Die erste Reise unternahm er 2007, jetzt reiste der 66-jährige Malergeselle im Ruhestand bereits zum dritten Mal in das Land der Zulu, nach Südafrika. Drei Monate lang schlägt er dort seine Zelte auf. Reingruber repariert, streicht und verputzt auf der Missionsstation der Oberzeller Franziskanerinnen. Er ist für alles zuständig, was anfällt. "Vom Keller bis zum Dach", erklärt er. Denn dort, in Eshowe, wo die Missionsstation liegt, beginnt jetzt die zweimonatige Regenzeit, in der die feuchte Meeresluft vom 40 Kilometer entfernten Indischen Ozean ins Land weht. Die feuchte Luft greift die Gebäude an, sie sind deshalb aufwändig zu streichen.

Für den Maler ist es wichtig, sich zu engagieren. "Es ist schade", findet er, "wir haben so viele Rentner, die sich einbringen könnten, aber sagen, sie hätten keine Zeit." Das sieht er nicht ein - und ist deswegen kurz mal wieder weg, wie er es nennt. Dabei finanziert er den Flug selbst und arbeitet ehrenamtlich.


"Ich möchte etwas zurückgeben"



Er möchte das Gute, das er erfahren hat, zurückgeben, nennt er als Grund für seinen Einsatz. Seine Frau, die inzwischen verstorben ist, war beruflich im Kloster Oberzell angestellt. Die Schwestern hätten sich damals fürsorglich um sein dreijähriges Kind gekümmert. Er selbst ist nach dem Krieg in einem Kinderheim bei Klosterschwestern von "Maria Stern" aufgewachsen und hat eine schöne Kindheit und Schulzeit verbracht. "Das hat mein Leben geprägt", meint Reingruber.

Er ist auch mit ganzem Herzen Sportler. Als Hochspringer hat er die Messlatte in seinem Leben immer hochgelegt, erklärt er. Er halte Turnvater Jahns Motto "Frisch, fromm, fröhlich, frei" in Ehren und danach arbeitet er, auch in Afrika.


Beeindruckende Osterfeier



Klaus Reingruber freut sich schon Monate vor dem Beginn seiner Reisen auf das Kinderheim und die Schule in Südafrika, die von den Oberzeller Schwestern geleitet werden. "Dort sagen sie ganz liebevoll Papa Klaus, Mr. Pinselman oder Bruder Klaus zu mir", erzählt er. Der Höhepunkt für Reingruber ist jedes Mal die Osternacht: Die ganze Nacht hindurch singen, beten und tanzen die Zulus bis in die frühen Morgenstunden. "Die Kirche ist gerammelt voll, hauptsächlich von jungen Leuten", berichtet Reingruber begeistert. Nach der Kirche präsentieren die Frauen ihre bunten Kleider, denn jeder will schick sein. Bevor sich die Gottesdienstbesucher auf den langen Heimweg machen, wird noch etwas "geratscht", wie Reingruber erzählt. "Da geht einem das Herz auf, bei dieser Lebensfreude, trotz ihrer täglichen Sorgen, Krankheiten und Nöte", sagt der 66-Jährige.

Bei aller Faszination für Afrika denkt Reingruber natürlich auch an die Heimat. Nach getaner Arbeit, wenn er nach einem "glutroten Sonnenuntergang" im Nachthimmel das Kreuz des Südens betrachte, das es nur auf der Südhalbkugel zu sehen gibt, "dann denke ich schon an Daheim." Vor allem frage er sich dann, was "seine" Fußballer aus Kirchschönbach und Prichsenstadt machen. Seine Sorge sei immer: "Hoffentlich steigen sie net o", sagt er, und lacht dabei.