Mainbernheim

Eine bewohnbare Altstadt mit Lebensqualität und Parkplätzen

Wenn in einem kommunalen Gremium über die Verkehrssituation im Ort, insbesondere über das Parken gesprochen wird, verläuft die Diskussion selten emotionslos.
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Unterschiedlich ausgeleuchtet sind Straßenbereiche in der Stadt Mainbernheim in der Nacht.

Wenn in einem kommunalen Gremium über die Verkehrssituation im Ort, insbesondere über das Parken gesprochen wird, verläuft die Diskussion selten emotionslos. Stadtplanerin Yvonne Slanz hatte bei der Vorstellung der Untersuchung über das Parkverhalten in Mainbernheim – durchaus gewollt – provozierende Vorschläge dabei, insbesondere für die Herrnstraße, was nicht jedem gefiel. Letztlich wollen aber im Stadtrat alle als Ziel eine bessere Gestaltung und ein möglichst nahes Parken für die Anwohner an ihren Haus.

Nach ihrer Untersuchung der Parkplatzsituation überraschte Slanz in der Stadtratssitzung am Donnerstag mit der Aussage, dass im Untersuchungsgebiet sogar Stellplätze reduziert werden könnten. An einem üblichen Werktag außerhalb der Ferienzeit, nämlich am 26. April diesen Jahres, wurden von 5 bis 6 Uhr und von 10 bis 19 Uhr die parkenden Fahrzeuge erfasst, um Aussagen über die Auslastung der Parkplätze und die Parkdauer zu bekommen.

230 Parkplätze, davon genau die Hälfe außerhalb der Stadtmauer, hat die Planerin ermittelt. Davon befinden sich 49 Stellplätze allein in der Herrngasse. Slanz erläuterte dem Stadtrat, zu welcher Zeit welche Parkplätze ausgelastet seien oder nicht, insbesondere was auch die Seitenstraßen betrifft.

Der bisherige Bedarf von 60 neuen Parkplätzen habe auf den Einwohnerzahlen und der im Landkreis durchschnittlich pro Einwohner angemeldeten Autos basiert. Dazu stellte Slanz fest, dass zum Zeitpunkt der Erhebung mit der maximalen Auslastung tatsächlich 63 Stellplätze in einer zumutbaren Entfernung zur Verfügung gestanden hätten. Statistisch betrage die „zumutbare Entfernung“ 200 Meter beim Einkaufsverkehr, 300 Meter für Kurzzeitparker und 500 Meter für Langzeitparker. Das rief aber schon erste kritische Anmerkungen hervor, denn aus den Reihen des Stadtrates wurde klar gesagt, dass man hier auf dem Land und nicht in der Stadt lebe.

Slanz ließ sich dadurch nicht beirren, wohl wissend, dass sie noch weiteres Konfliktpotenzial hatte. Denn ihrer Ansicht nach belegen die ermittelten Daten – die sich an anderen Tagen nicht wesentlich verändern würden – dass eine Reduzierung der derzeitigen Stellplatzzahl entlang der Herrnstraße zu Gunsten der Aufwertung der Innenstadt möglich sei. Weitere Kurzzeitparkzonen müssten dann aber eingeführt werden, um Kunden des Einzelhandels das Parken zu ermöglichen.

Slanz zufolge gebe es drei Möglichkeiten. Man könne es so lassen, wie bisher. Das bedeute keine Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Aufenthaltsqualität. Das genaue Gegenteil bedeute der Abbau von 40 Stellplätzen in der Herrnstraße. Die Kurzzeitparkplätze blieben bestehen. Dies würde den größtmöglichen Spielraum für eine Umgestaltung und Verbesserung des Stadtbildes bieten. Aber Slanz weiß: „40 Plätze herausnehmen, dann haben wir Revolution hier.“ Der Mittelweg – drittens – könne eine Reduzierung um 25 Parkplätze sein mit zusätzlichen Kurzzeitparkplätzen. Dazu sei eine Parkraumüberwachung nötig.

Klar war allen, dass eine Veränderung nur mit den Anwohnern zu verwirklichen sei. In einer Sondersitzung will sich der Stadtrat noch intensiv über die künftige Gestaltung Gedanken machen. „Wir reden mit den Grundstückseigentümern“, versicherte Bürgermeister Peter Kraus. Stadtrat Michael Hutterer, der selbst im Innenbereich wohnt, pochte auf die Lebensqualität der Bewohner im Ort, der bewohnbar sein müsse. Dazu zählten wohnungsnahe Parkplätze. Stadtrat Robert Finster betonte, dass man bereit zum Umdenken sein müsse. Früher nämlich sei zuerst an das Auto gedacht worden.

Die Aussagen über den Stadtboden, also die Oberflächengestaltung der Straßen und Wege, können schnell zusammengefasst werden, denn dieser sei teilweise schon hervorragend gestaltet. Stadtplanerin Yvonne Slanz betonte, dass es der Mithilfe der Eigentümer bedürfe, den Stadtboden zu erhalten oder zu verbessern, gerade was die Grenzen zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich betreffe.

Sanierungsbedarf bestehe aber bezüglich der Begehbarkeit und Rollbarkeit der Pflasterbereiche. Allerdings könne eine Barrierefreiheit nicht überall erreicht werden. Zu klären sei, wo Instandsetzungsarbeiten ausreichten oder wo umgestaltet werden müsse. Slanz warnte dabei vor Klein-Klein-Maßnahmen. Auch über die Beleuchtung müsse man sich Gedanken machen, denn viele Bereiche in der Stadt seien zu dunkel, gerade was Wege zu Stellplätzen betreffe.



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