Hellmitzheim

Ein Dorf mit goldener Zukunft

So schön wie Hellmitzheim ist aus Expertensicht kein anderes Dorf im Landkreis. Doch auch hier könnte es die nächste Zeit an einer Stelle Mängel geben.
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Lebendige Feuerwehrgeschichte
Auch im strömenden Regen zeigten sich voriges Jahr bei der Ortsbegehung der Bewertungskommission die Qualitäten Hellmitzheims. Jetzt will das Dorf auch den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewinnen.

Wer an diesem Abend mit dem Auto nach Hellmitzheim kommt, dem bleibt der Zauber dieses Ortes weitgehend verborgen. Im Dunkeln liegen die vielen schön gestalteten Anwesen, die hübsch hergerichteten Plätze, die netten Nischen und Ecken. „Gold-Dorf“ darf sich der Flecken seit letzten Oktober nennen, weil er beim Bezirkswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ eine Goldmedaille gewonnen hat. Bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend erinnern noch einmal ein paar Bilder an den Besuch der Jury im strömenden Regen. Und Iphofens Bürgermeister Josef Mend versichert den etwa 50 Hellmitzheimern im Saal: „Wenn Sie sich nicht so engagiert hätten, hätten Sie auch nicht gewonnen.“

Schon wieder Aufbruchstimmung

Es ist jetzt bereits ein großer Erfolg für den 378-Seelen-Ort, aber das Dorf steckt schon wieder in Aufbruchstimmung, denn Mitte Juni geht es zurück in die Zukunft: Beim Landeswettbewerb wird Hellmitzheim erneut um Gold kämpfen. Und danach geht es ja noch ums Ganze – um den Sieg im Bund. „Wir wollen nach Berlin“, ruft zweiter Bürgermeister Ludwig Weigand, ein Hellmitzheimer und einer der treibenden Kräfte in dieser Sache, seinen Mitbürgern zu. Auf den Bildern, die Mend an die Leinwand projiziert, bekommt man eine Ahnung von den Qualitäten des Dorfes. „Den Wettbewerb“, sagt er, „gewinnt man nicht mit englischem Rasen.“ Es brauche eine „gewachsene natürliche Begrünung“.

Dass der Bürgermeister den Abend mit diesem Thema aufmacht, zeigt, dass er diesmal „nichts politisch Schwerwiegendes“ auf der Agenda stehen hat. Hellmitzheim, das ist über die Jahre immer ein Selbstläufer gewesen für ihn und die Stadt. Die Dorfgemeinschaft ist intakt, die Probleme sind überschaubar, leer stehende, gar verfallene Gebäude und Gehöfte gibt es nicht. Die Stadt selbst hat an prominenter Stelle im Altort das ehemalige Jägerhaus saniert. Von den 600 000 Euro Baukosten trägt 450 000 Euro der Freistaat, die Stadt verpflichtet sich dafür, das Haus mindestens sieben Jahre an anerkannte Asylsuchende zu vermieten. Seit kurzem wohnt dort eine afghanische Flüchtlingsfamilie. Die Integration läuft eher schleppend, aber auch das werde Hellmitzheim hinbekommen, erklärt Mend.

Erst wer investiert, schafft Werte

Für den Bürgermeister ist die Sanierung in jedem Fall ein „vernünftiger Schritt“, so wie die Renovierung des Bürgerhauses in den 1990er Jahren. Es sind aus seiner Sicht nur zwei Beispiele dafür, dass Hausbesitzer einem Irrtum erlägen, wenn sie glaubten, ihre alte Immobilie sei viel Geld wert. „Ein altes Haus ist nichts anderes als ein Bauplatz.“ Erst wer in die marode Bausubstanz investiere, schaffe auf Dauer einen Wert. Das durfte als Hinweis an all jene gedeutet werden, die ihre Scheunen und Anwesen lieber auf Jahre leer stehen lassen, als sie dem Markt zur Verfügung zu stellen.

In Hellmitzheim ist der Kampf um Bauland noch nicht offen ausgebrochen. Hier und da gibt es Bedarf, aber keinen Boom wie in Iphofen. Günter Brehm spricht das Thema trotzdem an. „Warum macht man nicht einfach den Adelsberg weg und Bauplätze draus?“, fragt er. „Wenn der Berg dort abgetragen ist, gibt das eine ebene Fläche und ein schönes Baugebiet. „Puh“, schnauft Mend. Er sieht die Probleme und bringt sie mit einem Ver-gleich auf den Punkt. „Das ist ja fast wie die Seilbahn in Rödelsee.“ Die Stadt müsse Baugebiete so erschließen, dass sie bezahlbar seien für die Bürger. Das werde an dieser Stelle schwierig. Kürzlich ist dort die Erde eingebrochen, ein Krater entstanden, zwei Meter breit und sechs Meter tief. Die Bodenverhältnisse sind instabil. Außerdem erwarte er „erheblichen Widerstand vom Naturschutz“, etwa wegen der Streuobstwiesen, und Lärmprobleme durch die nahe Bahntrasse.

Stadtrat will über Bauland beraten

Mend stellt an diesem Abend immerhin in Aussicht: „Wenn die Nachfrage nach Bauland da ist, werden wir das im Stadtrat diskutieren.“ Acht bis zehn Bauplätze am Adelsberg hält er für möglich, zwei seien sofort verfügbar. Aber eigentlich spekuliere man eher auf einzelne Grundstücke am Ortsrand, auf denen derzeit noch Scheunen stehen. Für Wolfgang Schneider stellt sich die Frage, ob es nicht möglich sei, Bauplätze nur für Hellmitzheimer auszuweisen, sonst gebe es eines Tages wieder keine Grundstücke mehr für junge Familien aus dem Ort. Keine Sorge, beruhigt der Bürgermeister, ein „kleineres Baugebiet“ könne man immer erschließen – jetzt, da dem Dorf eine goldene Zukunft blüht.

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