OBERNBREIT

Ein Denkmal für die Hucklkätz

Er freute sich über das Geleistete und das Gelungene – und wüsste schon noch weitere Projekte. Obernbreits Bürgermeister Bernhard Brückner wusste aber auch, dass nun nach 37 Jahren Flurneuordnung und Dorferneuerung endgültig Schluss ist, schriftlich besiegelt mit einer Unterschrift vom Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Unterfranken, Ottmar Porzelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Original und Bronze: Die Bronzefiguren ähneln den Obernbreiter Hucklkätz Uschi Demel und Gertrud Reiß. In Obernbreit ist die Flurneuordnung und Dorferneuerung nach 37 Jahren endgültig abgeschlossen. Foto: Foto: G. Krämer
+1 Bild

Er freute sich über das Geleistete und das Gelungene – und wüsste schon noch weitere Projekte. Obernbreits Bürgermeister Bernhard Brückner wusste aber auch, dass nun nach 37 Jahren Flurneuordnung und Dorferneuerung endgültig Schluss ist, schriftlich besiegelt mit einer Unterschrift vom Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Unterfranken, Ottmar Porzelt.

Am Kirchweihsonntag feierten trotz Nieselregens zahlreiche Obernbreiter den Abschluss am und im Rathaus, wobei der Schwarzacher Künstler Theo Steinbrenner das von ihm geschaffene Bronzedenkmal der Hucklkätz mit Ziege enthüllen durfte. Die Ähnlichkeit zu den Obernbreiter Originalen, verkörpert durch Uschi Demel und Gertrud Reiß, ist nicht zu verleugnen. Die beiden Frauen waren diesmal nicht allein, begleiteten sie doch Sandra Machnik und der Hucklkätz-Nachwuchs Mia Morgan, Lilly Machnik, Alisa Winkler und Josephine Klauß.

Denkmal für Symbolfiguren

Dritte Bürgermeisterin Helga Scherer hatte die Idee gehabt, den Obernbreiter Symbolfiguren ein Denkmal zu setzen, lautet doch der Spitzname für die Obernbreiter eben „Hucklkätz“. Es ist aber auch die Bezeichnung für auf den Rücken getragene Weidenkörbe, mit denen Frauen früher losgezogen sind, um Futter für das Vieh zu sammeln.

Vieles, was in dem seit 1976 laufenden Projekt verwirklicht worden sei, sei vergessen worden und gehöre mittlerweile zum Alltag. „So soll es auch sein“, meinte Bürgermeister Bernhard Brückner und erinnerte nur an die Verbesserung der Verkehrsführung. Die Investitionen seien gut angelegt, betonte Brückner, was Ansporn sei, weiter an der Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten.

Der Neubau der A7 zwischen Biebelried und Martinsheim sei der Auslöser für die Flurbereinigung gewesen, um den Landverlust durch die Autobahn auf einen größeren Kreis von Grundstückseigentümern zu verteilen, erinnerte der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Eckehard Tschapke vom Amt für Ländliche Entwicklung. Geschaffen werden sollte aber auch ein zeitgemäßes Wirtschaftswegenetz. 1984 seien Überquerungen der Eisenbahntrasse geschaffen worden.

Zu Beginn der Achtzigerjahre sei das Verfahren Obernbreit 2 um die Dorferneuerung erweitert worden, um die Gemeinde in einen attraktiven und lebenswerten Ort zu verwandeln. „Die Kombination aus Flurneuordnung und Dorferneuerung war für Obernbreit ein großer Gewinn“, sagte Tschapke. 42 Projekte seien ins Auge gefasst worden, von denen viele verwirklicht worden seien. Zum Beispiel die Neugestaltung der Kirchgasse und der Schwarzenberger Straße, die Hochwasserfreilegung und die Erweiterung der Rathausbrücke, aber auch die Neugestaltung des Rathausplatzes und des Marktplatzes.

Meilensteine in der Dorferneuerung nannte Tschapke die Förderung des Umbaus und der Sanierung des Rathauses sowie die Förderung des Festplatzes und Generationenspielplatzes an der Pröschelwiese. Auch viele private Vorhaben seien gefördert worden.

Für Ottmar Porzelt ist nun eines der ältesten Dorferneuerungsverfahren abgeschlossen. „Die nachhaltige Entwicklung Obernbreits ist im Vordergrund gestanden“, erklärte der Amtsleiter, der wie Tschapke allen Mitwirkenden dankte, denn die Bürgerbeteiligung sei das Grundprinzip in der ländlichen Entwicklung.

Der lange Zeitraum ist für den örtlichen Beauftragten Leonhard Löther notwendig gewesen, um die große Gemarkung mit ihren acht Tälern und Hängen in besser bewirtschaftbare Flächen aufzuteilen und den Flächenverbrauch der Autobahn auszugleichen. Dies sei gelungen, schreibt er in der Dokumentation zum Verfahren.

Die Notwendigkeit solcher Verfahren für die Attraktivität eines Ortes und die Bereitstellung von ausreichend Geld für die Verwirklichung hoben stellvertretender Landrat Paul Streng und Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib in ihren Grußworten hervor.

Flurneuordnung und Dorferneuerung in Zahlen

Gebietsgröße: 942 Hektar (dabei Wässerndorf mit 50 Hektar, Marktbreit mit 19 und Tiefenstockheim mit 2)

Wege: 31 Kilometer ausgebaut; 1,7 Kilometer langer Verbindungsweg mit zwei Brücken ins Weinparadies

Heckenpflege: 6200 Meter

Baumpflanzung: 1200 Obstbäume

Grenzsteine: 7000 Stück

Private Förderung: 105 Anträge mit 2,8 Millionen Euro Ausführungskosten – 0,41 Millionen Euro gab es an Zuschüssen

Gesamtausgaben: 8,4 Millionen Euro (Flurneuordnung 4,1 Millionen Euro, Dorferneuerung 2,7 Millionen und Landerwerb 1,6 Millionen).

Gesamteinnahmen: 8,4 Millionen Euro (Eigenleistung der Teilnehmergemeinschaft: 1,3 Millionen Euro) Zuschüsse: 5,1 Millionen, Kostenbeteiligung Dritter: 1,4 Millionen (Gemeinde: eine Million Euro), Zuschüsse für Landerwerb: 0,6 Millionen

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.