KITZINGEN

Ein Lied fürs Schlappmaul

Überraschung: Claudia Roths Laudatio für Waldemar Hartmann war eine geniale Verteidigungsrede. Und die Schwaben-Connection lachte sich kringelig im ausverkauften Dekanatszentrum
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Das große Finale: Auf der Bühne in Kitzingen feiern ausgelassen neben Michl Müller (im Vordergrund) die Schlappmäuler Claudia Roth (links/2014) und Waldemar Hartmann (rechts/2015), eingerahmt von Elferrat und Mitwirkenden. Foto: Fotos: Thomas Obermeier, Norbert Hohler

Hut ab Claudia: Für ihren Schlappmaul-Nachfolger Waldemar Hartmann eine „Verteidigungsrede“ zu halten, „weil der Waldi viel mehr ist als Duz-Dudelsack oder Kungel-Qualle“ – das war schon eine vorzügliche Idee, überdies perfekt umgesetzt. Aber als die Vizepräsidentin des Bundestages dann auch noch ein Lied für den Sportreporter schmetterte, gab's im Saal kein Halten mehr: „Er gehört zu mir, wie die Wurst zum Weizenbier! Und ist Franke wie ihr.“

Im feschen Dirndl, strahlend lächelnd sang die Grüne aus Augsburg Marianne Rosenberg in Grund und Boden – so etwas hat es im Dekanatszentrum wohl noch nie gegeben. „Ich habe lange gesucht, bis ich das richtige Lied hatte“, erzählte die Gefeierte nachher. Waldi sei für sie in jungen Jahren ein Idol gewesen, zu Hause in Schwaben. „In seinem Klub gingen damals die Stars aus Sport und Politik ein und aus.“

Roth hat Waldis Buch gelesen und so herrliche Dinge ausgegraben wie, dass er einst über die Deutsche Meisterschaft im Orientierungslauf oder die Bayerische Meisterschaft im Rhönradfahren berichtet hat. „Franz Beckenbauer oder Franz Josef Strauß, das war viel später.“ Die falsche Antwort bei Günther Jauchs Millionenfrage sei eine „asymmetrische Irritation“ gewesen, verriet die Laudatorin. „Nur dadurch hat er nachher die Einladung in alle Talkshows erhalten und sich dumm und dämlich verdient.“

Otmar Schmelzer, als Rhöner Torero in Bestform, hatte eine andere Erklärung: „Der Waldi und ich, wir haben eins gemeinsam: Wir haben beide keine Ahnung vom Fußball.“ Und direkt ans Schlappmaul gewendet, fuhr er fort: „Du warst doch der, der 1974 im Finale in München den Elfmeter verschossen hat. Und danach Oranje-Ehrenbürger geworden bist.“

Waldi lachte sich schlapp über die herrliche Verdrehung der Fakten (für Nichtfußballer: Paul Breitner hat den Elfmeter verwandelt und Deutschland wurde Weltmeister), und machte sich seinerseits bei seiner Dankesrede über Konzepttrainer und Systemtrainer lustig. „Ja glauben Sie denn, der Lattek hatte keins? Seines hieß: Ihr könnt unter der Woche machen, was ihr wollt, solange ihr am Samstag gewinnt.“ Oder Max Merkel: „Der hat bei 1860 München mal die Alkoholiker gegen die Nicht-Alkoholiker spielen lassen, die Alkoholiker haben 6:3 gewonnen. Da hat er nur geraunzt: Saufts weiter.“

Man merkte dem neuen Schlappmaul an, wie gut ihm tat, dass das Publikum seine Anekdoten genoss, es frenetischen Applaus gab. „Ich gehe ja ohnehin nur noch in Städte, wo ich Orden kriege. Und hierher bin ich nur gekommen, weil Claudia die Laudatio hält“, flunkerte er verschmitzt lächelnd. Dass bei ihm mit seinen 66 Jahren und dem Aus beim Fernsehen nicht immer nur eitel Sonnenschein herrscht, verpackte der Mann so: „Der Udo Jürgens hat ja gesungen, dass mit 66 das Leben anfängt. Ich finde, ab da verabschieden sich das 'Happy' und das 'Birthday' immer mehr voneinander.“

Nilpferd-Dame Amanda war's egal, sie war voll im Flirtmodus: „Ich werd' verrückt, der Waldi. Ich bin noch Single“, wandte sich Sebastian Reichs bessere Hälfte direkt ans Schlappmaul. „Das ist ein echter Torero. Der stiert mich so an.“ Als Amanda einen Ausflug in die Oper wagte und sang: „Ich bin so dick, ich bin so fett, doch der Waldi findet mich ganz nett“, da lag sich die Schwaben-Connection Hartmann und Roth lachend in dem Armen, und Waldi rief: „Der ist ja sensationell.“

Ganz ohne Seitenhieb ging es natürlich nicht ab. „Wir machen jetzt ein Quiz“, sagte Amanda, „mein Telefonjoker ist organisiert: Waldi, ich zähl auf dich.“ Ein Sexsymbol mit fünf Buchstaben? Als Hartmann gerade überlegen wollte, platzte es aus Amanda förmlich heraus: „Waldi natürlich – was denn sonst?“

Obwohl Hartmann eher Faschingsmuffel ist – auch bei Schlappmaul-Vorgänger Michl Müller (2011) lachte er sich kringelig. Der Rhöner gab kurz nach Mitternacht von vornherein vier Zugaben, rockte mit Liedgut wie Kloß mit Soß, Porzellan-Reibe, Heringsdösli oder Fleischereifachverkäuferin den Saal. Doch erst nach der fünften Zugabe und dem großen Finale mit allen Künstlern hatte es Müller wieder einmal geschafft.

Claudia Roth war hin und weg. „In Kitzingen ist der Fasching so echt, nicht alles aufs Fernsehen ausgerichtet.“ Man darf fast darauf wetten, dass sie am 8. Februar 2016 wieder kommt, um dann Waldis Laudatio zu lauschen. Der machte ihr noch ein schönes Kompliment. „Ich verstehe die Grünen nicht, Claudia müsste unbedingt deren Frontfrau sein. Die jetzige Vorsitzende könnte stundenlang durch Kitzingen laufen – und niemand würde sie erkennen.“

Die Mitwirkenden

KiKaG-Garden: Minis und Junioren mit den Trainerinnen Ann-Katrin Götz und Iris Zimmermann; Büttenredner und andere Künstler: Michl Müller (Garitz), Sebastian Reich mit Amanda (Würzburg), Peter Kuhn, Marco Breitenbach (beide Schweinfurt), Otmar Schmelzer (Oberschwappach), Wolfram Beha (Kitzingen), Judith Röhner (Aidhausen), Lubber & Babbo (Matthias Schmelzer, Thomas Klug/Oberschwappach), Tanzgarde Wiesentheid mit 44 Mitwirkenden und sechs Trainerinnen, Jana Schmidt (Solotanz/Dettelbach), ihr Tanzpartner Kilian Kuhn war krank; Sitzungspräsident: Bernd Nägle; Zeremonienmeister: Franz Hildebrand; Paginnen: Alisa Hack, Rebecca Mark; Musik: Duo Cocktail aus Willanzheim; Gäste: Karnevalsverein Schwarze Elf Schweinfurt. Schlappmaul: Waldemar Hartmann; Laudatorin: Claudia Roth.

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