Mainbernheim

Ein Garten für Mensch und Tier

Fledermäuse, Wildbienen und Nachtfalter will der Naturgarten „Hortus Nocte“ fördern. Kinder und Erwachsene können entdecken, wie die Kreisläufe der Natur funktionieren.
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Naturnahe Gartengestaltung: In Mainbernheim gibt es ideale Lebensräume für Wildbienen, Nachtfalter und Fledermäuse.
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„Nur was man kennt, kann man auch schützen“, da sind sich Christian Söder vom Flatterhaus Hellmitzheim und Karl Wolf, ehemaliger Bürgermeister von Mainbernheim, einig. Und genau das will das Projekt „Hortus Nocte, ein Garten für Nachtschwärmer“, erreichen. Ein Bewusstsein für die Kreisläufe der Natur schaffen und so die Menschen zum Helfen anregen.

Wolf und Söder gehören zum ehrenamtlichen Team, die den Naturgarten direkt neben den Grabengärten in Mainbernheim über zwei Jahre lang angelegt und bepflanzt haben. Am 24. Juni wird er zum „Tag der Offenen Gartentür“ im Landkreis Kitzingen eröffnet.

Drei verschiedene Themenkomplexe gibt es zu entdecken: Wildbienen, Nachtfalter und Fledermäuse. Das Team um Söder hat einen Ort geschaffen, an dem die Pflanzen und Tiere optimale Lebensbedingungen vorfinden. Er soll zeigen, wie Fledermäuse, Insekten und Pflanzen zusammenhängen und sich gegenseitig brauchen.

Wollbiene braucht den Wollziest

Die Große Wollbiene ist eines der Tiere, die der Naturgarten anlocken will. Dazu wurde ein trockener, sandiger Bereich geschaffen, auf dem es nicht jeder Pflanze gefällt. „Ein Löwenzahn hat hier zum Beispiel keine Chance“, sagt Söder. Dafür gedeihen dort jedoch unter anderem Grasnelken, Königskerzen und Scharfgarben.

Und besonders wichtig für diese Wildbienenart ist der Wollziest, für den der trockene Boden ideal ist. Um ihre Nisthöhlen zu bauen, braucht die Wollbiene die Haare des Wollziests. Sie nistet in Steinritzen oder auch Bohrgängen im Sandboden und verschließt diese mit den feinen Härchen des Wollziests.

Wilde Blumen das ganze Jahr

Gegenüber liegt eine Böschung, auf der das Team eine eigens zusammengestellte Saatmischung ausgebracht hat. Hier wachsen Wildblumen, zum Beispiel gelbe Nachtkerzen, wilde Karden und Nachtviolen. „Wir haben 20 verschiedene Samen ausgebracht, so blüht das ganze Jahr über etwas“, sagt Söder. Die Böschung ist der ideale Lebensraum für Nachtfalter, die hier genug Nahrung finden.

Falter für die Fledermäuse

Die Falter, hier schließt sich der Kreis, sind wiederum die Hauptnahrungsquelle von Fledermäusen. Die Nachtjäger brauchen ungestörte Rückzugsorte zum Leben und einen Platz, an dem sie ihre Beute verspeisen können. Denn wenn sie einen Falter gefangen haben, können sie damit nicht weit fliegen. Deshalb gibt es im Naturgarten direkt neben der Böschung eine Dachrinne, an der sie einen Zwischenstopp einlegen können.

Die Fledermausart „Graues Langohr“ steht im Naturgarten im Mittelpunkt, denn sie ist im Landkreis Kitzingen besonders verbreitet. Sie fühlt sich in Weinbauregionen und in menschlichen Siedlungen wohl, lebt aber oft unbemerkt in Dachstühlen. „Bei Renovierungen verschwindet ihr Lebensraum dann häufig; meist wissen die Leute gar nicht, dass Langohren in ihren Dachstühlen leben“, sagt Söder. Die Zahlen dieser Fledermausart seien deshalb rückläufig.

Umweltbildung für Kinder und Erwachsene

Die Initiatoren des Projekts richten sich an alle, die die Natur erkunden möchten, vielleicht keinen eigenen Garten haben oder einfach mal etwas anderes als top gepflegte Kiesgärten sehen möchten. Träger des Naturgartens ist der Landesbund für Vogelschutz Unterfranken (LBV), unterstützt wurde das Team von der Stadt Mainbernheim, die unter anderem alte Bäume zur Verfügung gestellt hat.

