LANDKREIS KT/SOMMERHAUSEN

Ein Festmahl für die Familie

Bockwurst mit Kartoffelsalat! Bei jedem vierten Deutschen kommt dieser Klassiker an Heiligabend auf die Teller. Bei älteren Menschen ab 55 Jahren sind es laut dem Londoner Meinungsforschungsinstitut YouGov sogar 31 Prozent, die das Gericht am 24. Dezember auswählen.
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Gebratene Ente mit Kndel und balukraut
Lecker: Ein Entenbraten kommt in diesem Jahr beim Sternekoch Michael Philipp auf den Tisch. Die meisten Deutschen essen an Heiligabend allerdings Bockwurst mit Kartoffelsalat. Foto: Foto: privat
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„Auch dieses Essen hat seine Berechtigung“, sagt Sternekoch Michael Philipp aus Sommerhausen. Jeder solle an Heiligabend das kochen, was er möchte. Allerdings findet der Profi, dass man zu bestimmten Anlässen wie Weihnachten oder Ostern „etwas mehr tun könnte“. Bei den Philipps kommt deshalb an Heiligabend immer ein Festessen auf den Tisch. „Das hat bei uns in der Familie Tradition. Ich habe das von meiner Oma und meiner Mutter gelernt.“

Und so steht Philipp Jahr für Jahr am 24. Dezember höchstpersönlich in der heimischen Küche und bereitet für die anreisende Verwandtschaft ein Festmahl zu. „Das gehört für mich genauso dazu wie gute Gespräche, der Kirchenbesuch und die Bescherung mit den Kindern.“ Heuer hat sich die Familie unter anderem für ein Rinderfilet entschieden. Der unterfränkische Koch, unter anderem im Guide Michelin mit einem Stern dekoriert, rät generell, an den Festtagen auf Altbewährtes zu setzen. „Wer nicht häufig kocht, sollte Weihnachten den Kochlöffel nicht übermäßig ausgefallen schwingen. Das kann den Abend auch kaputt machen.“ Philipp empfiehlt deshalb, Gerichte zu kochen, „die man kennt, die einem gefallen und schmecken“.

Für den engen Familienkreis ist diese Empfehlung sicher richtig. Doch was tun, wenn ein paar Dutzend Menschen an Heiligabend versorgt werden müssen? Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschmäckern. Jennifer Werner ist beim Bayerischen Roten Kreuz für das Essen auf Rädern zuständig. 30 bis 40 „Tischgäste“ werden täglich mit einem warmen Essen versorgt. An Weihnachten sucht Werner etwas Besonderes aus dem Angebot des Lieferanten heraus. Entenkeule mit Bratensauce, Rosenkohl und Kartoffelklößen werden es in diesem Jahr sein. „Unsere Tischgäste freuen sich, wenn es etwas Spezielles gibt“, sagt sie.

Ungefähr 200 Mahlzeiten werden Tag für Tag in der Küche im Haus der Pflege in Sickershausen zubereitet. Die 79 Bewohner des Seniorenheimes profitieren davon genauso wie die Bewohner in der Siedlung und in Sickershausen, die sich das Essen auf Rädern dort bestellt haben. „Unsere Heimbewohner und der Heimbeirat können Vorschläge machen, was es an besonderen Festtagen gibt“, erklärt der Leiter des Hauses, Helmut Witt. Nur mit dem Gänsebraten wird es nichts. „Das ist in dieser Stückzahl einfach nicht möglich“, bedauert er. In diesem Jahr ist die Wahl beim Mittagessen auf Hirschgulasch mit Spätzle und Salat gefallen. Zum Abendessen werden Bratwurst mit Kartoffelsalat serviert.

Traditionell isst Landrätin Tamara Bischof an Heiligabend. „Wie bei vielen Familien gibt es bei uns seit Jahren am ein einfaches Essen, nämlich Wiener mit Kartoffelsalat und Feldsalat.“ Dafür gibt es am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag Wild und Geflügel. Kitzingens Oberbürgermeister Siegfried Müller und seine Frau sind Heiligabend bei ihrem Sohn eingeladen. Dort gibt es Ente oder Gans. Am zweiten Weihnachtsfeiertag treffen sich dann alle Familienmitglieder. Beim „Müllertreffen“ werden 42 Gäste in einem Restaurant erwartet.

Eine ganz andere Idee setzt Ursula Ixmeier seit mehr als 20 Jahren in die Tat um. Die Leiterin des Hauses für Kinder in Markt Einersheim hat neben den eigenen Kindern immer sechs Pflegekinder zu verköstigen. 15 bis 16 Personen sitzen an Heiligabend immer bei ihr am Tisch. Ihre Lösung: Am ersten Advent darf sich jeder zwei Dinge aussuchen, die es am Weihnachtsbuffet geben wird. Von Lachscreme über Kartoffelsalat bis hin zu Ofenkäse reicht die Liste. Am Vormittag des Heiligabends wird das Buffet gemeinsam erstellt. „Und die nächsten zwei Tage haben wir immer genug leckere Reste“, sagt Ursula Ixmeier und lacht.

Würstchen – der Klassiker

Auf der Facebookseite von inFranken.de wurde über das perfekte Menü bereits ausgiebig diskutiert. Viele verteidigen den Klassiker „Kartoffelsalat mit Würstchen“. Ein Leser verweist hier auf die Tradition. „Heiligabend ist der letzte Fastentag. Deshalb wird auch erst am 1. Weihnachtsfeiertag geschlemmt.“ Natürlich preisen die Franken auch andere Gerichte an. Unter anderem kommen Karpfen, Gans, Schäufele oder Ente auf die Teller. Andere sind seit Jahren große Fans von Fondue oder Raclette. „Da muss keiner ewig in der Küche stehen“, begründet eine Leserin.

Auch wenn sich Michael Philipp an Heiligabend nicht für den Heiligabend-Klassiker begeistern kann, möchte der Sternekoch den Franken das Gericht keineswegs ausreden. Einen Appell hat er aber doch: „Den Kartoffelsalat frisch zubereiten.“

Lieblingsessen: Schicken Sie uns ihr persönliches Lieblingsrezept an folgende Adresse: leserreporter@infranken.de. Die besten Rezepte werden auf infranken.de veröffentlicht.

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Rezept vom Sternekoch

Michael Philipp empfiehlt für den Heiligen Abend ein Menü, das am Tag selber relativ wenig Zeit für die Köchin beansprucht.

Hauptgang Eine Ente am Vortag komplett würzen. „Neben Salz und Pfeffer kann man Äpfel, Zwiebeln und Beifuß nehmen.“ Dann die Ente komplett und fest in Klarsichtfolie einwickeln. Das Fleisch bei 70 Grad im Backofen über Nacht elf Stunden garen. Anschließend erkalten lassen.„Dann ist der Fleischsaft fest und bietet eine tolle Soßengrundlage.“ Die Ente an Heiligabend bei 180 Grad zirka 20 Minuten grillen. „Dann ist die Haut schön kross.“ Dazu passen Selleriepüree, Rotkraut und Klöße.

Zwischengang Als Zwischengang empfiehlt Michael Philipp etwas Leichtes. „Weil das Hauptgericht ja schon relativ mächtig ist.“ Der Sternekoch nennt beispielsweise einen Feldsalat mit Speckdressing als mögliche Alternative.

Dessert „Auch die Nachspeise kann man frühzeitig vorbereiten, damit man Heiligabend weniger Stress hat.“ Philipp empfiehlt zum Beispiel Panna cotta mit einem weihnachtlichen Lebkuchengewürz. „Zubereiten, in Gläser füllen und kalt stellen.“

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