige Einheit

Vor 60 Jahren wurde der Ortsverband Kitzingen des Technischen Hilfswerkes gegründet. Seitdem haben die Aktiven zahlreiche spektakuläre Einsätze absolviert - von der versenkten Fähre bis zum Bau eines Behelfskrankenhauses.
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Stefan Müller und die drei THW-Ortsbeauftragten Alexander Fischer, Günter Raab und Johann Seelig sind stolz auf das große ehrenamtliche Engagement des THW und freuen sich auf das anstehende 60-jährige Jubiläum.  Fotos: Stühler
Stefan Müller und die drei THW-Ortsbeauftragten Alexander Fischer, Günter Raab und Johann Seelig sind stolz auf das große ehrenamtliche Engagement des THW und freuen sich auf das anstehende 60-jährige Jubiläum. Fotos: Stühler
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"Wir haben mit Pickel, Schaufel und Spitzhacken angefangen." Johann Seelig erinnert sich noch gut an die Anfangsjahre des Technischen Hilfswerkes in Kitzingen. "Allzeit bereit, hieß es damals", sagt er. 1954 ist Seelig dazugekommen, ein Jahr, nachdem 31 Männer den Ortsverband gegründet hatten.180 Personen waren zuvor einem Aufruf gefolgt und hatten Interesse an ehrenamtlichen Einsätzen gezeigt. "Das THW war für mich ein Zufallstreffer", lacht Seelig verschmitzt.

Erster Ortsbeauftragter war bis 1963 Karl Zepter - und dann begann die große Zeit von Johann Seelig. Bis 1989 leitete er den Ortsverband. 1990 wurde er zum Ehren-Ortsbeauftragten ernannt. Sein Nachfolger war bis 2002 Günter Raab, heute leitet Alexander Fischer das Kitzinger THW.
"Daneben gibt es noch einen Förderverein, dessen Vorstand ich von 1981 bis 2002 war, dann übernahm Alexander Fischer bis 2013 und jetzt wurde Florian Raab zum Vorsitzenden gewählt", erzählt Seelig.

Per Boot zur Kronenkreuzung

Als Ortsbeauftragter hat er die wesentlichen Meilensteine der Organisation miterlebt. 1968 wurde der erste Mannschaftslastwagen angeschafft, damit gewann man deutlich an Mobiliät. 1969 war die Geburtsstunde des Bereitschaftsdienstes bei Unfällen auf der Autobahn. Am 4. Juli 1969 erstellte das THW eine Behelfsbrücke über den Bimbach. Hintergrund war die kurzfristige Flurbereinigungsmaßnahme des Wasserwirtschaftsamtes Würzburg, das den Bimbach regulieren und hochwasserfrei legen wollte. Innerhalb von 14 Stunden Bauzeit erstellten 17 Helfer aus den Ortsverbänden Kitzingen, Lohr und Würzburg eine Schwerlastbrücke, auf 60 Tonnen Nutzlast ausgelegt.

"Beim Jahrhundert-Hochwasser 1970 in Kitzingen galt es unzählige Sandsäcke zu füllen, da sind wir sogar mit dem Boot auf der Kronenkreuzung herum gefahren", erinnert sich Günter Raab. "Und wir haben mit einem Schlauchboot ein Liebespärchen in letzter Minute aus einer Gartenlaube am Main gerettet", fügt Hans Seelig verschmitzt hinzu.

1972 leistete das THW bei der Olympiade in München "technische Hilfe auf Verkehrswegen". 1983 bekam der Ortsverband drei neue Fahrzeuge, einen Führungswagen und zwei Mannschaftskraftwagen. "Wir waren die erste Einheit in Bayern, die eine Rettungsschere und einen Spreizer hatten, noch vor der Feuerwehr", blickt Seelig stolz zurück. 1987 wurde mit einem Spatenstich die neue Unterkunft im Gewerbegebiet "An der Staustufe" begonnen und 1989 feierlich eingeweiht.

Als schwierig und arbeitsreich für die Helfer erwies sich der Orkan "Wiebke", der mit Windstärke 12 über dem Landkreis Kitzingen tobte. "Wir mussten unzählige umgestürzte Bäume aufräumen", weiß Seelig noch genau. " Auch 2000 fegte ein Sturm mit 170 km durch den Landkreis und hinterließ deutliche Spuren. "Eine Giebelwand wurde eingedrückt, ein Stahlrohrgerüst eingerissen und beim LZR und in den Larson-Baracks Metall-Trapez-Dächer abgedeckt." Die Folgen des Sturmes beschäftigten das Kitzinger THW über mehrere Tage.

Die Liste der großen Einsätze ist lang - Alexander Fischer erzählt von überregionalen Ereignissen wie dem katastrophalen Hochwasser an der Elbe, als die Kitzinger in Magdeburg im Einsatz waren. Ende der 60-er hatten die Aktiven nach einem Erdbeben in Banja Luka beim Bau eines Behelfskrankenhauses im damaligen Jugoslawien mitgeholfen. Am 23. Februar 1970 dankte Oberbürgermeister Rudolf Schardt den THW-Helfern Wolfgang Kirstein, Heinrich Schüllein, Karl-Heinz Conrad, Aldo Michalek, Werner Buhl und Hans Ehrlich für ihren Einsatz mit einem Empfang.

