Prichsenstadt

Eine Gestaltungssatzung für Prichsenstadt

Stadtrat segnet Entwurf des Stadtplaners Bertram Wegner für den historischen Altstadtkern ab
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Sie ist schon zum Greifen nahe, die Gestaltungssatzung für den historischen Ortskern von Prichsenstadt. Am Donnerstagabend nahm der Stadtrat den Entwurf des Stadtplaners Bertram Wegner vom gleichnamigen Büro in Veitshöchheim unter die Lupe und segnete ihn vom Grundsatz her ab. Nun wird Wegner die gewünschten, kleineren Änderungen in den Entwurf einbauen und ihn dann dem Landratsamt zur Prüfung vorlegen. Der Beschluss selbst ist reine Formsache und dürfte in einer der nächsten Sitzungen über die Bühne gehen.

Für den Geltungsbereich hatte Wegner zwei Vorschläge eingebracht: den eigentlichen Ortskern mitsamt der Stadtmauer und einen zweiten Bereich, der die katholische Kirche und den Friedhof außerhalb der Stadtmauern einbeziehen würde. Für Letzteres machte sich Herwig Hinney stark, der auch den unteren Teil der Bahnhofstraße gern mit dabei gehabt hätte. "Wo wollen wir da aufhören", so die rhetorische Frage von Stefan Deppisch, "dann müssten wir bis hoch zur Mero (am Ortsausgang Richtung Volkach, Anm.d.Red.), und dann sollte auch die Leuchtreklame der Zahnarztpraxis mit überprüft werden." Was sich allein dadurch erledigt hat, dass der Rat mit 10:1 den historischen Ortskern als Geltungsbereich festlegte.

Jetzt ist eine Satzung allein aus rechtlichen Gründen gespickt mit Formulierungen, die sich dem "Normalbürger" nicht auf den ersten Blick erschließen. Das monierte Roland Eckert, "eine Satzung sollte nicht von einem Vietnamesen aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt werden", so sein Argument – leicht überspitzt, wie er selbst zugab. Exemplarisch verwies er auf den Paragrafen mit der Farbgebung der Hausfassaden. Laut Satzung sei das Spektrum der "Mineral- und Pflanzenfarben" zugelassen, "und darunter kann ich mir beim besten Willen nichts vorstellen". Dafür, entgegnete Wegner, sei diese Satzung auch mit einer Fibel, also mit Erläuterungen, ergänzt. Wobei er allerdings Eckert auch zustimmte, "wir werden auch noch an einigen anderen Formulierungen arbeiten, aber nicht mehr so intensiv, denn eine Satzung muss so formuliert sein".

Rein grundsätzlich muss im "Ensemble Altstadt Prichsenstadt" alles Neue harmonisch in den historischen Bestand eingebaut sein. Dazu gehört zum Beispiel, dass Eingangstüren nur aus Holz oder Stahl oder einer Holz-Glas-Konstruktion gestattet sind. Für Fenster sind Holz oder Holz-/Aluminiumtüren gestattet, und der Rat legt auch Wert darauf, dass die Häuser, so möglich, begrünt werden, etwa durch wilden Wein. Vorgärten gibt es im Ortskern nicht, weil die Häuser direkt auf die Grenze zum Gehweg gebaut sind. Deshalb begrüßt der Rat ausdrücklich eine "maßvolle Begrünung".

Um den privaten Bauherren die Arbeit bei Um- oder Einbauten zu erleichtern, werden kostenlose Beratungsgespräche angeboten. Dazu sei auch dringend geraten, denn wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen die Satzung verstößt und zum Beispiel eine bereits eingebaute Veränderung nachträglich beantragt, kann zukünftig mit einer Geldbuße von bis zu 500 000 Euro belegt werden.

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