Mainbernheim
Geburtstag

Ein Bild von einem Senior

Mit 98 Jahren noch auf den Hometrainer? Für Gottfried Kleinmann kein Problem. Der Mann weiß, wie man sich fit hält.
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Kaum zu glauben: Gottfried Kleinmann feierte gestern seinen 98. Geburtstag.  Fotos: mz
Kaum zu glauben: Gottfried Kleinmann feierte gestern seinen 98. Geburtstag. Fotos: mz
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Das passiert nicht alle Tage: Georg Gurrath, 2. Bürgermeister von Mainbernheim, gratulierte gestern dem ältesten männlichen Mainbernheimer mit einem Ständchen. Gottfried Kleinmann ist 98 Jahre alt geworden.
Erst vor sechs Jahren ist er seiner jüngsten Tochter, Dr. Verena Kleinmann, ins fränkische Markgrafenstädtchen gefolgt. Hier fühlte er sich sofort wohl. 50 Jahre lang hatte er in Wie-denbrück gelebt. "Man muss einen Sack Salz essen, bevor man in Westfalen Freundschaften schließen kann", meint Gottfried Kleinmann augenzwinkernd.
1915, mitten im Ersten Weltkrieg, war er in Bisingen, einem Dorf in der Schwäbischen Alb geboren. Während des Zweiten Weltkrieges kam er nach Ost-Berlin. Dort blieb er lange Jahre, lernte seine Frau Käthe kennen und dort kamen auch seine beiden Töchter zur Welt. Er war einer der Pioniere, die damals schon im Fahrzeugbau tätig waren.
"Für Junker und Schauspieler bauten wir Cabrios", erzählt er im Rückblick, "jedem nach seinem Geschmack." Doch bald spürte er den Wind, der in der aufstrebenden DDR wehte. "Das war nicht mein Ding." Noch vor dem Mauerbau zog er nach Westfalen.
Dort hatte er mit 60 Jahren die Malerei entdeckt. Ein Kurs bei der Vhs begeisterte ihn für die verschiedenen Techniken. Besonders Landschaftsbilder aus dem vertrauten Westfalen, aber auch von seinen Reisen in die Toskana und abstrakte Allegorien lockten seine Kreativität. Bald fand er sich mit seinem Freundeskreis zur "Gruppe Mahlwerk" zusammen. Sie hatten die Batenhorster Mühle hergerichtet und organisierten dort kleine Ausstellungen ihrer Werke. Gemeinsam gingen sie in die Natur hinaus und wenn sie ein geeignetes Motiv fanden, setzten sie sich hin und malten. "Und niemand dachte mehr an alltägliche Sorgen. Ich mochte dieses Gefühl der Selbstvergessenheit", erinnert sich der 98-Jährige. Heute ist Gottfried Kleinmann davon überzeugt, dass es die Malerei war, die ihn so alt werden ließ.
Wobei: Sein Alter ist ihm nicht anzusehen. Er hält auch viel von seiner Selbstständigkeit. Mit 90 Jahren hat er von seiner jüngsten Tochter noch das Kochen gelernt. Schwimmen, Spaziergänge, Treppensteigen: All das hatte ihm bis vor einem Jahr, trotz seiner künstlichen Hüfte, viel Freude bereitet. Ein Herzinfarkt im letzten Sommer bremste seine Aktivitäten - aber nur ein bisschen. Er setzt sich immer noch gerne auf den Hometrainer.
Ein spezielles Lesegerät vergrößert ihm die Buchstaben, sodass er alles lesen kann, was er möchte. Seine älteste Tochter, Monika Kleinmann, staunt jedes Mal. "Ich komme gar nicht so schnell mit, wie Papa die Zeilen hin und her schiebt." Seine Hände sind noch flink und wendig. Genau wie sein Geist, den er noch sehr in An-spruch nimmt. "Gejammert wird nicht", lautet seine Devise. Und mit Humor überspielt er all die täglichen Hindernisse in seinem Leben.
Bis vor einigen Jahren hatte er noch kleine Skulpturen aus Speckstein angefertigt. Seine Kreativität kann man heute in einer Vitrine bewundern. Besonders die aufwendigen Tierfi-guren sind beeindruckend. Für die schönen Bilder haben ihm seine Töchter eine Homepage eingerichtet: www.gottfried-kleinmann.net. Denn der Maler Gottfried Kleinmann möchte seine Bilder in die Welt hinaustragen. Er würde sich freuen, wenn er dadurch andere zum Malen motivieren könnte.


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