VOLKACH

Ein stacheliges Vergnügen

Er hat die Welt gesehen. Oder zumindest ein paar sehr interessante Flecken dieser Erde. Und das alles verdankt er einer stacheligen Pflanze. Egon Scherer ist Kaktus-Liebhaber. Seit mehr als 50 Jahren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Echinocereus reichenbachii ssp. burrensis. Egon Scherer hat den Kaktus zusammen mit zwei anderen Liebhabern in Mexiko entdeckt. Foto: Foto: Egon Scherer
+1 Bild

20 000 bis 30 000. So genau kann es der rüstige Rentner nicht sagen. Mit der Zeit hat er den Überblick verloren, wie viele Astrophyten und Sukkulenten in seinem Gewächshaus und auf der Freifläche seines geräumigen Gartengrundstückes in Volkach stehen. Die meisten Kakteen hat der 82-Jährige selbst gezogen, ein paar Samen hat er sogar über den großen Teich mitgebracht. „Als es noch erlaubt war“, sagt er und schmunzelt.

In Mannheim ist Egon Scherer aufgewachsen, hier ist er zur Schule gegangen und hat seinen Beruf als Polizist ausgeübt. Er hat eine Familie gegründet und irgendwann hat ihm ein Kumpel vorgeschlagen, mal ein Päckchen Kaktus-Samen einzupflanzen. „Das war eine richtige Schnapsidee“, erinnert sich der Pensionär mit einem Lächeln. „Aber als nach 8 bis 14 Tagen die ersten kleinen Dornen sichtbar wurden, war ich total fasziniert.“

Die Faszination sollte Scherer sein Leben lang nicht mehr loslassen. Er trat in die Mannheimer Ortsgruppe der Kakteenfreunde ein, wurde später ihr Vorsitzender. 1965 stellte er sein erstes Gewächshaus in einer Kleingartenanlage auf. „Vorher musste ich mir eine Sondergenehmigung bei der Stadt einholen.“ Zehn Jahre später dann der absolute Höhepunkt: Mit ein paar anderen Enthusiasten ging es zum ersten Mal nach Mexiko, dem Eldorado für Kaktusliebhaber.

Vier Wochen mit dem Leihwagen, im Kofferraum Zelt und Campingkocher. 4000 bis 6000 Kilometer haben die Kakteenfreunde zurückgelegt. Von der subtropischen Küste über karge Hochebenen bis in die Halbwüste. „Da ging es teils auch durch unerschlossene Gebiete“, erzählt der ehemalige Polizist. Mit einem Missionar und zwei Indios ist die Gruppe durch unwegsames Geländes marschiert. Scherer stolperte über einen Kaktus, den die Naturliebhaber bis dato noch nicht gesehen hatten. „Er trägt seither meinen Namen“, sagt er und lacht. „Echinocereus schereri“.

Mexiko, der Süden der USA, Bolivien, Chile, Südafrika: Mindestens 25 Reisen hat Egon Scherer unternommen, immer auf der Suche nach neuen oder besonders sehenswerten Kakteenarten. Dafür hat er vor allem in den Anfangsjahren einiges in Kauf genommen. „Ich habe das Rauchen aufgehört und jeden Pfennig gespart, um genug Geld für die Reisen zusammenzubringen.“ Die Mühen haben sich gelohnt. Wenn Scherer von seinen Nächten am Lagerfeuer, dem Sternenhimmel über der Chihuahua-Wüste und seinen Begegnungen mit Schlangen erzählt, leuchten seine Augen.

Nach der Pensionierung zog es den Mannheimer in die Heimat seiner Frau, nach Volkach. Ehrensache, dass er seither Mitglied bei den Kakteenfreunden Würzburg. Die laden am kommenden Samstag, 11. und Sonntag, 12. Juni, von 9.30 Uhr bis 17 Uhr wieder in die Frankenhalle in Dettelbach zu den Mainfränkischen Kakteentagen ein. Neben einer Pflanzenbörse gibt es verschiedene Diaschauen, beispielsweise über den Kakteenfrühling in Süd-West-USA oder die Faszination Mexiko.

Wegen einer kürzlich erfolgten Herzoperation hat Egon Scherer seinen geplanten Vortrag abgesagt, die Ausstellung will er sich trotzdem nicht entgehen lassen. Die nächste Reise hat der 82-Jährige bereits fest eingeplant. Im nächsten Frühjahr soll es wieder losgehen. Nach Mexiko. Kakteen schauen.

Weitere Infos über die Mainfränkischen Kakteentage und den Verein gibt es unter www.kakteenfreunde-wuerzburg.de

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren