MÖNCHSONDHEIM

Ein Urlaubsparadies für Emil

338 574 Touristen sind im Jahr 2012 in den Landkreis Kitzingen gekommen. Sie blieben durchschnittlich 1,8 Tage. Emil Kreppner war einer von ihnen. Aber er blieb länger – und er kommt immer wieder. Emil ist acht Jahre alt. Als seine Familie zum ersten Mal Urlaub auf dem Bauernhof von Familie Dürr machte, war er noch gar nicht auf der Welt. 13 Mal waren die Kreppners nun schon hier. Sie fühlen sich rundum wohl.
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Aktivurlaub: Der achtjährige Emil macht seit Jahren mit seinen Eltern auf dem Bauernhof von Sieglinde und Heinrich Dürr in Mönchsondheim Urlaub. Der Bub steht um halb sechs auf und hilft im Stall. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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338 574 Touristen sind im Jahr 2012 in den Landkreis Kitzingen gekommen. Sie blieben durchschnittlich 1,8 Tage. Emil Kreppner war einer von ihnen. Aber er blieb länger – und er kommt immer wieder. Emil ist acht Jahre alt. Als seine Familie zum ersten Mal Urlaub auf dem Bauernhof von Familie Dürr machte, war er noch gar nicht auf der Welt. 13 Mal waren die Kreppners nun schon hier. Sie fühlen sich rundum wohl.

Die Mühle von Sieglinde und Heinrich Dürr liegt direkt am Breitbach, zwischen Mönchsondheim und Willanzheim. Wer dort hin will, muss über einen Flurbereinigungsweg anfahren, kommt vorher an anderen Mühlen vorbei. Mancher Großstädter würde vielleicht abwertend etwas von „mitten in der Pampa“ murmeln. Doch der Anschein, es wäre dort langweilig, trügt.

13 Mal das gleiche Urlaubsziel, viele Jugendliche würden da wohl gelangweilt aufstöhnen. Die Kinder der Kreppners nicht. „Wenn es uns nicht gefallen würde, würden wir ja nicht immer wieder hier Urlaub machen“, sagt die 14-jährige Elsa. Mutter Virtudes bestätigt: Im Januar, da hat sich die Familie zusammengesetzt und überlegt, wo es diesmal in den Sommerferien hingehen soll. „Als ich fragte, ob wir wieder hierher sollen, lautete die Antwort . . .“ – weiter kommt sie beim Erzählen nicht. „Jaaaa!!!!“ ruft Emil, in der Ferienwohnung am Breitbach, ganz laut.

Auch der Älteste, der 17-jährige Alex, ist wieder dabei – diesmal saß er selbst am Steuer des Autos. Beim ersten Urlaub in Mönchsondheim war er noch nicht mal in der Schule. „Ich habe kein Problem damit, dass hier der Empfang schlecht ist“ , sagt er - eine Aussage, die vom Thema her typisch für einen jungen Mann in seinem Alter ist, vom Inhalt her eher nicht. „Hier ist kein Trubel, kein Großstadtleben, man kann die Ruhe genießen“, freut sich Alex. Und eins findet er noch besser: „Emil ist den ganzen Tag beschäftigt“.

Der Achtjährige hilft nämlich jeden Tag auf dem Hof mit - das tut Alex zwar auch, aber nicht mehr in ganz großem Maß. Für Emil aber gibt es nichts Aufregenderes. „Er war heute früh schon im Stall, als wir noch im Bett lagen“, schmunzelt Heinrich Dürr. „Emil ist sehr eifrig, er versorgt auch die Hühner.“

Namensgeber für die KälbchenEr und seine Frau Sieglinde freuen sich über die Begeisterung ihres jungen Gastes. Emil kennt die 25 Milchkühe alle beim Namen. Rechnet man die Kälbchen dazu, stehen insgesamt 50 Kühe im Stall. Weil es ein Milchviehbetrieb ist, bleiben naturgemäß die männlichen Kälber nicht bei den Dürrs. „Die werden verkauft“, sagt Sieglinde Dürr. Eines haben viele von ihnen aber gemeinsam: „Jeder Junge, der auf die Welt kommt, heißt Emil“, erzählt der Achtjährige begeistert. Er ist schon einige Male während seiner Urlaubsaufenthalte Pate geworden. „Früher gab es auch Axel, aber seit Emil da ist, hat er keine Chance mehr“, sagt Virtudes Kreppner.

