MÖNCHSONDHEIM

Ein Dorf feiert sein Museum

Das Mönchsondheimer Kirchenburgmuseum ist fertig saniert und wurde mit einem großen Fest gefeiert. Eine drei Jahre andauernde Baustelle mit ein paar Überraschungen nimmt ihr Ende.
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Gemütlich: Unter den Linden des Marktplatzes des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim spielten die Altmannshäuser Musikanten für die zahlreichen einheimischen und auswärtigen Gäste, die den Abschluss der Sanierung des Kirchenburgmuseums feierten. Foto: Fotos: timo Lechner

„Mönchsondheim ist kein Museumsdorf, sondern ein Dorf mit Museum“, rief Gerhard Heubach, Ortssprecher des Iphöfer Stadtteils, am Sonntag bei der Feier anlässlich des Abschlusses der Sanierung den vielen Gästen zu. Und erntete dafür wohl den meisten Beifall. Denn auch wenn deutlich wurde, wie eng verbunden die Mönchsondheimer mit ihrer Kirchenburg und der musealen Nutzung der alten Räume sind – es sind eben immer noch die Menschen drumherum, die den Lern- und Schauort ausmachen.

Auch wenn 40 Jahre nach der Gründung des Museumsvereins und der Übertragung der 26 Eigentumsrechte an die Stadt Iphofen mit dem Landkreis Kitzingen und dem Bezirk Unterfranken noch weitere externe Träger mit hinzu gekommen sind, ohne die das Museum aber auch anno 2015 nicht so dastünde.

Was im Mai 2012 mit dem ersten von drei Bauabschnitten in den Gaden mit südwestlicher Ringmauer begann, fand am Sonntag mit der Abschlussfeier der Sanierung sein fröhliches Ende. Freie Getränke, Schnitzel und Sauerbraten für die Bevölkerung und Ehrengäste, Kaiserwetter und Führungen durch die Ausstellungen: das Gesamtpaket passte einfach. Nicht nur, weil die Feier eine gelungene war, sondern auch, weil die Arbeiten an den Gebäuden sowie die Neukonzeption der Räume sichtbar geglückt sind.

Der Kostenaufwand betrug insgesamt zwei Millionen Euro, von denen alleine 1,4 Millionen Euro auf die denkmalgerechte Renovierung der Gaden entfallen.

Die Ausstellungsbereiche „Dörfliches Handwerk“ sowie „Weinbau in Franken“ wurden komplett neu gestaltet. Hinzugekommen sind die Bereiche „Das mainfränkische Dorf“ sowie „Ein feste Burg ist unser Gott – Aufkommen, Nutzung und Verbreitung von Kirchenburgen“.

Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1981 haben sich zwar die Themen nicht geändert, wohl aber die museumspädagogischen Ansichten und die Technik zu deren medialer Aufbereitung. So wurden im Handwerker- und Weinbaubereich Video- und Hörstationen eingerichtet. Ein „Table-Touch“ mit Verbreitungskarten und abrufbaren Bildern vertiefen die Eindrücke. Neue LED-Lichttechnik setzen die Objekte ins rechte Licht.

Die Neueinrichtung der Räume stand unter der Prämisse „Weniger ist mehr“. Es sind nicht mehr so viele Exponate zu finden, dafür aber hochwertige und ausdrucksstarke Gegenstände, die mit Bildern und Texten näher erläutert werden. Auch Leitfiguren gibt es, die in lebensgroßen Silhouetten immer wiederkehren. Der „Gerichtssenior“ steht für die öffentlichen Aufgaben und Ämter, die „Läutbuben“ weisen auf die Teilhabe von Kindern bei Festen, aber auch bei Pflichten im Dorfleben hin.

Den breitesten Raum nahmen nach drei Jahrzehnten Funktion als Bauern- und Handwerkermuseum natürlich die Sicherungsarbeiten am Mauerwerk, Bauteilreparaturen im Holzwerk, eine Umdeckung der Dächer mit Biberschwanz-Altziegeln sowie eine Überfassung von Holz- und Putzflächen ein. Eine „statisch-konstruktive Ertüchtigung“ nannte dies Architekt Matthias Wieser. Oberstes Ziel sei gewesen, die historische Bausubstanz weitgehend zu erhalten. Der überkommene archaische Gesamteindruck als wichtigstes Kapital der Kirchenburganlage konnte bewahrt werden.

Unter den vielen beteiligten Firmen erwähnte Wieser besonders die Zimmerei Hartmann aus Nenzenheim und deren Mitarbeiter Patrick Schreyer, der die vergangenen zweieinhalb Jahre nahezu pausenlos in der Kirchenburg im Einsatz war. Dieser erinnerte sich im Gespräch mit dieser Zeitung, dass beispielsweise das Heben des kleinen Kirchturmes eines der spannendsten Unterfangen seiner Arbeit gewesen sei: Mit speziellen Hebevorrichtungen, die bis zu 16 Tonnen tragen können, musste der Turm sicher angehoben und untermauert werden. Eine Gratwanderung.

Und wie es bei der Sanierung alter Bauten vorkommen kann, tauchten hie und da auch Überraschungen auf. So erwiesen sich von außen völlig intakte Balken als von innen verfault. Im Zuge der Arbeiten wurden zusätzliche Rettungswege geschaffen. Eine zentrale Brandmeldeanlage soll die Besucher im Brandfall schnell warnen. Beides kompensiert nunmehr die brandschutztechnischen Defizite des Baudenkmals.

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