Aber auch Einsätze in der Region sind unvergessen - zum Beispiel der spektakuläre Unfall 1994 an der Mainfähre Albertshofen: Ein Winzer hatte mit seinem Traktor und einem Anhänger mit Weinflaschen die Fähre fast versenkt. "Alle unsere Mitarbeiter waren im Einsatz", erinnert sich Günter Raab.

Einen festen und wichtigen Bestandteil im THW Kitzingen stellt die Jugendgruppe dar. Als Ortsbeauftragter hatte Hans Seelig sie 1982 eine der ersten in Bayern ins Leben gerufen. Seelig betreute damals zusammen mit Erwin Pavel 17 Jungs. Heute besteht die Jugendgruppe aus 25 Jungs und Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren.
Unter der Betreuung von Jochen Dürr, Klaus Hack und Thomas Schürer bereiten sich die Jugendlichen sorgfältig auf die Aufgaben eines aktiven Helfers vor. Dazu gehört die Bearbeitung verschiedener Materialien, der Bau von Stegen, der Umgang mit den verschiedenen Geräten sowie das Retten von Personen und Grundlagen in Erster Hilfe. Die Teilnahme an Leistungswettkämpfen mit anderen Jugendgruppen auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene stellt einen Höhepunkt in der Jugendarbeit dar. Der größte Erfolg gelang der Kitzinger Jugendgruppe 1991, als sie Bayerischer Landessieger wurde. Auf dem Bundesjugendwettkampf in Gelsenkirchen errangen die 1992 den 5. Platz.

Die Basiseinheit im Ortsverband des THW ist der Technische Zug mit einem Zugtrupp, zwei Bergungsgruppen und der Fachgruppe Wassergefahren. Zu den Hauptaufgaben des Zuges zählen die Rettung von Personen und Tieren sowie die Bergung von Sachgütern aus Gefahrenlagen.

15 bis 20 Einsätze im Jahr

"Die Technischen Züge sind eine schlagkräftige Einheit, wenn es gilt, Einsätze zu bewältigen oder Behörden und andere Hilfsorganisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen", sagt Alexander Fischer, Sechs Fahrzeuge und drei Anhänger mit Notstromaggregat gehören zur Ausrüstung.

Die Fachgruppe Wassergefahren ist auf die Rettung von Menschen und Tieren sowie die Bergung von Sachwerten aus Wassergefahren spezialisiert. Dem OV Kitzingen stehen für diese Aufgaben drei motorisierte Mehrzweckarbeitsboote zur Verfügung. Zudem ist das Mehrzweckboot des Landkreises Kitzingen beim THW stationiert. Es startet im Einsatzfall mit einer gemischten Besatzung aus Mitgliedern der Kitzinger Feuerwehr und des THW. Durch die Nähe des Mains und seinen Gefahren legen die Verantwortlichen ein großes Augenmerk auf diesen Bereich. Zwölf Bootsführer stehen zur Verfügung, die alle einen mehrwöchigen Lehrgang absolvierten und die erworbenen Kenntnisse ständig mit zahlreichen Ausbildungen und Übungen ergänzen.

Das THW ist eng in die Ölschadensbekämpfung im Landkreis eingebunden, zumal auch eine kreiseigene Ölsperre dort stationiert ist. "Wir arbeiten mit den Kollegen dieser Rettungsorganisationen bestens zusammen, in dieser Hinsicht können wir uns im Landkreis "von" schreiben", loben die THW-ler. Man pflege einen offenen Umgang miteinander. "Unser Chef in München lobt uns immer dafür, wie gut alles in Kitzingen läuft, während sich in anderen Regionen Rettungsorganisationen förmlich bekriegen."

15 bis 20 Einsätze hat das Kitzinger THW pro Jahr. Durchschnittlich werden zwischen 16 000 und 18 000 Stunden ehrenamtlich geleistet. 50 aktive Mitglieder hat das THW heute, 25 Junghelfer und 18 Reservehelfer. Dazu kommen noch die Mitglieder des Fördervereins, so dass es insgesamt 120 Personen sind. "Uns plagen trotz der Abschaffung der Wehrpflicht keine Nachwuchssorgen", beton Alexander Fischer. "Bei uns ist Jeder willkommen, ob Mann oder Frau bis 64, wir haben Aufgaben für alle!"



Am 22. Juni feiert das THW Kitzingen sein 60-jähriges Jubiläum. Mit diesem Fest soll auf dem Bleichwasen das "Promenadenfest" wieder aufleben.
Beginn ist um 13 Uhr mit einer Leistungsschau und Bootsfahrten auf dem Main. Es gibt einen offiziellen Festakt mit geladenen Gästen und ab 19 Uhr musikalische Unterhaltung mit dem Duo "Le-cker".
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