RÖDELSEE

Ein Platz für die Zukunft

Die Glocken der beiden Kirchen läuteten, die Winzerkapelle spielte, die Fahnen wehten und selbst der Brunnen vor dem Rathaus war noch rechtzeitig mit Wasser gefüllt worden. Alles und alle in Rödelsee waren für die Einweihung der Dorfmitte bereit. Der Bürgermeister strahlte mit der Sonne um die Wette, allerdings nur bis 17.52 Uhr am Dienstag. Dann öffnete der Himmel seine Schleusen.
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Gestaltung für die Zukunft: Die jetzigen Kindergartenkinder sind die künftigen Nutznießer einer schön gestalteten Dorfmitte in Rödelsee. Foto: Foto: Gerhard Krämer
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Die Glocken der beiden Kirchen läuteten, die Winzerkapelle spielte, die Fahnen wehten und selbst der Brunnen vor dem Rathaus war noch rechtzeitig mit Wasser gefüllt worden. Alles und alle in Rödelsee waren für die Einweihung der Dorfmitte bereit. Der Bürgermeister strahlte mit der Sonne um die Wette, allerdings nur bis 17.52 Uhr am Dienstag. Dann öffnete der Himmel seine Schleusen.

Doch bei schönem Wetter kann jeder feiern. Rödelsee ist schließlich fit, was Feste anbelangt. Als nach einer knappen halben Stunde der störende Regen vorbei war, wischten viele fleißige Hände Tische und Bänke wieder trocken. Etliche blieben aber im Gegensatz zum Beginn der Einweihungsfeier danach leer.

Dabei hatte es so fröhlich beschwingt mit den Kindergartenkindern begonnen, deren Auftritt durchaus Symbolkraft hatte. Ist doch das Projekt Städtebauförderung nicht nur für die Gegenwart von Bedeutung, sondern vor allem für die Zukunft, eben für die nachfolgenden Generationen.

Operation am „offenen Herzen“

Bis zum Schluss galt es noch Kleinigkeiten zu erledigen. Das eine oder andere findet zwar auch kritische Stimmen, doch im Großen und Ganzen ist es gelungen. „Das gefällt mir gut“, meinte denn auch Paula Demel. Auch wenn die 80-Jährige kein Auto fährt, weiß sie doch, dass es mit dem Parken im Ort noch schwierig ist. Margarete Bachner (75) findet es gut, dass zwischen einigen Quadersteinen Sitzgelegenheiten geschaffen worden sind. Nicht so ganz glücklich ist sie über den ihrer Meinung nach zu groß geratenen Brunnen vor dem Rathaus.

„Es gibt Tage, da möchte man nichts anderes sein, als Bürgermeister dieses Winzerortes“, verkündete ein glücklicher Burkhard Klein. Die Operation am „offenen Herzen“ sei gelungen. Dies bestätigte auch der Festredner, Regierungspräsident Paul Beinhofer. Denn bei der Städtebauförderung gehe es um die Belebung der Ortsmitte. Mit Blick auf die demographische Entwicklung sei es wichtig, sich auf die Ortskerne zu konzentrieren. „Die Ortsmitte muss vital bleiben“, forderte Beinhofer. Wenn es in der Ortsmitte nicht schön sei, „helfen auch die Neubaugebiete nicht mehr“. Rödelsee werde seit seiner Aufnahme in die Städtebauförderung im Jahr 1998 finanziell unterstützt. Nach der Sanierung des ehemaligen Casteller Amtshauses und der Neugestaltung des Umfelds um die katholische Kirche und des Schlosshofes sei eine Pause eingelegt worden, da Rödelsee ja nicht zu den reichsten Gemeinden zähle. Doch das Konjunkturpaket II habe Rödelsee wieder Chancen eröffnet. Von 27 Bewerbungen seien sieben unterfränkische Kommunen ausgewählt worden, darunter Rödelsee.

Ein Bekenntnis zu Rödelsee, seinem Wein und der Dorfmitte, die von den beiden Ortsgeistlichen, Pfarrer Bernd Steigerwald und seinem evangelischen Kollegen Jan-Peter Hanstein, gesegnet wurde, legte stellvertretender Landrat Paul Streng ab. Der Planer Marcus Viebahn erinnerte an den ersten Spatenstich am 14. Februar 2011 in der Großlangheimer Straße. Das erste Pflaster sei dann an der Hofeinfahrt Stier Anfang März verlegt worden. Viebahn schaffte es dann nicht mehr, alle seine Zahlen und Fakten im Trockenen zu berichten. Erst nach der Regenpause, die die Gäste im Elfleinshäusla, Zelt oder Löwenhof verbrachten, durfte er weitermachen. Ihm folgten die Fränkische Weinkönigin Melanie Dietrich und Rödelsees Weinprinzessin Franziska I. mit Grußworten.

Danach durchschnitten die Ehrengäste das „rote Band der Sympathie“, wie es Bürgermeister Klein formulierte. Symbolisch werde damit auch ein Stück Zukunft für Rödelsee „aufgeschnitten“, sagte Klein. Musikalisch gestalteten der evangelische Kirchenchor Rödelsee und die Winzerkapelle die Einweihungsfeier. Letztere spielte dann auch noch nach dem offiziellen Teil. Ebenso trieb ein Gaukler seine Späße.

ONLINE-TIPP

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kitzingen.mainpost.de

Zahlen und Fakten zur Dorferneuerung

4950 Quadratmeter groß war die überarbeitete Fläche in der Ortsmitte von Rödelsee. 2870 Tonnen Schotter verarbeitete die Baufirma. Seit Beginn der 70er Jahre flossen über 468 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes, des Freistaates Bayern und der Europäischen Union in Sanierungsvorhaben der unterfränkischen Städte und Gemeinden. Für die ersten Rödelseer Vorhaben gab es Zuschüsse von rund 1,5 Millionen Euro. Die Sanierung der Rödelseer Ortsmitte wurde mit 75 Prozent bezuschusst. Die Arbeiten wurden mit rund 772 000 Euro abgerechnet. Die Regierung von Unterfranken erkannte davon 471 800 Euro als zuwendungsfähig an und bezahlte 353 600 Euro. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass mit jedem Euro aus Städtebaufördermitteln bis zu acht Euro zusätzlich aus anderen öffentlichen und privaten Quellen aktiviert werden. In Rödelsee jedoch wurden mit jedem Euro Staatsgeld rund zehn Euro an Privatinvestitionen ausgelöst.

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