KITZINGEN

Ein Lernerfolg der anderen Art

Die offizielle Bestätigung haben sie noch nicht. Aber das ist gar nicht so entscheidend. Hauptsache es tut sich was in Sachen Zivilcourage und Fremdenfreundlichkeit an der Kitzinger Berufsschule.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hoch hinaus: Die Schüler der Kitzinger Berufsschule setzen in dieser Woche ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung. Foto: Fotos: Ralf Dieter
+2 Bilder

Theresa Kuhlmann lernt Schreinerin. Sie ist in ihrem ersten Berufsschuljahr. Gleich ist sie zur Schülersprecherin gewählt worden. Ihr wichtigstes Thema lautet: Integration. Zusammen mit ihrem Stellvertreter Rico Carlone hat sie sich einige Aktionen ausgedacht.

„Der war noch nie in einer Schule, bevor er nach Kitzingen kam.“
Theresa Kuhlmann Schülersprecherin

Zu Weihnachten sammelten die Mitglieder der Schülermitverwaltung (SMV) Kleider und Spielsachen für die Asylbewerber im Landkreis Kitzingen. In einem mehrtägigen Projekt erarbeiteten deutsche Schüler von der BOS und FOS zusammen mit den jungen Flüchtlingen, die seit diesem Schuljahr in Kitzingen unterrichtet werden, mehrere Plakate zu den Herkunftsländern der Geflüchteten und präsentierten sie beim Weihnachtsbasar. Jetzt findet eine ganze Aktionswoche statt.

Schüler aus 93 Nationen werden an der Kitzinger Berufsschule unterrichtet. In der Aula kommen viele miteinander ins Gespräch. Zusammen mit zwei jungen Asylbewerbern, zwei Lehrern und einem deutschen Berufsschüler steht Theresa Kuhlmann dort an einem kleinen Stand. In jeder Mittagspause verschenkt sie in dieser Woche Plätzchen oder Hörnchen. Die kommen ganz frisch aus der schuleigenen Bäckerei. Die angehenden Bäckergesellen backen sie am Vormittag zusammen mit den insgesamt 16 Schülern, die als Flüchtlinge in den Landkreis Kitzingen gekommen sind und jetzt extra unterrichtet werden.

Die Plätzchen sind ein Anreiz, stehen zu bleiben und in Kontakt zu kommen. Auf Plakaten können die Schüler außerdem ihre Gedanken zum Thema Diskriminierung festhalten: „Jeder möchte gleich behandelt werden“, ist dort zu lesen. Oder: „Egal welche Hautfarbe, Mensch ist Mensch.“

Theresa Kuhlmann ist zufrieden mit der Aktion. „Die Resonanz ist gut“, sagt sie. Immer wieder erhält sie ein Lob für die Organisation der Veranstaltung. Sie selbst profitiert auch von den vielen Begegnungen, hat sich am ersten Tag länger mit einem Schüler aus Äthiopien unterhalten. „Der war noch nie in einer Schule, bevor er nach Kitzingen kam“, staunt sie.

Die Vielfalt an der Berufsschule wird weiter wachsen. Im nächsten Schuljahr wird es eine zweite Klasse mit Flüchtlingen in Kitzingen geben und eine neue in Ochsenfurt. Der Umgang mit dem Fremden bleibt aktuell. Bis Ende des Jahres will die Berufsschule auch offiziell den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen. 70 Prozent der Schüler müssen den Werten, die dahinter stecken, zustimmen. Die Wertevermittlung läuft ebenfalls in dieser Woche über die Religionslehrer.

„Wir wollen Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Nationen schaffen“, erklärt die Schulleiterin vor Ort, Gerlinde Porzelt, die sich von der Eigeninitiative der Schülersprecher beeindruckt zeigt.

Möglichkeiten für Begegnungen gibt es an der Berufsschule genug. Die Schüler im Gastronomiebereich haben den jungen Männern aus der „Flüchtlingsklasse“ bereits gezeigt, wie man einen Tisch eindeckt, künftig sollen auch die Bankkaufleute ihr Wissen weitergeben. Wie funktioniert die Kontoführung? Was steht auf einem Kontoauszug? Praktisches Wissen für den Alltag soll von Schüler zu Schüler weitergegeben werden.

So entstehen automatisch Kontakte, die jungen Menschen kommen ins Gespräch. Gegenseitiges Verständnis kann wachsen. Und dem Rassismus wird der Nährboden entzogen.

 
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren