KITZINGEN

Ein kleines Wunder der Natur

Nix wie raus. Wald und Flur locken mit frischem, zartem Grün. „Alles ist heuer gut zwei Wochen früher dran als sonst“, stellt Klaus Behr fest. Der Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Kitzingen ist schon in aller Früh mit seiner Hündin Bella unterwegs. Die beiden haben heute ein ganz besonderes Ziel: einen Erlen-Eschen-Bachauewald im Landkreis.
Artikel drucken Artikel einbetten
Frühlingswunderland: Zwischen Schwarzerlen und Eschen fließt langsam ein kleines Bächlein hindurch, an dessen Ufer die Märzenbecher üppig blühen. Forstamtsleiter Klaus Behr und seine Hündin Bella genießen den malerischen Anblick. Foto: Fotos: Diana Fuchs

Nix wie raus. Wald und Flur locken mit frischem, zartem Grün. „Alles ist heuer gut zwei Wochen früher dran als sonst“, stellt Klaus Behr fest. Der Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Kitzingen ist schon in aller Früh mit seiner Hündin Bella unterwegs. Die beiden haben heute ein ganz besonderes Ziel: einen Erlen-Eschen-Bachauewald im Landkreis.

Von der Kreisstraße aus, die nicht weit entfernt vorbeiführt, ahnt man nichts von der nahen Blütenpracht. Deren genaue Lage hält Klaus Behr mit Rücksicht auf gefährdete Pflanzenarten geheim. Die noch kahlen Äste der Schwarzerlen und Eschen lassen jede Menge Sonnenlicht durch, das den Waldboden erwärmt, über den gemächlich ein kleines Bächlein fließt. „Solche Schwemmbodenstandorte sind zumindest zeitweise überflutet oder weisen einen hohen Grundwasserstand auf. Sie sind daher gut mit Wasser versorgt und nährstoffreich“, weiß der Förster. Laubblätter werden hier rasch zersetzt, düngen die Erde und sorgen für üppiges Wachstum.

Märzenbecher (Frühlingsknotenblumen – Leucojum vernum) haben unzählige zarte Teppiche gebildet. Wie winzige Elfchen tanzen die weißen Blüten auf den frisch-grünen Blättern. „Diese Zwiebelgewächse sind typische Frühjahrsblüher. Sie lieben die moorigen Böden der Auewälder“, erklärt Behr. Sie werden 10 bis 30 Zentimeter hoch und sind an der becherförmigen Blüte, deren sechs Zipfel am Ende einen grünen Fleck aufweisen, gut von Schneeglöckchen zu unterscheiden.

Die Frühlingsknotenblume ist in der Roten Liste als gefährdet eingestuft und nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. „Vor allem durch die Umwandlung naturnaher Laubwälder in Nadelholzforste, durch Entwässerung oder Grundwasserabsenkung sind ihre Bestände gefährdet.“ Die gesamte Pflanze ist giftig, da sie Alkaloide enthält. Dennoch fressen Tiere deren Frucht, eine fleischige Kapsel, scheiden den kugeligen Samen aus – und verbreiten die Blume so weiter.

Märzenbecher sind oft mit feuchtigkeitsliebenden, anspruchsvollen Bodenpflanzen vergemeinschaftet, wie dem kriechenden Günzel, der Schlüsselblume, dem Aronstab, der Einbeere, dem Haselwurz, der Sumpfdotterblume, dem Scharbockskraut, der Goldnessel oder dem Bärlauch.

Sobald in den Bachauewäldern die Bäume und Sträucher, wie die spätblühende Traubenkirsche, die gemeine Heckenkirsche, das Pfaffenhütchen oder die Hasel, ihre Blätter entfalten, wird es den Frühlingsblühern zu schattig. Rasch blühen sie ab und speichern die Nährstoffe ihrer welkenden Blätter und Blüten in ihren unterirdischen Zwiebeln – bis zum nächsten März!

Serie: Waldgesellschaften

Viel eher als sonst kehrt heuer das Frühjahr zurück. Auch die Wälder im Landkreis erwachen und legen ihr Festtagsgewand an. Doch Wald ist nicht gleich Wald. So vielfältig die Waldböden, so unterschiedlich sind die Wälder.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen stellen wir im Laufe des Jahres typische Waldgesellschaften unserer Heimat mit ihren Bäumen, Sträuchern, Bodenpflanzen und Tierarten vor. Wir starten mit dem Erlen-Eschen-Bachauewald, der sich derzeit mit einem Teppich aus Märzenbechern schmückt. ldk

 
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren