Ein Partyzelt, ein kaltes und warmes Buffet, dazu der Musiker Bernd Rinser. Knut Rosberg, Mitbegründer des Vereins Aplawia und fast 30 Jahre Geschäftsführer, war am Donnerstagabend sichtlich überrascht.

Überrascht von den rund 80 Gästen mit Landtagsabgeordneten Otto Hünnerkopf, Oberbürgermeister Siegfried Müller, Eugen Hain, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Würzburg, Vertreter von Geldinstituten, von Unternehmen, des Vorstandes und vor allem Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter. Sie alle waren gekommen, um mit ihm seine Verabschiedung in den Ruhestand zu feiern. „Es ist ihm vergönnt, denn er hat in fast 30 Jahren viel bewegt“, sagte der Vorsitzende der Aplawia, Moritz Karl, zum Auftakt. Gleichzeitig freute er sich, dass Rosberg mit seiner Kompetenz und seinem Sachverstand weiterhin dem Beirat zur Seite stehen wird.

Bewegende Erinnerungen

Die Abschiedsrede hielt sichtlich bewegt der Betriebsleiter, langjährige Wegbegleiter und Nachfolger als Geschäftsführer von Knut Rosberg, Volker Lang. Er erinnerte an die zurückliegende gemeinsame Zeit, beginnend mit der Loslösung der Aplawia von der Arbeiterwohlfahrt bis zum Bau des Großprojektes Sozialkaufhaus am Lochweg.

„Wir haben gemeinsam Freude erlebt und gemeinsam gejammert, wenn es an der Front wieder einmal brodelte“ so Lang. „Du hattest und hast ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl für vom Leben gebeutelte Menschen und warst immer für aus der Bahn geworfen, arbeitslose Menschen in der Stadt und dem Landkreis im Einsatz“. Gefreut habe sich Rosberg immer dann, wenn es gelungen war, einen der Mitarbeiter in einen Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle zu vermitteln oder einen jungen Menschen dazu zu bringen, eine abgebrochene Lehre wieder aufzunehmen. Oft wünsche man sich mehr Würdigung und Anerkennung dieses Einsatzes für die Schwachen unserer Gesellschaft, sagte Lang.

„Arbeitslose haben keine Lobby, diese Erfahrung hat Aplawia in 29 Jahren oft gemacht, aber nie aufgegeben“, zog Lang Bilanz. Rosbergs Antrieb seien die Erfolge seiner Arbeit für die Menschen gewesen. Er und Rosberg dankten der Stadt Volkach, Firmen und vor allem den vielen privaten Kunden, die durch ihre Aufträge die Aplawia unterstützen und deren Überleben sichern. Rosberg erinnerte, dass im Zuge der Finanzkrise die Zuschüsse für Langzeitarbeitslose drastisch gekürzt worden seien. Seither müsse Aplawia mit einem Zehntel der Mittel auskommen. Dass die Wirtschaft floriere und viele Menschen Arbeit haben sei erfreulich, doch Langzeitarbeitslose profitierten davon nicht. „Ich hoffe, dass das Schiff Aplawia trotz dieser stürmischen Zeit noch lange fährt, denn diese Arbeit ist wichtig für die Menschen in der Region“, sagte Rosberg.

Rosberg und die Aplawia

Knut Rosberg begann nach dem Studium der Sozialpädagogik 1979 als Mitarbeiter im Kitzinger Sozialprojekt „Notwohngebiet Egerländer Straße“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Er war unter anderem für Hausaufgabenbetreuung, Freizeitgruppen, Ferienprogramme und Sozialberatung verantwortlich.

1984 gründete Rosberg zusammen mit Gleichgesinnten den Verein „Andere planen wir arbeiten“ – kurz Aplawia. Ziel des Vereins war, von Arbeitslosigkeit Betroffene zu aktivieren, der Aufbau von Beschäftigungsmöglichkeiten für arbeitslose junge Menschen und deren Unterstützung auf dem Weg in eine Arbeitsstelle.

1986 begann Aplawia, zunächst in Garagen oder Scheunen, mit dem Verkauf von Gebrauchtwaren. 1987 erfolgte der Einstieg in die internationale Jugendarbeit mit Jugendlichen aus Frankreich, Spanien, Finnland und England.

1992 zog der Verein aus dem Notwohngebiet in das Bürgerzentrum um. Zwei Jahre später, zum zehnjährigen Jubiläum, fand ein internationales Jugend-Workcamp in Kitzingen statt.

1995 wurde der erste Gebrauchtwarenladen in der Schmiedelstraße eröffnet und mit der Erwachsenenarbeit begonnen. Ein Jahr später kam Volker Lang zur Aplawia. Seine Aufgaben war es, Aufträge zu akquirieren und die Mitarbeiter zu betreuen.

1997 folgte der Umzug in die August-Gauer-Straße und die Erweiterung des Angebotes. 1998 löste sich der Verein von der AWO und Franz Böhm wurde Vorsitzender. Im Jahr 2000 folgte die Gründung der SDA GmbH. Hier sollten Mitarbeiter als festangestellte Hilfskräfte im Arbeitsmarkt Fuß fassen.

2002 wurde das Recyclingkaufhaus am Lochweg eingeweiht und seit 2004 ist Aplawia als Träger von Maßnahmen nach dem SGB II (Hartz IV) anerkannt. Inzwischen sind als weitere Standbeine der Verkauf von Kommissionsware über Ebay und das Projekt „Gute Geister“ dazugekommen. rw