VOLKACH

Eine Fledermaus an der Hauswand

Da staunte Guido Chuleck nicht schlecht: an der Wand seines Hauses in Volkach hatte sich am helllichten Tag eine Fledermaus festgekrallt, und sie machte keine Anstalten, davonfliegen zu wollen.
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Es ist schon ein beeindruckendes Gebiss, das der Zweifarbfledermaus von der Natur mit auf den Weg gegeben wurde, um ihre Beute zu knacken. Foto: Foto: Christian Söder
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Da staunte unser Mitarbeiter Guido Chuleck nicht schlecht: an der Wand seines Hauses in Volkach hatte sich am helllichten Tag eine Fledermaus festgekrallt, und sie machte keinerlei Anstalten, davonfliegen zu wollen. Stundenlang harrte das eigentlich nachtaktive Tier vom frühen Nachmittag an ein und derselben Stelle in der prallen Sonne aus, und als es selbst in der Dämmerung immer noch dort hing, rückte Christian Söder aus Kitzingen aus. Als Fachberater für Fledermausschutz des Landkreises identifizierte er das Tier als stark gefährdete Zweifarbfledermaus, „keine Fledermaus von der Stange“. Gut 2000 gefundene Fledermäuse sind im Landkreis in einer Datenbank aufgelistet, „und das ist erst meine zweite Zweifarbfledermaus“.

Hatte das Tier bis dahin noch völlig unbeeindruckt gewirkt, wurde es im Schein der Taschenlampe Söders plötzlich munter und kletterte meckernd die Hauswand hoch. Versehen mit festen Arbeitshandschuhen wollte Söder sie einfangen, doch das schlecht gelaunte und vor sich hin meckernde Tier wollte die Flucht ergreifen und landete unter einem Auto. Mit vereinten Kräften gelang es, das Tier zu fangen und in einer schwarzen Baumwolltasche zu verstauen. „Ein dicker Handschuh ist in einem solchen Fall nicht verkehrt“, so Söder, „denn Fledermäuse haben spitze Zähnchen, um ihre Beute zu knacken.“ Außerdem vermutete er anhand eines vorab erhaltenen Fotos eine Verletzung der rechten Hand der Fledermaus.

Einen Tag lang beobachtete er das männliche Tier und ließ es Wasser trinken, Mehlwürmer fressen und sich ausruhen. Verletzt war der „motzige Kerl“ nicht, so dass Söder ihn nach einem Tag Ruhe und Aufpäppeln wieder in Volkach aussetzen konnte. Vermutlich war es dem gut genährten Kerl zu heiß geworden („Geht einem selbst ja auch so“), und er ist deshalb aus seinem Versteck rausgekrochen, vermutlich einem Schlitz unter dem Dachvorsprung. Warum er dann in der prallen Sonne ausharrte wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel sein.

„Zweifarbfledermäuse sind bei uns wenig häufig“, sagt Söder. Sie sind eher Wanderer und legen auch schon mal Strecken über 1400 Kilometer zurück. Dass sie beim Versuch, gefangen zu werden, schlecht gelaunt vor sich hin geschimpft hat, „ist völlig typisch für eine Zweifarbfledermaus. Das sind motzige Choleriker, ein bisschen wie so mancher Politiker im Wahlkampf“. Außerdem stehe gerade die Paarungszeit an, „da sind Männchen eh etwas unter Strom“. Auf jeden Fall ist der „Motzki“ wieder unterwegs, um Mücken, Stechfliegen und weitere stechende Monster zu jagen und wohl auch eine Partnerin zu finden.

Allgemeines zu Fledermaus-Fundtieren

Falls jemand ein Tier findet, ist der erste Grundsatz: Keine Panik. Der zweite Grundsatz: „Immer ein Handtuch dabei haben“ (zum Einfangen), und der dritte ist: Christian Söder Bescheid geben – Tel. (0157) 71966810. Alternativ vermittelt ihn auch das Landratsamt. Söder ist vom LfU (Landesamt für Umwelt) als Fachberater für Fledermausschutz für den Landkreis Kitzingen bestellt, die Versorgung von Fundtieren (20 im Jahr 2017, Zahl schwankend) erledigt er ehrenamtlich.

Weitere Infos im Internet: Internet: www.naturgeflatter.de

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