Kitzingen

Ein Jahr Landtag: Barbara Becker (CSU) sieht sich als Macherin

Eine Schonzeit hat sie als Neuling im Landtag nicht erlebt, berichtet Barbara Becker (CSU). Doch das stört sie nicht. Im Gegenteil: Sie reklamiert mehrere Erfolge für sich.
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Barbara Becker aus Wiesenbronn sitzt für die CSU im 18. Bayerischen Landtag, der sich am 5. November 2018 konstituiert hat. Foto: Michael Mößlein

Sie hatte sich auf die neue Aufgabe gefreut. Und wie. Ein Jahr später ist sie nicht enttäuscht. Im Gegenteil: „Die Vorfreude hat sich bestätigt und verstetigt“, sagt Barbara Becker. Auch wenn der Alltag als Berufspolitikerin sie völlig in Beschlag nimmt, kaum Zeit für Privates lässt. Das erste Mal seit vielen, vielen Jahren konnte sie nicht an der Weinlese in Wiesenbronn teilnehmen. „Das fand ich schon ein wenig schade.“ Aber die Freizeit ist knapp bemessen, die Zeit zu wertvoll geworden. Wie viele Stunden Arbeit sie in ihre Tätigkeit als Landtagsabgeordnete steckt? „Das lässt sich in Zahlen schwer ausdrücken“, meint sie. „Letztendlich durchzieht die Politik mein gesamtes Leben.“

Eine Schonzeit habe es im Maximilianeum nicht gegeben. Das Volksbegehren „Artenschutz“ hat die Parteien gleich in Atem gehalten. Die ersten Worte von Ministerpräsident Markus Söder zu den Neuen in der Fraktion sollten sich schnell bewahrheiten: „Ihr müsst dreimal soviel arbeiten wie eure Vorgänger“, hat er prophezeit. „Mir hat das gefallen“, sagt Becker. Also hat sie sich in die Arbeit gestürzt: Sitzungen, Besprechungen, Konferenzen – Barbara Becker versteht sich als Ansprechpartnerin für alle Bürger in ihrem Stimmkreis, als deren Vertreterin. „Mehr noch“, sagt sie. „Als Erledigerin.“

Nachverhandeln hat sich gelohnt

Und tatsächlich: Vieles hat sie in ihrem ersten Jahr erledigt, drei „handfeste Erfolge“ schreibt sie sich auf die eigene Fahne: die Reaktivierung der Mainschleifenbahn, bessere Fördergelder für das Bildungszentrum für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Marktsteft und den Schallschutz an der Bahnstrecke bei Obernbreit. „Bei der Mainschleifenbahn helfen alle zusammen“, betont sie. Aber ohne ihren „harten und energischen Einsatz“ wären die Touristenzahlen wohl nicht in die Berechnung eingeflossen, die letztendlich für eine Förderung maßgeblich ist. Wegen des BNE in Marktsteft habe sie mit drei Ministerien nachverhandelt, um letztendlich zehn Prozent mehr Fördergelder zu erhalten. Und wegen des Schallschutzes in Obernbreit ist sie gleich auf Verkehrsminister Andreas Scheuer zugegangen. „Nach acht Wochen war die Sache erledigt.“

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Als gut vernetzt beschreibt sich Barbara Becker, ihr Wirken in der Grundsatz- und Reformkommission der CSU komme ihr jetzt zugute. Den Diskurs schätzt sie, nicht nur innerhalb der CSU, die sie als „gleichbleibend richtige Partei für mich“ bezeichnet. Die Menschen im Landkreis sollen ruhig auf sie zukommen, das Gespräch suchen. „Das schätze ich sehr“, versichert sie. Allerdings freut sie sich, wenn nicht nur die Probleme angesprochen werden, sondern Ideen und Vorschläge für deren Bewältigung gleich mit geliefert werden. Fünf bis sechs solcher ergiebigen Gespräche hat sie schon jetzt durchschnittlich pro Tag. Gespräche, deren Inhalte sortiert und gebündelt, deren Wünsche auf ihre Machbarkeit und Sinnhaftigkeit hin abgeklopft werden müssen. Ohne ihre drei Mitarbeiter im Büro wäre das nicht möglich. „Die sind alle sehr effektiv“, freut sich Becker.

Landwirtschaft: Auf das Kaufverhalten kommt es an

Ein Gespräch lohnt sich immer. Davon ist die Wiesenbronnerin überzeugt. Ganz aktuell bezieht sie das auf die Landwirtschaft, wo die „Nerven blank liegen“. Becker zeigt Verständnis für die Landwirte, die sich teils unberechtigten Vorwürfen ausgesetzt sehen. Sie appelliert an die Verbraucher, die begreifen müssten, dass sie mit ihrem Einkaufsverhalten maßgeblich mitbestimmen, ob es in Zukunft noch landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Region geben wird. Früh müsse man das Thema Ernährung und Regionalität ansprechen. „Am besten schon in den Kindergärten und Schulen."

"Bei der Mainschleifenbahn helfen alle zusammen."
Barbara Becker, Landtagsabgeordnete der CSU

Ein Jahr als Landtagsabgeordnete ist vorbei: Langeweile ist bei ihr und ihrem Team in dieser Zeit nicht aufgekommen. Letzte Woche reiste die Abgeordnete mit einer Delegation nach Taiwan. Thema: das Gesundheitssystem. In Sachen Pflege und ärztliche Versorgung könnten sich die Deutschen von den Asiaten etwas abschauen. Nicht nur dieses Thema will sie in ihrem Stimmkreis weiter verfolgen. Für ihr zweites Jahr als MdL hat die Wiesenbronnerin klare Vorstellungen.

Ein Schwerpunkt soll auf der wirtschaftlichen Entwicklung liegen, Becker will dafür ihre Firmenbesuche intensivieren. Viel mehr Start-Ups möchte sie hier ansiedeln, junge Unternehmen, die sich beispielsweise mit künstlicher Intelligenz und dem Technologietransfer beschäftigen. Der Landkreis Kitzingen sei da in einer „Top-Position“, schon allein wegen seiner Lage und den bereits bestehenden Gewerbeflächen. Becker weiß aber auch, dass noch viel Grundlagenarbeit ansteht: schnelles Internet, Mobilfunk, der öffentliche Nahverkehr, der Ausbau der Kindertagesstätten ... An Arbeit wird es nicht mangeln.

Klimaforschungsinstitut für den Landkreis Kitzingen

Zumal sie noch etwas anderes erreichen möchte: Der Landkreis Kitzingen soll klimafest gemacht werden. Ein Klimaforschungsinstitut will sie hier etablieren, die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis überführen. Viele Themenbereiche müssen dafür beackert werden.

Becker weiß das: Stadtplanung, Verkehr, Wassermanagement, Bauen und vieles mehr. „Da stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt sie. Der grundlegende Weg zum Ziel ist ihr klar. Verbote bringen einen nicht weiter. „Wir sollten stattdessen unsere Erkenntnisse klug nutzen.“ Eine private Erkenntnis nach dem ersten Jahr: Sport ist ein guter Ausgleich. Zwei Mal pro Woche geht Becker für zwei Stunden Joggen, Walken, macht Yoga oder Krafttraining. „Sonst hält man das gar nicht durch.“

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