KITZINGEN/FRICKENHAUSEN

Ein Kreuzweg für alle

Das Ambiente, die Stimmung. Die Ernsthaftigkeit und die Möglichkeit zum Sinnieren. Die Mischung aus Tradition und Moderne, das gemeinsame Beten: Es gibt noch viele andere Gründe, warum Ilse König und Gertrud Ziegler Jahr für Jahr den Frickenhäuser Kreuzweg gehen. Zusammen mit einer wachsenden Schar von Betenden.
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Stationen: 14 Bildstöcke gibt es auf dem Weg. Foto: Foto: ziegler
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Vor 23 Jahren fing alles an. Die beiden Freundinnen – Gertrud Ziegler katholisch und Ilse König evangelisch – besuchten gemeinsam einen Vortrag des damaligen evangelischen Pfarrers Sinn im Kitzinger Paul-Eber-Haus. Thema: „Katholische Bildstöcke, evangelisch betrachtet.“ „Wir haben damals zum ersten Mal den Kreuzweg in Frickenhausen gesehen“, erinnert sich König, die 18 Jahre lang Vorsitzende des evangelischen Frauenbundes war.

„Wir wollen uns in dieser Zeit besinnen.“
Ilse König, Organisatorin

Der Entschluss war nach einem Besuch vor Ort schnell gefasst: Die beiden riefen den ökumenischen Kreuzweg ins Leben. „Beim ersten Mal waren wir nur 13“, erinnert sich König und muss lachen. Nach und nach hat sich das Angebot herumgesprochen. Vor drei Jahren folgten fast 70 Menschen dem Ruf der beiden Frauen.

Der Kreuzweg in Frickenhausen ist in den 80er Jahren neu entstanden. Aus Spenden sind die 14 Stationsbilder finanziert worden, der Kleinochsenfurter Bildhauer Otmar Kleindienst hat sie angefertigt. Die Texte für die Andacht stammen vom ehemaligen Pfarrer Stefan Mai. „Alles sehr modern und auf die heutige Zeit heruntergebrochen“, lobt Gertrud Ziegler.

An der ersten Station zum Thema „abgeurteilt“ wird beispielsweise eine Anekdote aus der Frickenhäuser Geschichte erzählt. Das Rathaus ist durch einen Gang direkt mit der Kirche verbunden. Der Bürgermeister ging früher mit seinen Ratsherren vor wichtigen Entscheidungen in die Kirche und betete um Kraft, damit ein gerechtes Urteil gefällt wird. Weitere Themen, zu denen Kleindienst ein Bildnis mit örtlichem Bezug geschaffen hat: Ausgrenzung, Trauer, Tod und Krankheit.

Ilse König liest an jeder Station den Text, Gertrud Ziegler die Fürbitten, danach folgt ein gemeinsames Gebet. Nach 14 Stationen kommen die Gläubigen an der Valentinus-Kapelle für eine Abschlussandacht zusammen. Manchmal mit, manchmal ohne musikalische Begleitung. „Wir hatten schon Flötistinnen und eine Gitarrenspielerin dabei“, erinnert sich Ziegler. Sie trägt einen Korb mit kleinen Blumensträußchen den Weg hinauf. Wer sich an einer Station besonders angesprochen fühlt, kann dort einen Strauß niederlegen.

Etwa eineinhalb Stunden dauert der Kreuzweg. „Jeder kann mitgehen“, sagt König und betont das Wort „jeder“. Wer den Abstieg von der Kapelle, malerisch über den Frickenhäuser Weinbergen gelegen, nicht mehr schafft, kann auch gefahren werden. „Wir hatten auch schon einmal eine Frau dabei, die nicht mehr laufen konnte und mit dem Auto hinter uns hergefahren ist“, erinnert sich Ziegler.

Egal wie und wer, auf eines legen die beiden Frauen Wert: Während des Kreuzweges ist Ruhe. „Wir wollen uns in dieser Zeit besinnen“, erklärt König. Danach bleibt immer noch genug Zeit, um sich über die religiösen Erfahrungen oder ganz weltliche Dinge auszutauschen. Wer will und Zeit hat, kann beispielsweise nach dem Kreuzweg zum Kaffee trinken ins Café Mainblick mitgehen.

Was vor 23 Jahren mit einer spontanen Idee begann, ist längst zu einer bekannten Einrichtung geworden. „Wir haben viele Stammgäste aus dem Raum Kitzingen, Sulzfeld und Segnitz“, freut sich König. „Aber es kommen auch jedes Jahr neue Menschen dazu.“ Für alle Interessierten wollen König und Ziegler ihr Angebot viele weitere Jahre aufrecht erhalten. „Bis wir selber nicht mehr können“, meint Ziegler. „Zur Not krabbeln wir halt zu zweit den Weg hinauf“, meint Ilse König und lacht.

Termin: Der ökumenische Kreuzweg startet am Mittwoch, 25. März. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Dekanatszentrum in Kitzingen oder um 15 Uhr am Fuß des Kreuzweges in Frickenhausen. Wegen der Bildung von Fahrgemeinschaften wird um eine Anmeldung gebeten: Tel. (0 93 24) 6 04 97 81 oder Tel. (0 93 21) 60 00.

Wetter: Keine Ausrede. „Wir laufen bei Wind und Wetter“, betont Ilse König.

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