VOLKACH

Ein Hotel am Main auf 52 Stelzen

Großes Interesse im Schelfenhaus: Investor und Betreiber sowie der Architekt informieren 120 Interessierte über das Hotel am Main.
Artikel drucken Artikel einbetten
Infoabend Hotel auf Stelzen, das Modell wird unter die Lupe genommen.

Gebaut auf 52 Stelzen mit je 40 Zentimetern Durchmesser und einer Grundfläche von etwa 2200 Quadratmetern bei einem Grundstücksbedarf von 6500 Quadratmetern: Das sind die Ausmaße des geplanten Hotels am Main im Hochwasser- und Naturschutzgebiet vor den Toren Volkachs.

Nachdem ein Bürgerentscheid gegen das Hotel und ein Ratsbegehren für die Pläne in die Wege geleitet sind, stellten der Investor und Betreiber Ralph Düker und der Architekt Ralf Pfeiffer im Schelfenhaus gut 120 Interessierten den Plan mit vielen Fotos vor. Moderatorin des Abends war Eva Koch.

Der Hintergrund

Er wolle mit diesem Hotel den Gästen der Flusskreuzfahrtschiffe „Volkach zugänglich machen“, sagte Düker und erinnerte an die „harte Diskussion zur Neugestaltung der Hauptstraße, und gut 50 Prozent der Gäste, die jetzt dort ihren Schoppen trinken, sind Volkacher“. Das Hotel solle nicht nur junge Leute, sondern auch Wanderer und Radfahrer ansprechen.

Hier brachte Marco Maiberger den Mainradweg als „einen der erfolgreichsten deutschen Radwanderwege“ ins Spiel. Der Weg führe direkt am Hotel vorbei, die Radfahrer „schließen ein Loch außerhalb der Saison“. Und: „Wer an der Nordsee Urlaub macht, sucht die Nähe zum Wasser, wir sind hier am Main.“ Auch will er, ähnlich wie Düker, eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer in Volkach. „Wir sind als Weingegend eine klassische Kurzreise-Region, und die Leute bleiben oft nur wenige Tage, etwa zu Weinfesten.“

Kritikpunkte

Einer der größten Kritikpunkte war der Flächennutzungsplan (FNP). Erst nach dessen Änderung wird das Landratsamt als genehmigende Behörde eine Baugenehmigung erteilen. Dieser Plan, erklärte Bürgermeister Peter Kornell, würde ohnehin geändert werden, zunächst für Volkach, später für die Ortsteile. Das wäre auch für die Umgehung notwendig gewesen. „Und den brauchen wir auch für die Umgestaltung des Mainvorlandes, dessen Planung wir jetzt in Auftrag gegeben haben.“ Ohne diese Umgestaltung in ein Naherholungsgebiet mit Mainpromenade und einer „verbesserten Aufenthaltsqualität“ werde es das Hotel nicht geben, sagte Kornell.

Problem Hochwasser

Nicht weniger kritisch sahen die anwesenden Naturschützer den Umstand, dass das Hotel in einem Überschwemmungsgebiet stehe. Das hatte der Architekt auch mit eingeplant („HQextrem, also mehr als das Hundertjährige Hochwasser“) und sogar simulieren lassen, ob weggeschwemmte Campingwagen das Gebäude schädigen könnten.

Uncooles Volkach?

Wenn der Pegel Trunstadt Hochwasser zeigen würde, „müssen wir binnen 24 Stunden das Hotel räumen“. Minuspunkte sammelte der Architekt mit der Aussage, seine drei Kinder fänden Volkach „uncool, da sind ja nur alte Leute“. Auch konnte er auf mehrfache Nachfrage die Länge des Baukörpers nur aufgrund eines fremden Planes einschätzen, und beides wird auf der Facebookseite des Vereins „Landschaftsschutz Mainschleife“ leidenschaftlich diskutiert.

Wenig Emotionen

Gute zwei Stunden dauerte die relativ emotionsfreie Veranstaltung, an deren Anschluss viele der Zuhörer das 3-D-Modell des Hotels so genau wie möglich unter die Lupe nahmen. Ob es tatsächlich gebaut wird, hängt vom Bürgerentscheid und Ratsbegehren am 29. Juli ab. Kornell ermutigte seine Zuhörer, von diesem Recht auch Gebrauch zu machen. Sollte das Hotel abgelehnt werden, werden sich der Stadtrat und der Investor von diesem Plan verabschieden.

Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.