KITZINGEN

Ein neuer Stadtteil

Energie-Versorgung der Zukunft? Spezial-Software für die Automobil-Branche? Das alles wird in Kitzingen entwickelt? Unglaublich! Wer wieder einmal richtig staunen möchte, der kann dies im Kitzinger Innopark tun. Die frühere US-Armee-Fläche war das erste Kitzinger Konversionsgebiet, das in zivile Nutzung überging. Nun feiert der Innovations- und Gewerbepark seinen fünften Geburtstag. Die Bürger sind zum Mitfeiern eingeladen.
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Luftaufnahmen dokumentieren die bauliche Entwicklung im Innopark. Dessen Leiter Michael Klos lädt die Bevölkerung zum 5. Geburtstag des Gewerbegebietes ein. Foto: Foto: Diana fuchs
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Michael Klos ist der Leiter des Innoparks. Sein Handy bleibt nie lange still. Der 29-Jährige, der Poloshirts lieber mag als strenge Anzüge, steckt selbst große Mengen Stress gut weg. Das hat er in den vergangenen fünf Jahren bewiesen, als es galt, die 52 Hektar große, frühere Larson-Kaserne mit neuem Leben zu bevölkern. Von seinem Fenster im Verwaltungsgebäude aus blickt er auf das Kasernengebäude nebenan, an dem mehrere Firmenschilder prangen, und auf einen großen Parkplatz, der gut mit Fahrzeugen gefüllt ist. „Vor fünf Jahren war hier alles leer, ich konnte kreuz und quer parken. Und bei den Rundfahrten übers Gelände hatte das Auto jeden zweiten Tag einen Platten – so viel altes Zeug lag herum.“

„Viel Geld im Boden vergraben“

Längst sind die Straßen des Innoparks blank gefegt. 54 Firmen sind mittlerweile angesiedelt, 510 Menschen arbeiten hier. Von außen sieht man das nicht unbedingt. „Oft höre ich Leute sagen, dass sich ja gar nicht viel getan habe“, berichtet Michael Klos. „Aber das sieht nur so aus.“ Tatsächlich haben die drei Geschäftsführer der Innopark GmbH – Bernhard Beck, Thomas Neußner und Guido Gerlach – schon hohe siebenstellige Summen für die Zweckmäßigkeit des Innoparks ausgegeben. Nicht nur Gebäude wurden um- oder neu gebaut, vor allem musste die Infrastruktur – Strom, Gas, Wasser, Abwasser – auf den neuesten Stand gebracht werden. „Man könnte sagen: Viel Geld ist einfach im Boden vergraben.“

Das ist durchaus eine Parallele zum Technologiepark ConneKT, der in den ehemaligen Harvey-Barracks entsteht. Ist ConneKT eine Konkurrenz für den Innopark? Michael Klos schüttelt den Kopf. „Wir kommen uns kaum in die Quere, im Gegenteil. Eher befruchten sich die Standorte gegenseitig, zum Wohl der ganzen Region.“ Während ConneKT-Investor Markus Blum seine meist großen Grundstücke an Unternehmen verkauft, ist die Struktur im Innopark eher kleinräumig – und verkauft wird generell nicht, sondern vermietet. „Wir sind Rundum-Dienstleister für Bürogemeinschaften, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen.“

Und vielleicht für das Staatsarchiv. Schon frühzeitig haben Michael Klos und die Innopark-Geschäftsführer der bayerischen Staatsregierung ein Konzept vorgelegt, wie das unterfränkische Staatsarchiv nach seiner Verlegung von Würzburg nach Kitzingen aussehen könnte. Sollte der Innopark den Zuschlag bekommen, wird das betreffende Gelände aus dem Gewerbepark herausgenommen, so dass der Freistaat es kaufen kann. „Diese Ausnahme würden wir gerne machen“, stellt Michael Klos klar.

Generell ist der 29-Jährige gut über die regionalen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen informiert. „Nicht alle Mieter kommen von alleine nach Kitzingen, viele muss man schon gezielt ansprechen und ihnen das Angebot hier näherbringen.“ Oft bekommt Klos dann erst einmal eine zweifelnde Antwort: „Die Unternehmer fragen 'Kitzingen?' und man hört richtig die Fragezeichen dahinter.“ Michael Klos muss dann Überzeugungsarbeit leisten, führt die schöne, familienfreundliche Altstadt und die tolle Lage des Parks über den Dächern der Stadt an. „Das größte Lockmittel ist aber immer noch der Preis. Wir sind halt günstiger als Würzburg.“

Das ist offenbar ein stichhaltiges Argument. Vom Architektenbüro bis zum Lungenfacharzt, vom Industrieküchen-Hersteller bis hin zum Kopfstützenbauer für Autos: Im Innopark ist ein interessanter Branchen-Mix entstanden. Viele Spezialisten sind darunter. „Tyremotive“ zum Beispiel entwickelt Software für Branchenriesen im Reifen- und Felgengroßhandel und „Gildemeister“ baut innovative Photovoltaikgerüste. Mit dem Unternehmen „Jifeng“ hat auch ein Mitbewerber des Automobilzulieferers Fehrer sein Domizil im Innopark gefunden.

„Auf einem guten Weg“

„Das Projekt Innopark hat sich besser entwickelt als geplant“, betont Michael Klos. Der Break-Even, die Gewinnschwelle, sei schon vor der geschätzten Zeit erreicht worden. „Das hat uns sehr positiv überrascht. “ 10 000 Quadratmeter sind bereits revitalisiert, also in Nutzung gebracht, die restlichen 9 000 Quadratmeter sollen in den kommenden sieben Jahren folgen.

„Natürlich ist das abhängig von der Gesamtentwicklung Kitzingens.“ Je attraktiver die Stadt ist, desto lieber lassen sich Firmen hier nieder. „Ich denke, die Stadt ist auf einem guten Weg, ihr Image zum Positiven zu wenden und Vorbehalte aus den Köpfen der Menschen zu verbannen.“

Ebenso offen, wie Michael Klos über den Innopark spricht, spricht er auch mit den Mitarbeitern und Kunden. „Ich möchte eine flache Hierarchie hier haben und alles ein bisschen offener gestalten. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.“ Bevor ein Interessent einen Mietvertrag abschließt, gehen Klos oder sein Team mit ihm jedes Gewerk einzeln durch und sprechen durch, wie sich der Mietpreis mit den Wünschen des Kunden verändert. Verschiedene Varianten werden durchgerechnet, ehe der Kunde letztendlich entscheidet.

So gestalten Michael Klos und seine Mitarbeiter derzeit Stück für Stück einen neuen Stadtteil.

Tag der offenen Tür im Innopark

Wann: Am Sonntag, 3. Juli, können Interessierte von 10 bis 18 Uhr nicht nur den offenen (neun Hektar), sondern auch den normalerweise geschlossenen Bereich (45 Hektar) des Innoparks und die dort ansässigen Firmen kennen lernen.

Was: Neben Führungen durch den Innopark ist eine kulinarische „Parkwanderung" mit Food-Trucks und Live-Musik möglich. Die Besucher haben die Chance, ein Elektroauto zu fahren. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg.

Ein neuer Stadtteil entsteht: Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Amerikaner alle Kitzinger Kasernen. 61 Jahre später, im Jahr 2006, zogen sie ab. Ende 2010 kaufte die Innopark GmbH um Bernhard Beck die ehemaligen Larson-Barracks (Flak). Seitdem haben sich dort, im Gewerbe- und Industriepark „Innopark“, 54 Firmen mit insgesamt 510 Mitarbeitern angesiedelt.

Weitere Infos: www.innopark-kitzingen.de

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