Gleich doppelten Grund zum Feiern hatte der Wiesenbronner Posaunenchor am Sonntag, beging der Instrumentalchor doch sein 90-jähriges Bestehen und das 25. Jubiläum der freundschaftlichen Verbindung mit den Kollegen aus Veitsbronn. Die Anlässe wurden mit einem großen Konzert in der Sporthalle gebührend gefeiert.

Vorsitzender Günter Becker begrüßte unter den zahlreichen Gästen auch Bezirkskantor Rainer Gaar. „Einen schönen Nachmittag mit schöner Musik“, wünschte Becker den Anwesenden bei den Darbietungen des großen Ensembles auf der Bühne. Denn dort dirigierte Posaunenchorleiter Gerhard Roth einen gemeinsamen Posaunenchor der befreundeten Bläser aus Wiesenbronn und Veitsbronn.

Weitere musikalische Kostproben ihres Könnens gaben die Jungbläser unter der Leitung von Musiklehrer Manfred Rappert. Er stellte die sechs Kinder einzeln vor und lobte sie dafür, dass sie eisern jeden Samstag um 8 Uhr in der Frühe zum Proben kommen. „Die Gründungsgeschichte des Posaunenchors hat mich beeindruckt“, bekannte Pfarrerin Esther Meist, denn der Verein habe sich seit jeher von der Begeisterung tragen lassen. Der Posaunenchor begleite die Kirchengemeindeglieder praktisch von der Taufe bis zur Beerdigung.

Unterstützung der Kirche bleibt

Die Pfarrerin schenkte dem 90 Jahre bestehenden Verein eine Spardose und versicherte, dass die Kirchengemeinde weiterhin die Bläser mit Geld für die Spardose unterstützen werde. Bürgermeisterin Doris Paul bemerkte, dass Musik zusammenführe und auch zusammenhalte. Mittlerweile setze der Posaunenchor neben der Kirchenmusik in Wiesenbronn auch Akzente mit moderner und weltlicher Musik. Diese Entwicklung konnten die Zuhörer im zweiten Teil des Konzerts hören, als von der Bühne Lieder wie „Highland Cathedrale“ oder „Amazing Grace“ erklangen.

Dass die Wiesenbronner gut aufgestellt sind, davon konnten sich die Zuhörer überzeugen, als Maximilian König die Bläser beim „Jauchzet den Herren alle Welt“ dirigieren durfte. Der 23-Jährige hat die Chorleiter-Ausbildung absolviert und ist jetzt ein vollwertiger Vertreter für Gerhard Roth. „Maxi König mit der Bassposaune, der vertritt mit guter Laune, Dirigent und auch Kassier, Maxi macht das mit Pläsier“, reimte Musiker und Hobby-Poet Günther Schmidt.

Elvira Fröhlich berichtete aus der Vereinschronik. Demnach waren im Jahr 1922 Pfarrer Fichtbauer, Fritz Schlegelmilch und Andreas Kolb vom ersten Landes-Posaunenchortag in Kitzingen begeistert gewesen. Kolb ließ sich nicht von der Vereinsgründung abbringen, auch wenn der Pfarrer das ablehnte, weil dafür kein Geld und auch nicht die richtigen Leute da gewesen seien. Der erfahrene Chorleiter Fritz Schlegelmilch konnte als Dirigent gewonnen werden. In den wirtschaftlichen Krisenzeiten 1923 konnten nach großen Schwierigkeiten endlich auch Instrumente angeschafft werden, was jeden Bläser in der Inflationszeit 22 000 Mark kostete.

Der Posaunenchor musste sich Zeit seines Bestehens selbst finanzieren, in den Anfangsjahren war von der Kirche nichts zu erwarten. Diese Zeiten sind vorbei, heute greifen die Gemeinde und die Kirchengemeinde dem 90 Jahre alten Verein finanziell unter die Arme. Am 11. Februar 1923 hatte der Posaunenchor seinen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit bei einem Hochzeitsgottesdienst.

Der Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg war schwierig. 1969 musste Schlegelmilch als Chorleiter aus gesundheitlichen Gründen aufhören, seine Nachfolge traten gemeinsam Johann Kolb und Hans Schmalz an. Der heutige Chorleiter Gerhard Roth übernahm 1991 die Verantwortung – zusammen mit Roland Kohles. Der Frauenanteil nahm im Lauf der Zeit immer mehr zu, 1997 strukturierte sich der Posaunenchor als Verein neu. Heute spielt der Posaunenchor bei zahlreichen kirchlichen Terminen und Festen.

Günther Schmidt wartete mit einem etwas anderen Rückblick auf 90 Jahre Posaunenchor auf und rückte die Frauen in den Blickpunkt. Sie waren in den Gründerjahren außen vor, bilden aber heute eine wichtige Komponente bei den Bläsern und Schmidt fügte hinzu, dass erstmals in der Wiesenbronner Geschichte die wichtigsten Ämter im Dorf mit der Bürgermeisterin und der Pfarrerin mit Frauen besetzt sind.