Auch Erwachsene will der Garten ausdrücklich ansprechen, da „die ja auch in der Lage sind, direkt etwas zu verändern“, so Söder. Denn jeder kann etwas zur Vielfalt beitragen, sagt er. „Einfach mal ein paar wilde Blumen oder Löwenzahn im Garten stehen lassen, das hilft Insekten schon enorm.“

Der Naturgarten „Hortus Nocte“ in Mainbernheim eröffnet am 24. Juni anlässlich der Veranstaltung „Offene Gartentür“ im Landkreis Kitzingen. Der Garten kann jederzeit besucht werden. Ansprechpartner für Workshops und Führungen ist Christian Söder: www.naturgeflatter.de ; ch.soeder@gmail.com

Tag der offenen Gartentür am 24. Juni im Landkreis

Einen goldenen Ehering von 1895, Münzen, jahrhundertealte Fingerhüte und vieles mehr hat Silke Seebeck beim Gärtnern schon gefunden. Der Obst- und Gemüsegarten in Hüttenheim ist ein Ort mit Geschichte, dem die Familie Seebeck seit vielen Jahren eine weitere Schicht hinzufügt. Die Gartenwege und Trockenmauern sind aus den Materialien gebaut, die es in und um den alten Hof gibt.

In allen 17 Gärten, die an diesem Sonntag, 24. Juni, von 10 bis 17 Uhr, ihre Türen öffnen, ist viel zu entdecken. Vom Westentaschengarten von Andreas Brandner in Kitzingen bis zum Skulpturenpark von Theo Steinbrenner in Schwarzach reicht die Bandbreite. Die Orte mit ihrer Geschichte und ihrem Umfeld prägen den Garten genauso wie die Gartenbesitzer.

Der Tag der offenen Gartentür zeigt verborgene Orte, gestaltet von Gärtnerinnen und Gärtnern mit großem Wissen, Können und Leidenschaft. Adelheid Zang und Silke Seebeck lachen, wenn sie gefragt werden, wie sie das alles schaffen. „Gärtnern ist für mich Freude“, sagen beide in ihren so unterschiedlichen Gärten, die eine in Sommerach, die andere in Hüttenheim, an den entgegengesetzten Enden des Landkreises.

Die Gärten im Überblick:

Reifer Hausgarten, Heinz Weigand, Steinbühlweg 5, Iphofen.

Westentaschengarten Andreas Brandner, Ecke Bismarckstraße/Wörthstraße, Kitzingen.

Verborgene Stadtoase Horst Lackinger und Achim Bambach, Moltkestraße 10, Kitzingen.

Hortus nocte – Garten der Nacht, bei den Grabengärten, Mainbernheim.

Duft- und Wohngarten am Hang, Werner W. Siebert, Am Hädler 5, Mainstockheim.

Schnabuliergarten Marianne und Thomas Hetterich, St.-Stephan-Straße 8, Marksteft.

Kulturgarten Patricia und Thomas Siegmund, St.-Stephan-Straße 17, Marktsteft.

Skulpturenpark Theophil Steinbrenner, Schweinfurter Str. 17/19, Schwarzach.

Rosengarten Adelheid und Otmar Zang, Zum Katzenkopf 2, Sommerach.

Festplatz und Rosengarten, Hindenburgpark, mit Informations-Stand des Obst- und Gartenbauvereins Volkach, Ausstellung Gärtnerei Dinkel und offenem Boule-Spiel am Festplatz, Volkach.

Garten im Zwinger, Kloster St. Maria, Zugang über Kellereigasse, Volkach.

Garten im Stadtgraben, Mary Mack, Volkach.

Schaubmühle, Ludwig Lippert, Alte Obervolkacher Straße 15, Volkach.

Gartenhof in der Altstadt, Marianne Kreuzer, Hofeingang Anwesen Hauptstraße 33, Volkach.

Nutz- und Ziergarten am Wegrand, Anita Krämer-Gerhard, Kirchbergweg 1, Volkach.

Obst- und Gemüsegarten Seebeck, Hüttenheim 92, Willanzheim.

Grüner Skulpturengarten Klaus Schneider, Kolpingstraße 18, 97353 Wiesentheid.

Weitere Informationen unter www.kitzingen.de



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