Iphofen

Ein Kabinett kurioser Kostbarkeiten

Die Kulturhistorische Sammlung im Iphöfer Rathaus soll aus ihrem „Dornröschenschlaf“ gerissen werden. Den wilden Charakter aus 40 Jahren will die Stadt dabei erhalten.
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Die Kulturhistorische Sammlung im Jagdsaal des Iphöfer Rathauses mit ihren gut 1300 Objekten soll einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich werden.

Um das Jahr 1970 herum – Josef Mend lernte gerade als „Stift“ in der Verwaltung – war der Jagdsaal im Iphöfer Rathaus mehr Schein als Sein. Ein Raum mit bewegter Geschichte, gewiss, aber kühl und leergeräumt, wie sich der Iphöfer Bürgermeister erinnert. Heute verbirgt sich dort – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – ein Vermächtnis.

Ein Kuriositätenkabinett, das unter der Chiffre „Kulturhistorische Sammlung“ nicht im Ansatz erahnen lässt, was der 2012 verstorbene Stadtarchivar Andreas Brombierstäudl in mehr als 40 Jahren Stück für Stück zusammengetragen hat. Zeit seines Lebens ertrug Brombierstäudl – in Sorge um die teils wertvollen Objekte – größeres Publikum im Jagdsaal nur widerwillig. Jetzt soll dieser „Schatz“, wie ihn die promovierte Kulturhistorikerin Bettina Keß nennt, gehoben, gesichtet und schließlich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dreidimensionales Bild der Stadtgeschichte

Als Kulturwissenschaftlerin hat Keß schon so einiges erlebt, aber diese Sammlung sei so skurril, „das sieht man nicht mehr oft“. Richtschwert und Schandmaske, Keuschheitsgürtel und Heiligenfiguren, Krüge und Bocksbeutel, sogar eine Orgel: Etwa 1300 Objekte fügen sich zu einem dreidimensionalen Bild der Stadtgeschichte, aber ohne erkennbare Struktur und Systematik. „Die Exponate stehen auf Sockeln oder direkt auf dem Boden, sind direkt an den Wänden und in Fensterlaibungen befestigt oder auf Tischen aufgelegt“, heißt es in der Bestandsaufnahme von Bettina Keß.

Kein Stadtmuseum

Aufgabe der Würzburger Kulturhistorikerin war es, für die Stadt Iphofen eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Es galt die Frage zu klären, wie die Sammlung, die im Moment auf 130 Quadratmeter und mehrere Räume, sogar auf Flur und Treppenabsatz, verteilt ist, besser zur Geltung kommen könne. Von einem eigenen Stadtmuseum riet Keß den Stadträten am Montagabend ab. Gleichwohl soll das Ganze professioneller arrangiert werden.

Zwei Möglichkeiten

Zwei Modelle stellte Keß dem Rat vor: Das eine beruhte darauf, den „Charakter der Universalsammlung“ zu wahren, sie zu sortieren und zu ergänzen und in der „kulturellen 1a-Lage“ im Rathaus zu lassen; das andere sah vor, die Sammlung zu zerschlagen und auf mehrere „Satelliten“ in der ganzen Altstadt zu verteilen.

Rasch wurde klar, dass Stadtrat und Bürgermeister deutlich mehr Sympathie für die auch von Keß favorisierte erste Lösung hegten. Dabei soll auch der Raum der früheren Stadtkasse in das Konzept integriert werden – vor allem mit Blick darauf, dass dieser etwa 23 Quadratmeter Raum auf Höhe der Verkündhalle über einen Aufzug barrierefrei zu erreichen wäre.

Mittels einer Multimedia-Installation könnte dort die Geschichte des gerade 300 Jahre alt gewordenen Rathauses erzählt werden. Um auch den Jagdsaal zu erschließen, müsste der Aufzug im rückwärtigen Teil des Rathauses um zwei Stockwerke verlängert werden – ein schwieriger Prozess, wie Mend mit Blick auf den Denkmalschutz sagte.

Viel Wertvolles und viel Ramsch

Ziel der Stadt ist es, die derzeit nur von etwa 300 Leuten im Jahr besuchte und von den meisten eher durch Zufall entdeckte Sammlung stärker in den Sucher der Öffentlichkeit zu rücken. Dazu gehört für Stadtrat Rupert Maier, die Objekte zu sortieren und Akzente zu setzen. „Da ist viel Wertvolles dabei, aber auch viel Ramsch, der auf den Trödelmarkt gehört“, sagte Maier.

Aus vielen Nachlässen

Brombierstäudl sei bewusst gewesen, so Mend, dass nicht alles wertvoll sei. Er habe viele Objekte aus dem Nachlass von Iphöfer Familien übernommen. Nicht alles davon wird künftig öffentlich ausgestellt. Hans Brummer regte an, die Sammlung um „ein paar interessante Urkunden aus dem Stadtarchiv“ zu erweitern.

Zahlen folgen noch

Frühestens mit der Sanierung des Rathauses im nächsten oder übernächsten Jahr soll das Konzept umgesetzt werden. Bettina Keß hat die Kosten für Gestaltung, Planung und Ausstattung – sowohl für den Bereich des Jagdsaals als auch für den Raum der Stadtkasse – auf bis zu 275 000 Euro hochgerechnet. Nicht enthalten in dieser Summe sind Gelder für Umbauten oder die Restaurierung einzelner Objekte. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten, allein für zusätzliches Personal bis zu 70 000 Euro. Detaillierte Berechnungen sollen dem Stadtrat noch vorgelegt werden.

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