Wiesenbronn

Ein Fledermauskasten passt an jedes Haus

Wo leben Fledermäuse bei uns? Was mögen sie – und wie können wir den Flattertieren helfen und sie schützen? Diesen Fragen stöberten Interessierte in Wiesenbronn nach.
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Mit Hellmine Langohr aus dem Flatterhaus in Hellmitzheim zeigt Fledermaus-Experte Christian Söder (rechts) Familie Adler in Wiesenbronn, wie klein Fledermäuse tatsächlich sind. Foto: Antje Roscoe
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Fledermäuse sind definitiv in Wiesenbronn unterwegs. Aber wo wohnen sie? Und wie erhält man ihren Lebensraum? Das sind die Fragen, die sowohl Einwohner als auch den Fledermausexperten Christian Söder umtreiben. Ein Rundgang an sieben Objekten gab reichlich Aufschluss.

Dass Fledermäuse im Sommer abends um die Häuser fliegen, erzählen fast alle Einwohner von Wiesenbronn, die gekommen waren, ebenso die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (CSU), Winzer Anton Hell, Kerstin Büttner vom Rotwein-Hotel oder Kerstin und Martin Adler. Sie interessierten sich für eine Beratung, was sie tun können, um die Lebensgrundlagen von Fledermäusen zu schützen.

 

Fledermäuse leiden unter Wohnungsnot

 

Die Landschaft ist relativ kleinteilig, die Tallage, in der sich die Wärme staut und die Insekten tanzen, die Gewässer und Streuobst - das sind schon sehr günstige Parameter für Fledermäuse, sagt Söder der das Fledermausprojekt für den Landschaftspflegeverband betreut. Allerdings herrscht auch unter ihnen zunehmend Wohnungsnot wegen hermetisch abgedichteter Gebäude. Gesucht werden kühle Keller für das Winterquartier und für das Sommerquartier warme Unterschlupfe im Dach und an Fassaden, hinter offenen Fensterläden beispielsweise.

So finden Fledermäuse auf der Blühwiese an der Straße nach Rödelsee wohl eine Insektenmahlzeit. Die im Jahr 2014 gebaute Scheune des Demeter-Weingutes von Anton Hell taugt jedoch nicht als Unterkunft – noch nicht. Mangels Schlupflöcher sollen Fledermauskästen an den Dachkanten entlang für Ersatzquartiere sorgen. Es wird ein Bauprojekt mit dem Enkel zusammen werden, sagt Hell, der zumindest die Spitzzeilen im Weinberg schon vor Jahren zu Blühstreifen umfunktioniert hat – unter anderem um Nützlinge, wie Schlupfwespen und Florfliegen, für die bio-dynamische Bewirtschaftung der Weinberge zu fördern.

 

Im Zweifelsfall haben die Äpfel Vorrang

 

Gutes Futter bedeutet das auch für die Flattertiere, die man sich immer viel größer vorstellt, als sie tatsächlich sind. Öffnungen in Briefschlitzgröße reichen diesen zum Unterschlupfen. Für Mäuse allerdings auch, weshalb Familie Adler abwägte, und sich zugunsten ihrer Äpfel entschied, die im Gewölbekeller lagern: Die Tür ist dicht. Aber sie möchten dennoch sehen, wo und wie sie den Fledermäusen helfen können.

leiches treibt den Bauherrn Friedrich Köhler an, der gerade ein Holzhaus plant, bei dem Altes neu gedacht werden soll. Spezielle Baumodule, unter anderem für Steingewölbe oder auch Unterputz-Einbaukästen konnte Söder außer den hölzernen Fledermauskästen empfehlen. Ein paar Quadratmeter der Blühpflanzenmischung, die speziell Nachtfalter anzieht und damit Fledermäuse ernährt, ließen sich vielerorts noch unterbringen. Tipps, wie den Garten Hoctus nocte im Mainbernheimer Stadtgraben, und Broschüren des Landesamtes für Umwelt zu den Arten, deren Bedürfnissen und Möglichkeiten der Hilfe, gab es zum Nachlesen.

 

Im Landkreis leben mindestens 18 Fledermausarten

 

Mysteriös wird bleiben, wo sich Zwerg- und Breitflügelfledermaus als klassische Dorfbewohner gerade aufhalten und Quartier haben. Je nachdem, um welche Fledermausart es sich handelt, wechselt diese ihr Quartier oft, oder die Tiere sind nachts kilometerweit unterwegs. 18 Fledermausarten sind für den Landkreis Kitzingen nachgewiesen und damit ein erstaunlicher, aber für die Zukunft nicht selbstverständlicher Artenreichtum, falls Unterschlupfe oder Futter fehlen. Fledermausfreundliche Anwesen im Landkreis tragen Plaketten; Kitzingen ist bayernweit der Landkreis mit den meisten Plaketten.

Für die Begehung in Wiesenbronn hatte Einwohner Volkhard Warmdt die Interessenten zu einem dreistündigen Rundgang organisiert. Mit einem solchen Koordinator vor Ort, so schien es Söder im Resümee dieses ersten Rundgangs dieser Art, sei es eine sehr effektive und gewinnbringende Beratungsform, die auch ihn mit seinen Erkenntnissen über die Flattertiere weiterbringt. Das ist gut auch für andere Orte denkbar, sagte Söder. Interessieren würden ihn jetzt vor allem noch der Kirchturm als klassisches Quartier, oder  das Rathausdach – große, warme Dachböden, auf denen die Jungtiere fliegen lernen.

 

Die Bürgermeisterin soll für die Sache gewonnen werden

 

Bürgermeisterin Doris Paul, die verhindert war, möchte er noch einmal zu den Aspekten gemeindlichen Grünflächenmanagements und der Straßenbeleuchtung ansprechen. Auch das helfe, den Lebensraum für Fledermäuse zu erhalten.

Die Webseite  www.naturgeflatter.de  des Kitzingers Christian Söder informiert über Fledermäuse im Landkreis Kitzingen, über Natur in der Stadt oder auf dem Land sowie zu Faltern bei Tag und bei Nacht.



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