Kitzingen

Ein Herz für Fledermäuse: Auszeichnung für Artenschutz

Im Landkreis Kitzingen engagieren sich viele Bürger für Fledermäuse. Dafür wurden sie nun ausgezeichnet. Ein Experte erklärt, warum Hilfe oft wenig Aufwand erfordert.
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Ein "Braunes Langohr" hält Winterschlaf: Es ist eine von 18 Fledermausarten, die im Landkreis Kitzingen nachgewiesen sind.  Foto: Matthias Hammer
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Dass Fledermäuse die wahren Blutsauger jagen, nämlich Stechmücken, wissen manche gar nicht. Die Assoziation mit Vampiren ist dafür weit verbreitet. Mit diesem negativen Bild der fliegenden Insektenfresser habe man als Artenschützer leider immer noch zu kämpfen, berichtet Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern. Und doch konnte Landrätin Tamara Bischof am Dienstagnachmittag stellvertretend für das Bayerische Umweltministerium 27 Anerkennungsplaketten der Aktion "Fledermäuse Willkommen" an Personen oder Institutionen aus dem Landkreis Kitzingen überreichen, die Fledermausvorkommen an ihren Gebäuden dulden oder sich aktiv für den Schutz dieser Tiergruppe einsetzen. 

Fledermausschutz bedeutet keinen großen Aufwand

Es sei bereits die achte Veranstaltung dieser Art in Kitzingen, sagte Bischof. Seit 2006 habe sie insgesamt 94 Plaketten der Aktion "Fledermäuse Willkommen" übergeben, bayernweit sind es rund 1500. Bischof: "Da sind wir in Bayern ganz vorne mit dabei." Das bestätigte auch der Experte Matthias Hammer. Kitzingen sei ein "Leuchtturm" was den Fledermausschutz in Bayern betrifft. Es gebe keinen anderen Landkreis, in dem es schon so viele Veranstaltungen dieser Art gab. "Es ist toll, dass sich hier jedes Jahr neue Leute für den Fledermausschutz einsetzen." 

Dabei ist oft gar kein großer Aufwand nötig, um den nachtaktiven Insektenfressern zu helfen. Es langt schon, diese zu dulden und bestehende Quartiere zu erhalten. So erhielt beispielsweise die Communität Casteller Ring eine Plakette, weil diese in ihrem Ordenshaus auf dem Schwanberg das Sommerquartier einer Weibchenkolonie beherbergt. Hinter der Holzfassade im ersten Stock bringen die Weibchen im Sommer ihre Jungen zur Welt und ziehen diese auf. "Wir haben nicht geahnt, dass in diesem Gebäudeteil Fledermäuse einziehen würden. Jetzt sind sie unsere Mitbewohner", sagt Priorin Schwester Ursula Teresa Buske. In der Dämmerung könne man sie dort nun fliegen sehen.

Fledermäuse brauchen mehr Nahrung und ruhige Keller für Winterschlaf

Ein großes Problem für die Fledermäuse ist auch das Insektensterben, also die fehlende Nahrung. Um dagegen vorzugehen, empfiehlt Hammer Landwirten, Winzern und Gemeinden, bunte Saatmischungen zu säen. Diese Blütenpflanzen locken Nachtfalter an – eine Leibspeise der Fledermäuse. Genau dies tat auch die Winzerfamilie Olinger aus Iphofen im vergangenen Sommer. Dafür und für das Aufhängen von Fledermauskästen erhielten die Weingutsinhaber eine Plakette. Leider sei aufgrund der Trockenheit im Sommer trotz häufigem Gießen nichts gewachsen, sagt Nicolas Olinger. Dieses Jahr wolle man es aber gerne wieder versuchen. 

Weil sie jetzt in der kalten Jahreszeit ohnehin keine Nahrung finden, halten Fledermäuse von Oktober bis April Winterschlaf. Wenn die Nachtflatterer keine Höhle ausmachen können, ziehen sie sich auch gerne mal in einen Gewölbekeller zurück. Wichtig sei dann, so Hammer, die schlafenden Tiere nicht zu stören, damit ihre Kraftreserven bis zum Frühjahr reichen. Weil sie eine Einflugöffnung zu ihrem Keller dauerhaft geöffnet halten und den Fledermäusen damit ein Winterquartier bieten, wurden beispielsweise die Eheleute Manuela und Michael Feldhäuser aus Krautheim ausgezeichnet.

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