KITZINGEN

Ein Jahr kein Tropfen Alkohol

Fahren ohne Fahrerlaubnis, aber mit Alkohol. Widerstand gegen Vollzugsbeamte, Beleidigung, versuchte Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln: Für die Serie von Straftaten, die sich ein 18-Jähriger geleistet hat, schickte ihn das Jugendgericht für zwei Wochen in den Arrest. Zudem hat Jugendrichter Wolfgang Hülle dem jungen Mann strikte Null-Promille verordnet.
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Symbolfoto: Jugendliche und Alkohol. Foto: Foto: dpa

Fahren ohne Fahrerlaubnis, aber mit Alkohol. Widerstand gegen Vollzugsbeamte, Beleidigung, versuchte Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln: Für die Serie von Straftaten, die sich ein 18-Jähriger geleistet hat, schickte ihn das Jugendgericht für zwei Wochen in den Arrest. Zudem hat Jugendrichter Wolfgang Hülle dem jungen Mann strikte Null-Promille verordnet – für ein Jahr und überprüft durch spontane Kontrollen.

Es war ein eher schwieriger Fall, der auf der Anklagebank saß. Er ist gerade 18 geworden. Er hat es auf keiner Schule ausgehalten. Alle Angebote der Jugendhilfe sind ins Leere gelaufen. Termine hält er nicht ein. Der Kontakt zu den Eltern besteht darin, dass er sich sein Kindergeld abholt. Zu tun hat er nichts. „Ich bin arbeitssuchend“, sagt er dem Gericht.

„Er war nicht hoffnungslos besoffen.“
Wolfgang Hülle Jugendrichter

Sein Verhalten machte deutlich: Er ist im Leben noch nicht angekommen, hat den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Das zeigt auch, dass noch ein weiteres Verfahren auf ihn wartet: Es hat das Auto seiner Eltern zu Schrott gefahren – wieder ohne Führerschein.

Ohne den war er im Herbst 2013 unterwegs, als er innerhalb von wenigen Stunden die Serie lieferte, die ihn jetzt in den Arrest brachte. „Ich wollte mit Kumpels meinen Geburtstag nachfeiern“, sagte er dem Gericht. Also kaufte er sich eine Flasche Whisky. Mit seinem Mofa aber ohne Führerschein fuhr er los (= Fahren ohne Fahrerlaubnis). Die Flasche war bald leer, was ihn nicht hinderte, erneut mit dem Mofa seine Runden zu drehen (= Trunkenheit im Verkehr plus Fahren ohne Fahrerlaubnis).

Der Alkohol ist ihm nicht bekommen, zumal noch Liebeskummer im Spiel war. Was ihn auf die Idee brachte, seinem Leben ein Ende zu setzen und das der Polizei mitzuteilen. Die schickte eine Streife. Als die den jungen Mann kontrollierte, rastetet er aus: Schläge und Tritte, die nicht trafen und Beleidigungen der übleren Art (= Widerstand gegen Vollzugsbeamte, Beleidigung, versuchte Körperverletzung und Sachbeschädigung). Dass die Beamten ein Gramm Marihuana fanden, machte die Anklageschrift voll (= unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln).

Der Angeklagte räumte vor Gericht mehr oder weniger alles ein, wollte allerdings von so gut wie nichts mehr wissen. „Ich bin mit Kopfschmerzen in Werneck aufgewacht“, sagte er dem Gericht, das ihm das aber angesichts der 1,11 Promille nicht abnehmen wollte. „Er war nicht hoffnungslos besoffen“, sagte der Richter. Den Filmriss wertet er als eine „gewisse Schutzbehauptung“. Nach den Aussagen von zwei Zeugen war klar: Es hat sich so abgespielt, wie es in der Anklageschrift stand.

Nicht nur der Staatsanwalt tat sich schwer, etwas zu finden, was für den Angeklagten sprach. Dass niemand bei der Aktion verletzt wurde und er sich in einer schwierigen Lebenssituation befand, waren dann immerhin zwei Punkte. Unterm Strich kam der Staatsanwalt auf das Strafmaß, das später im Urteil stand. Zwei Wochen Jugendarrest, neun Monate Führerscheinsperre, ein Fahrverbot und die Null-Promille-Auflage.

Der junge Mann nahm das Urteil zu Kenntnis. „Ich habe eh nichts zu melden“, sagte er, aber auch, dass er sein Leben endlich auf die Reihe kriegen will. Die Reaktion auf diese Ankündigung bei allen Beteiligten: Eher verhalten. Optimismus sieht anders aus.

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