Die 47-Jährige ist Französin. Sie stammt aus Burgund. Eine schöne Ecke im Nachbarland. „Die Landschaft ist sehr ähnlich wie hier, das ist wirklich faszinierend“, sagt Rolf Kreppner. „Manche Ecken könnte man austauschen.“

Nicht nur landschaftlich, sondern auch hinsichtlich des Weinbaus gibt es Gemeinsamkeiten. „Wir nehmen immer Frankenwein mit heim, damit wir den dort trinken können“, erzählt der 50-jährige Familienvater. Selbstverständlich ist das auch deshalb nicht, weil die Kreppners in Teningen bei Freiburg wohnen. Mitten im Badischen also, einer Weingegend, wie Franken sie ist. Dem guten Tropfen aus dem Landkreis Kitzingen geben sie trotzdem den Vorzug.

350 Kilometer legt die Familie zurück, wenn sie anreist. Vater Rolf sitzt dabei aber nicht im Auto. Er fährt mit dem Fahrrad nach Mönchsondheim – diesmal schon zum siebten Mal. Etwa 400 Kilometer ist seine Strecke lang. „Ich nehm' ja nicht den direkten Weg.“ Zwei bis drei Tage braucht er mit seinem Touringrad samt Gepäck, bis er an der Vogtsmühle ankommt. Schwäbische Alb, Schwarzwald, Rheintal, Jagsttal, Taubertal, der Gauradweg – es ist eine wunderschöne Strecke, die er da passiert.

2006 kam der passionierte Radfahrer erstmals auf die Idee, auf zwei Rädern in den Urlaub zu starten. „Da war ich sauer“, sagt Virtudes, das hat sie nicht vergessen. Allein mit drei Kindern anreisen, das jüngste gerade mal ein Jahr alt. Es war anstrengend. „Inzwischen ist die Familie froh, wenn ich mit dem Rad komme“, sagt der 50-Jährige. Da hat er seine Dosis an körperlicher Bewegung abgekommen, „dann geb ich Ruh'“, sagt er.

Alex hat seinen Vater bei der anstrengenden Tour einmal begleitet, einige Jahre ist das schon her. Damals wollte er ein neues Fahrrad. „Die Bedingung war, dass er es auch nutzt. Er musste mit hierher fahren“, erzählt der Vater. „Eine schöne sportliche Herausforderung“, sei das gewesen, sagt der 17-Jährige, aber sehr zeitintensiv und körperlich fordernd. Aber obwohl er zur Überraschung seines Vaters gut mitgehalten hat, steht für Alex fest: „Ich mach' das nicht jedes Jahr.“

Dass die Kreppners überhaupt hier Urlaub machen, ist auf verwandtschaftliche Beziehungen zurückzuführen. Die Familie des Vaters stammte ursprünglich aus dem Raum Würzburg und Kitzingen, der Onkel lebte in der Kreisstadt. Als die Eltern nach einer Unterkunft suchten, um in seiner Nähe Urlaub zu machen, stießen sie im Internet auf das Angebot der Dürrs. Vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda kommen die Gäste auf die Unterkunft in der Mühle am Breitbach.

Was ist denn nun so schön am Urlaub im Landkreis Kitzingen? Mit welchem Ziel würden die Familienmitglieder anderen einen Aufenthalt im Weinlandkreis schmackhaft machen? Mutter Virtudes fällt sofort Abtswind mit dem Kräutermuseum ein. Vater Rolf nennt den Streuobstweg in Markt Herrnsheim. Alex hält die Altstadt von Iphofen für besonders sehenswert. Emil geht besonders gerne an den See an der Nierenmühle und zur Grillstelle bei Dornheim. Für Elsa ist die Vogtsmühle an sich das besondere Ziel. „Ich bleibe meist hier, hier gefällt es mir am besten.“

Urlaub im Weinlandkreis

Der Landkreis Kitzingen ist ein beliebtes Ziel bei Touristen. 126 geöffnete Beherbergungsbetriebe mit neun oder mehr Gästebetten gibt es im Landkreis (Stand Juni 2012), dort werden 3933 Betten angeboten. 338 574 Gäste wurden 2012 gezählt, davon kamen 51 833 aus dem Ausland.

Die Gäste blieben durchschnittlich 1,8 Tage, es wurden 604 924 Übernachtungen registriert. Damit ist die Zahl der Übernachtungen seit 1998 kontinuierlich angestiegen.

Die Gesamtzahl der Touristen und Übernachtungen ist allerdings deutlich größer, denn Zahlen über Beherbergungsbetriebe mit weniger als neun Betten werden nur in so genannten Prädikatsgemeinden wie Erholungsorten erfasst. (Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung)

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