Kitzingen

Ein Joint kann einer zu viel sein

Weil er neunmal Drogen gekauft und einen Unbeteiligten als Dealer verdächtigt hat, hat das Jugendschöffengericht einen 20-Jährigen zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt. Hinter Gitter muss er (noch) nicht. Dafür muss er die Hände von Drogen lassen. Drei Jahre lang kann er in der Bewährung zeigen, dass er sein Leben in den Griff bekommt.
Artikel drucken Artikel einbetten

Weil er neunmal Drogen gekauft und einen Unbeteiligten als Dealer verdächtigt hat, hat das Jugendschöffengericht einen 20-Jährigen zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt. Hinter Gitter muss er (noch) nicht. Dafür muss er die Hände von Drogen lassen. Drei Jahre lang kann er in der Bewährung zeigen, dass er sein Leben in den Griff bekommt.

Das ist dem jungen Mann immer wieder aus den Händen geglitten. Seit 2012 ist er ein guter Bekannter des Jugendamts. Seine Eltern haben sich getrennt, kamen mit ihm nie zurecht. Er war in der Jugendpsychiatrie, hat auch einen Suizidversucht hinter sich und muss seit Jahren Medikamente nehmen. Schule und Ausbildung? Fehlanzeige. Dafür immer wieder Straftaten. Fahren ohne Fahrerlaubnis, Körperverletzung und Diebstahl stehen im Bundeszentralregister. Dazu kamen Abstürze, die im unkontrollierten Drogenkonsum endeten.

Wie vor zwei Jahren, als er in vier Wochen neunmal Marihuana kaufte. 250 Gramm waren es am Ende. 2500 Euro hat er dafür gezahlt. "Das Geld kam aus meiner  Führerscheinkasse", sagte er dem Gericht. Erwischt wurde er bei einer Kontrolle. Da fand die Polizei zwei Joints und 1,3 Gramm Marihuana und noch einmal 6,7 Gramm bei einer Wohnungsdurchsuchung.

Bei der Polizei packte er aus, nannte einen Kumpel als Lieferanten. Allerdings nicht, ohne vorher einen Unbeteiligten als Dealer hinzustellen. "Weil ich wusste, dass die Polizei bei ihm nichts finden wird", sagte er zu seinen Gründen und auch: "Weil ich Angst hatte, die anderen hauen mir aufs Maul." Damit kam zum unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln mit der falschen Verdächtigung eine weitere Straftat.

Fast zwei Jahre später ist Verhandlung. Die Situation hat sich etwas entspannt. Mit Hilfe der Oma und des Vaters hat der 20-Jährige einen Punkt erreicht, an dem er in die Spur kommen könnte. Er hat eine Wohnung und einen Ausbildungsplatz. "Ein zerbrechliches Gebilde, das aber auch jederzeit wieder einstürzen kann", nannte das die Jugendgerichtshilfe. Die hatte die Anwendung von Jugendstrafrecht empfohlen, begründet mit erheblichen Reifedefiziten des Heranwachsenden.

Das wurde angewandt. Während der Verteidiger dafür plädierte, es noch einmal mit Weisungen und Auflagen zu versuchen, sprach sich der Staatsanwalt mit Blick auf die Vorstrafen für eine  Jugendstrafe aus. Vor allem die von wenig Einsicht geprägte Aussage, dass er eine Woche vor der Verhandlung noch einen Joint geraucht habe, kam nicht gut an. Ein deutlicher Hinweis auf schädliche Neigungen. Da half auch das Geständnis wenig. Die Forderung der Anklage: Ein Jahr Jugendstrafe und Bewährung.

Die stand dann im Urteil. Ein Jahr Jugendstrafe, drei Jahre Bewährung, zwei davon unter der Aufsicht eines Bewährungshelfers. Dazu: Verzicht auf jeglichen Konsum von Betäubungsmitteln und der Nachweis mit sechs Drogenscreenings pro Jahr. Dazu kommen 80 Sozialstunden. Eine neue Straftat oder ein Verstoß gegen die Auflagen können Haft bedeuten. Der junge Mann hat seine Chance bekommen. Aber: Ein Joint kann jetzt einer zu viel sein.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren