Fahr
Wahl

Ein Fall für die Königin

Melanie Dietrich hat sich gut vorbereitet. Heute will sie ins Finale zur Wahl der Deutschen Weinkönigin einziehen. Ihre Fans aus Fahr begleiten sie. Nur die Trompete bleibt zu Hause.
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Zusammen mit Mari und Tobi wirbt Melanie Dietrich in China für den Frankenwein.
Zusammen mit Mari und Tobi wirbt Melanie Dietrich in China für den Frankenwein.
13 junge Frauen verfolgen heute in Neustadt an der Weinstraße das gleiche Ziel: Ein Jahr die Krone der Deutschen Weinkönigin tragen. Melanie Dietrich aus Fahr scheint das immense öffentliche Interesse wenig auszumachen. Sie lacht und scherzt im Gespräch mit dieser Zeitung, weiß aber doch: "Während der Fachprüfung kann die Aufregung natürlich auch eine Rolle spielen."

Besonders aufregend war die Wahl Dietrichs zur Fränkischen Weinkönigin nicht gerade. Die fand nämlich gar nicht statt. Im März gab der Fränkische Weinbauverband bekannt, dass sich nur eine Bewerberin für das Amt angemeldet hatte: Die 21-Jährige aus Fahr. In Neustadt präsentiert sie sich deshalb auch zum ersten Mal einer großen Jury bei einer öffentlichen Veranstaltung. Ein Nachteil? Melanie Dietrichs Antwort kommt spontan und beschwingt: "Ich werde das ganze Jahr über befragt und stehe im Mittelpunkt", sagt sie. "Da ist das bestimmt kein Nachteil."

Ab 15 Uhr öffnen sich die Türen des Saalbaus für die Zuschauer, um 15.45 Uhr beginnt die Vorentscheidung. Melanie Dietrich muss lange auf ihren Auftritt warten. Sie ist erst als zehnte an der Reihe. "Ich darf die Kandidatinnen vor mir nicht beobachten", erzählt sie. Aber das will sie auch gar nicht. "Das würde nur meine Konzentration stören."

Die besten sechs Weinköniginnen aus den 13 Anbaugebieten kommen ins Finale am 29. September an gleicher Stelle.
"Es ist schon eine große Leistung, diese erste Hürde zu nehmen", sagt der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann. Er muss es wissen, war er doch schon etliche Male in Neustadt dabei. Die Chancen von Melanie Dietrich, diese Hürde zu nehmen, schätzt er als gut ein. "Sie hat sich als Fränkische Weinkönigin sehr gut gemacht und kommt bei den Menschen an." Ihre Vorteile? Steinmann beschreibt sie als kontaktfreudig, offenherzig und unbefangen. "Sie kann sehr emotional sein und geht auf die Menschen zu."

An diesem Samstag wird aber erst einmal die fachliche Kompetenz der Bewerberinnen geprüft. Schon im Juli hat Melanie Dietrich mit den Vorbereitungen angefangen. Sie hat Weinbücher gelesen, die Unterlagen vom Deutschen Weininstitut studiert und Kontakt zu hiesigen Fachleuten wie Hermann Mengler und Gabriele Brendel aufgenommen. "Ich habe das Gefühl, dass ich mich gut vorbereitet habe", sagt sie. "Aber bei manchen Themen muss ich schon noch kurz überlegen."

Seit fast einem halben Jahr wirbt die Mathematik- und Physikstudentin, die ihr Studium für ein Jahr unterbrochen hat, für den Frankenwein. Und das weltweit. Kürzlich war sie zum zweiten Mal in China. Nach einem Aufenthalt in Shanghai im Mai ging es jetzt für zehn Tage nach Guiyang in der Provinz Guizhou im Südwesten des Landes. "Im Vergleich zu Shanghai ein kleines Dorf", erzählt Dietrich und muss bei der Frage nach der Einwohnerzahl selbst lachen. Vier Millionen Menschen leben in Guiyang. Gastfreundliche und kontaktfreudige Menschen, die gar nicht glauben konnten, dass die groß gewachsene Frau mit der Krone auf ihrem Haupt aus einem 600-Seelen-Ort kommt. "So viele Menschen wohnen in Guiyang in einem einzigen Hochhaus", erzählt sie. Der Frankenwein firmiert dort als "Bayerischer Wein" und Bayern ist für die meisten Chinesen gleichbedeutend mit Qualität. "Wegen den Autoherstellern und dem FC Bayern", erzählt die 21-Jährige.

Die erste Runde überstehen und dann das Finale genießen. So lautet der Plan der Fahrer Weinkönigin. Auf Unterstützung aus ihrem Heimatort kann sie auch in Neustadt an der Weinstraße setzen. Der Fanbus mit 60 Plätzen war schnell ausgebucht, wie der Ortsvereinsvorsitzende Thomas Braun berichtet. 60 Fahrer werden mit eigens hergestellten Fanartikeln in einem Bus mit dem Konterfei von Melanie die Reise antreten. Abfahrt: 6 Uhr. Erster Stopp: Frühschoppen. "Damit wir auch locker werden", sagt Braun. All zu locker dürfen die Fans allerdings nicht sein, wenn sie in den Saalbau kommen. Braun hat eine Mail vom Veranstalter, dem Deutschen Weininstitut, erhalten, in dem klare Vorgaben gemacht werden: Keine Schlachtrufe, keine Trompeten. "Die Veranstaltung soll schließlich fair über die Runde gehen", zeigt Braun Verständnis.

Sollte Melanie Dietrich ins Finale kommen, werden ihr die heimischen Fans wieder nach Neustadt folgen. Thomas Braun hat schon Kontakt mit den anderen Anbaugebieten aufgenommen und einen Kartentausch für heute Abend organisiert. Wer ausscheidet stellt sein Kontingent den Finalisten zur Verfügung.

Weinbaupräsident Artur Steinmann würde der fränkischen Vertreterin den Sieg natürlich von Herzen gönnen. Noch lieber wäre ihm ein zweiter oder dritter Platz. "Als Deutsche Weinkönigin würde sie uns hier vor Ort fehlen", sagt er. "Als Deutsche Weinprinzessin könnte sie beide Ämter miteinander verbinden."
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