WILLANZHEIM

Ein Ruhepunkt und ein Ort des Trostes

Unweit des Ortsausgangs von Willanzheim liegt in östlicher Richtung an der Straße nach Iphofen die Feldkapelle zu den Vierzehn Nothelfern. Beim näheren Hinsehen und Verweilen entdeckt man interessante Besonderheiten im Inneren und auch an der Fassade. Auch weiß mancher Willanzheimer Bemerkenswertes zu berichten über Entstehung und Geschichte dieses steinernen Zeugnisses dörflicher Frömmigkeit und Ortes der Hilfesuchenden in Krankheit und Not.
Artikel drucken Artikel einbetten
Religiöses Kleinod: Die Nothelferkapelle in Willanzheim, erbaut 1854. Foto: Foto: Karl-Heinz Wolbert

Unweit des Ortsausgangs von Willanzheim liegt in östlicher Richtung an der Straße nach Iphofen die Feldkapelle zu den Vierzehn Nothelfern. Beim näheren Hinsehen und Verweilen entdeckt man interessante Besonderheiten im Inneren und auch an der Fassade. Auch weiß mancher Willanzheimer Bemerkenswertes zu berichten über Entstehung und Geschichte dieses steinernen Zeugnisses dörflicher Frömmigkeit und Ortes der Hilfesuchenden in Krankheit und Not.

Aus den Aufzeichnungen des Chronisten Georg Dittmer (1954) geht hervor, dass die Kapelle von dem kinderlos verheirateten, aus Birkenfeld stammenden Bürger und Bauer Josef Müller, wohnhaft in Willanzheim, Haus-Nr. 55, einst gestiftet wurde. Er starb am 20. Juni 1852 im Alter von 46 Jahren. Der im gleichen Haus wohnende Ökonom Kaspar Keller wurde dann 1854 der Erbauer der Kapelle. Darüber gibt eine Inschrifttafel Auskunft.

Betritt man das Innere der Kapelle, dann fällt zunächst das große Altarbild von den 14 Nothelfern ins Auge. Aus der Chronik ist ersichtlich, dass Johann Baptist Ulrich, der damalige Rektor in Willanzheim, ein ausgezeichneter Maler war und dieses Bild von ihm selbst stammen dürfte. Ein weiteres Ölbild, das den betenden Heiland am Ölberg darstellt, zog um 1950 das Interesse der damaligen Heimatforscher auf sich. Trug es doch auf seiner Rückseite eine kaum noch zu entziffernde handgeschriebene Inschrift folgenden Inhalts: Es voto (zu Deutsch: Auf Grund eines Versprechens oder Gelübdes): „Am 3. April 1886 nachts 23 Uhr befiehl mich ein heftiger Blutsturz, welcher mich in die augenscheinlichste Todesgefahr versetzte. Durch die Fürbitte der Heiligen 14 Nothelfer wurde ich wieder gerettet. Johann Baptist Ulrich, Rektor dahier.“

Hinter dem großen Altarbild – das wohl älter als die Kapelle ist – ist eine erste Renovierung durch den Tüncher Josef Lutz im Jahre 1849 und eine zweite von Nikolaus und Kaspar Stark im Jahre 1926 aufgezeichnet. Die Geldmittel für die Instandsetzung 1926 stiftete der Deutschamerikaner Josef Endrich nach seinem letzten Deutschlandbesuch aus Dankbarkeit für die glückliche Heimkehr über eine sehr stürmische See.

In den Nischen des nach unten gezogenen Kreuzgewölbes steht rechts eine Statue des Märtyrers Sebastianus, links eine Figur der Muttergottes mit dem Jesukind. Die Muttergottesstatue wurde 1939 von Familie August Hell aus Dankbarkeit für die Wiedergenesung ihrer 1938 an Diphtherie erkrankten Tochter Klara gestiftet. Um die Reinigung des Andachtsraumes sowie den der Jahreszeit angepassten Blumenschmuck kümmert sich Monika Unser, geb. Breunig, wie das zuvor ihre Eltern und auch die Familie Fritz Hell getan haben.

Die vier im Innenraum befindlichen Kniebänke aus Weichholz wurden laut Angabe Willanzheimer Bürger von dem damaligen Geistlichen Rat Wolfgang Birl 1942 selbst gefertigt. Die vorderen zwei Bänke sind mit verzierten Buchablage-Stirnseiten versehen. Verlässt man den Innenraum der kleinen Kapelle, so erkennt man an der West-Vorderseite einen schlichten Bildstock. In ihm ist in einer vergitterten Nische mit Opferstock die Figur „Jesus von der Wies“ aufgestellt. Der Sockel besteht aus einer grünen Sandstein-Frontplatte mit nicht mehr lesbarer eingemeißelter Inschrift sowie profilierter Umrandung und Abdeckung.

Von den verheerenden Auswirkungen des 1990 über die Lande rasenden Wirbelsturmes (Wiebke) blieb auch das Dach der Kapelle nicht verschont. Provisorisch war sie mit einem Notdach eingedeckt. Am Sonntag, 15. September 1996, wurde die 14-Nothelfer-Kapelle nach gelungener Renovierung wieder feierlich eingeweiht.

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.