KITZINGEN

Ein Schultag im Zeichen des Vorlesens

Burhan und Iliana haben sich gut vorbereitet. Zwei Wochen lang haben sie und ihre zwölf Mitschüler aus der Paul-Eber-Mittelschule auf diesen Freitag hingearbeitet. Sie haben Bücher ausgesucht, die Texte immer wieder laut vorgelesen. Es sollte schließlich alles reibungslos laufen beim großen Vorlesetag der St.Hedwig-Schule.
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Lecker: Stefan Thauer liest den Erstklässlern aus St.Hedwig vor. Und spendierte außerdem einen Smoothy.
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Die Mittelschüler aus der nahen Paul-Eber-Schule haben die ersten zwei Unterrichtsstunden in der Grundschule gestaltet. „Die Kleinen haben richtig gut zugehört und manchmal auch gelacht“, freut sich Burhan bei der Besprechung danach. Auch Iliana ist begeistert. Bereits zum zweiten Mal hat sie beim Vorlesetag mitgemacht. „Das ist eine schöne Abwechslung für uns und den Kindern macht es einfach Spaß.“

Zum zwölften Mal fand gestern der bundesweite Vorlesetag statt. Mehr als 100 000 Vorleserinnen und Vorleser machten in diesem Jahr mit. 20 000 mehr als 2014. Ein neuer Rekord. In Kitzingen hat sich der Vorlesetag ebenfalls längst etabliert. Das ist Menschen wie Barbara Lehnert und Michaela Pfeuffer zu verdanken.

Mehr als eine Mutti

„Ich bin nur eine Mutti“, sagt Lehnert. Aber das „nur“ ist eine Untertreibung. Seit sechs Jahren ist sie im Elternbeirat der St.Hedwig-Schule, seit zwei Jahren dessen Vorsitzende. Und seit vier Jahren organisiert Lehnert den Vorlesetag. Ein großer logistischer Aufwand: Lehrer informieren, Vorlesepaten finden und instruieren, passende Bücher auswählen, Eltern einbinden und auf die Geschäftsinhaber in der Kitzinger Innenstadt zugehen. Wie viel Zeit sie dafür investiert? Lehnert zuckt mit den Schultern. Den Aufwand hat sie nie berechnet. Das Anliegen ist ihr viel zu wichtig.

Vor vier Jahren ist der Buchclub in der Schule gegründet worden, die Grundschüler können sich gespendete Bücher ausleihen. Lehnert hat miterlebt, wie Kinder bei der Rückgabe der Bücher ganz traurig waren. „Weil sie kein einziges Buch mehr daheim hatten.“ Dabei sei das Lesen doch so wichtig. Für die Konzentration, das Rechtschreiben, das Selbstbewusstsein, die Bildung allgemein. Der bundesweite Vorlesetag soll all diese Kompetenzen fördern, Lust aufs Lesen machen. 30 bis 35 Bücher hat Lehnert im Vorfeld ausgesucht. Alles Kinderklassiker. Elf Vorleser haben sich bereit erklärt, an verschiedenen Stellen der Stadt zu lesen. Also machten sich Lehrer und Kinder nach der ersten Pause auf ins Rathaus, zur Feuerwehr, in die Kirchen, ins Städtische Museum oder ins Fastnachtsmuseum. Stefan Thauer hat sich ebenfalls als Lesepate zur Verfügung gestellt. Der Inhaber von „MainFruity“ hat den Kindern nicht nur aus dem Buch „Ravi und Oli in Grünland“ vorgelesen, sondern die Kleinen gleich zu einem leckeren Smoothie eingeladen. Bei der Frage, was in dem vitaminhaltigen Getränk so alles drin ist, stellten die Erstklässler ihre Fantasie unter Beweis. Kiwi und Basilikum war genauso falsch wie Kaugummi und Frosch. Stefan Thauer klärte die Kleinen über die wahren Inhalte aus Früchten und Gemüse auf und las ihnen passend dazu die Geschichte von Karl Kohlrabi und seinen Freunden im Garten der alten Frau Grün vor.

Bücherflohmarkt

Anschließend ging es für alle Kinder zur Buchstabenrallye quer durch die Kitzinger Innenstadt. Barbara Lehnert hatte in den Geschäften große Buchstaben platziert, die zusammengesetzt das Lösungswort ergaben. Der große Vorlesetag wurde beim Bücherflohmarkt in der Schule abgerundet. Dort konnten alle Grundschüler für einen geringen Betrag gebrauchte Bücher kaufen, um das Ziel von Barbara Lehnert und den Lehrkräften zu erreichen: Kein Kind soll daheim ohne Bücher auskommen müssen.

Die Akteure beim Vorlesetag

Mittelschüler der Paul-Eber-Schule, Markus Ungerer (Feuerwehr), Frau Kuhn (Schöningh Buchhandlung), Walter Vierrether (Rathaus), Holger Dubowy-Schleyer (evangelische Kirche), Alexander Berger (katholische Kirche), Frau Gegner (Städtische Museum), Frau Kewersun (Fastnachtsmuseum), Astrid Glos (Konditoreimuseum), Stefan Thauer (Main Fruity). In der Schule haben die Autoren Volkmar Röhrig und Bernd Klaube sowie einige Eltern vorgelesen.

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