KITZINGEN

Ein Fest für Kuschelbären auf vier Pfoten

Medo ist noch jung. Wenn er endlich aus seiner Gitterbox darf, dann freut er sich unbändig und macht gern auch mal einen Luftsprung. Da Medo ein Bernhardiner ist, sieht das ganz schön gewaltig aus. Evi Hanft erschreckt Medos ungestümme Freude kein bisschen. Die erfahrene Tierfreundin streicht dem Vierbeiner durchs weiche Fell und sagt: „So ein schönes Tier. Ich hoffe, jemand verliebt sich in ihn und gibt ihm ein gutes Zuhause; er ist ein Kuschelbär und in seinem Alter auch noch sehr lernfähig.“
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Ein Herz für herrenlose Hunde und Katzen: Evi Hanft hilft mehrmals pro Woche im Kitzinger Tierheim. Zum Herbstfest hat sie eine große Tombola organisiert, deren Erlös der Pflege der Tierheim-Bewohner – darunter Bernhardiner Medo – zugute kommt. Foto: Fotos (2): Diana Fuchs
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Medo ist noch jung. Wenn er endlich aus seiner Gitterbox darf, dann freut er sich unbändig und macht gern auch mal einen Luftsprung. Da Medo ein Bernhardiner ist, sieht das ganz schön gewaltig aus. Evi Hanft erschreckt Medos ungestümme Freude kein bisschen. Die erfahrene Tierfreundin streicht dem Vierbeiner durchs weiche Fell und sagt: „So ein schönes Tier. Ich hoffe, jemand verliebt sich in ihn und gibt ihm ein gutes Zuhause; er ist ein Kuschelbär und in seinem Alter auch noch sehr lernfähig.“

Für Medo und alle anderen „Insassen“ des Tierheims hat Evi Hanft im vergangenen Vierteljahr besonders viel Zeit investiert. Die 47-Jährige, die auf einem Bauernhof in Kitzingen aufgewachsen ist, hat von jeher ein Herz für Tiere. Und da ihr Lebensgefährte im Kitzinger Tierheim arbeitet, engagiert auch sie sich seit Jahren für die heimatlosen Hunde und Katzen. Sie zieht Katzenbabys mit der Flasche auf und leert wöchentlich die Futterspenden-Boxen im E-Center, Kaufland, Futterhaus und Fressnapf – ehrenamtlich natürlich. Vor dem großen Herbstfest des Tierheims hat sie noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie organisiert eine Tombola, die sich sehen lassen kann und die fürs Tierheim eine wichtige Finanzspritze ist.

„Auch Kinder engagieren sich für herrenlose Tiere. Das ist doch toll!“
Iris von Crailsheim, Tierfreundin

„Bis man jedes Unternehmen anruft, sich durchfragt und die Zuständigen mehr oder weniger anbettelt, vergeht schon viel Zeit. Hat man dann eine Zusage, müssen die Spenden abgeholt werden.“ Evi Hanft, die mittlerweile in Mainstockheim wohnt, ist seit zwei, drei Monaten im ganzen Landkreis unterwegs. „Das hat sich so entwickelt.“ In den vergangenen Jahren ist die Tombola immer größer geworden, Evi Hanft hat immer mehr Spender akquirieren können.

„Ich mache das gern“, sagt sie, „auch wenn man sich manchmal so einiges anhören muss, was mit dem Tierheim gar nichts zu tun hat“. Dass manche Hundebesitzer ihre Tiere überall hinmachen lassen, zum Beispiel. Oder dass fremde Katzen durch den Garten streunen. „Mit Tieren hat halt fast jeder mal ein Erlebnis.“ Es komme auch viel Positives zur Sprache. „Manche Leute machen mir Mut und erklären, dass sie solchen Einsatz zugunsten des Tierheims gut finden.“

Tatsächlich war die Finanzierung des Heims am Kitzinger Ortsrand Richtung Kaltensondheim in der Vergangenheit mehrmals gefährdet. Umso mehr freuen sich Tierheimleitung und Tierschutzverein über private, ehrenamtliche Dienste wie diejenigen von Evi Hanft. „Ohne solche Menschen, uneigennützige Helfer wie auch die regelmäßigen Gassigänger, ginge es nicht“, stellt Iris von Crailsheim vom Vorstand des Tierschutzvereins fest.

Geschwister bringen Spardose

Besonders froh macht es die langjährige Tierschützerin, dass immer wieder Menschen ins Tierheim kommen, die sich zum Beispiel zum Geburtstag Geld gewünscht haben und dieses Geld nun fürs Wohl der Tierheim-Bewohner spenden. „Auch Kinder engagieren sich für herrenlose Tiere“, stellt von Crailsheim und erzählt, dass erst vor wenigen Tagen die zwölfjährige Lavanya Oppenländer und ihr zehnjähriger Bruder Liam den Inhalt ihrer Spardose brachten – 61,40 Euro waren darin, der Erlös aus dem Verkauf von Spielsachen und Büchern auf dem Flohmarkt. „Das ist doch toll!“, ist Iris von Crailsheim begeistert.

Beeindruckend ist auch Evi Hanfts Leistung. Sie hat es geschafft, 2000 Preise für die Tombola aufzutreiben – vom Handy über Deko-Artikel, Blumenstöcke, Wein und Gastronomie-Gutscheine bis hin zu Freikarten fürs Dettelbacher Schwimmbad. Den gesamten Erlös aus dem Los-Verkauf wird das Tierheim-Team für seine Schützlinge verwenden: für Medo, Dutzende andere Hunde, einige Katzen – und auch für das noch namenlose Katzenbaby, das Evi Hanft mit der Flasche aufgezogen hat und das Anfang der Woche erstmals feste Nahrung zu sich genommen hat.

Ein neues Zuhause?

Evi Hanft weiß, dass eine ordentliche Pflege der Vierbeiner viel Geld kostet. Aber nicht nur deshalb hofft sie, dass Medo & Co. nicht mehr allzu lange in der Obhut des Tierheim-Teams bleiben. Vielmehr gönnt sie jedem der Hunde und Katzen, Hasen und Meerschweinchen, dass sie eine richtige Familie finden, in der sie einen festen Platz einnehmen können. „Das ist einfach das Allerbeste und immer unser Ziel. Vielleicht bahnt sich für manchen unserer Schützlinge beim Herbstfest am Sonntag ja ein neues Zuhause an.“

Das Programm:

Wann: Am Sonntag, 28. September, findet das Herbstfest des Kitzinger Tierheims statt. Von 12 bis 17 Uhr sind Groß und Klein auf das Tierheimgelände am Ortsausgang Richtung Kaltensondheim eingeladen. Programm: Im Tierheim Kitzingen ist kaum eine Box frei – Dutzende ausgesetzte oder wegen Überforderung beziehungsweise Tod des Herrchens abgegebene Hunde, Katzen und Kleintieren leben hier. Ihrer Pflege kommt der Reinerlös des Herbstfestes zugute. Die Mitglieder des Tierschutzvereins und viele ehrenamtliche Helfer sorgen für eine reich bestückte Kaffeetafel und für Leckereien vom Grillstand. Zudem gibt es eine große Tombola. Gefeiert wird bei jedem Wetter. *ldk*

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