LANDKREIS KITZINGEN

Ein Leben mit dem Suchtdruck

Irgendwie an Geld kommen, selbst wenn es nur ein paar Cent sind – darum geht es dem 25-Jährigen Anfang vergangenen Jahres. Als Drogenabhängiger steht er ständig unter Druck, das Leben folgt eigenen Gesetzen. Vieles ist Verzweiflung – wie etwa die halb garen Einbruchsversuche.
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Symbolfoto

Irgendwie an Geld kommen, selbst wenn es nur ein paar Cent sind – darum geht es dem 25-Jährigen Anfang vergangenen Jahres. Als Drogenabhängiger steht er ständig unter Druck, das Leben folgt eigenen Gesetzen. Vieles ist Verzweiflung – wie etwa die halb garen Einbruchsversuche.

Ende Januar versucht der Mann in eine Kitzinger Firma einzusteigen, was jedoch völlig misslingt: Ein Versuch am Fenster scheitert, weil sich der Rolladen verklemmt. Das Vorhaben, über das Tor der Produktionshalle einzusteigen, geht ebenfalls schief, weil ein Bewegungsmelder die Alarmanlage auslöst. Ein paar Wochen später: In Kitzingen entdeckt der Mann auf dem Gelände eines Sportvereins einen Kühlwagen. Er bricht kurz entschlossen das Vorhängeschloss auf und schnappt sich 18 Plastik-Pfandflaschen, die ihm genau 7,92 Euro einbringen. Der angerichtete Schaden liegt bei 80 Euro.

„Sie haben in Ihrem Leben eine Kehrtwende gemacht.“
Strafrichter Bernhard Böhm sieht Hoffnung bei dem Angeklagten

Zu diesem Zeitpunkt steht der 25-Jährige unter zweifacher Bewährung. Im Laufe der Jahre sammelte sich einiges an. Neun Mal ist er bereits verurteilt, die Beschaffungskriminalität hat im Strafregister – von Diebstahl bis Bedrohung – ihre Spuren hinterlassen. Nach einer weiteren Körperverletzung ist das Maß dann vorletztes Jahr voll: Es setzt eine einjährige Haftstrafe. Gleichzeitig wird eine davor angedrohte eineinhalb jährige Haftstrafe nun auch noch fällig, weil sich das mit der Bewährung endgültig erledigt hat. Im vergangenen Sommer tritt der Mann schließlich seine Haftstrafe an, bevor er zuvor noch einmal Kitzingen unsicher gemacht hatte.

Vielleicht war das Wegsperren am Ende die Rettung für den Drogenkranken: In Haft fängt er sich, macht seinen Hauptschulabschluss, nimmt Kontakt zur Suchtberatung auf und hat den festen Willen, künftig drogenfrei durchs Leben zu gehen. Ohne eine längere Therapie, so viel steht indes fest, wird das unmöglich zu schaffen sein. Vor dem neuen Leben gilt es jedoch, für die letzten Taten aus dem alten Leben geradezustehen. Über den versuchten Einbruch und den Pfanddiebstahl muss der Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm befinden. Klar ist: Es kann wieder nur auf eine Haftstrafe hinaus laufen, am Ende kommen acht Monate heraus. Damit verlängert sich der Aufenthalt hinter Gittern noch einmal beträchtlich – es könnte aber auch alles ganz anders kommen. Dass der Angeklagte in seinem Leben „eine Kehrtwende“ gemacht hat, wie das Gericht betont, macht sich nicht nur an dem nachgeholten Schulabschluss fest. Der Weg zu einer Therapie ist bereits geebnet, wie sein Verteidiger betonte. Statt Haft wäre wahrscheinlich bereits ab September die Unterbringung in einer Suchtklinik möglich.

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