Südländische Lebensfreude sprüht förmlich aus den Augen von Giovanni Trovato und Maud Barret. Der Heiterkeit des 17-jährigen Schülers aus Turin und seiner 16-jährigen Schulkameradin aus Florenz kann nicht einmal die Großbaustelle im Ortszentrum von Stadtschwarzach, auf der sie gerade stehen, etwas anhaben. Giovanni und Maud sind zurzeit als Gästeschüler am Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach und am Donnerstagvormittag zu einem Empfang mit Bürgermeister Lothar Nagel (FCW) ins Lang-Haus gekommen.

Zum dritten Mal dabei


Giovanni und Maud sind schon 14 Tage im Fränkischen. "Die Menschen hier sind wahnsinnig nett", sagt Giovanni in perfektem Deutsch. Nicht einmal die Gewitter der vergangenen Tage konnten dem sympathischen Schüler etwas anhaben. "Bei uns zuhause ist das Wetter auch nicht besser", erzählt er von den klimatischen Verhältnissen in seiner Heimat. Giovanni ist bereits zum dritten Mal in Deutschland. Diesmal ist der Besuch etwas ganz besonderes, denn der Schüler aus Italien kann endlich seinen Onkel kennenlernen, der seit 40 Jahren in Würzburg lebt und arbeitet.
Giovanni gefiel es von Anfang an in Deutschland und auch Maud ist begeistert. "Hier auf dem Land ist es richtig ruhig", erzählt die junge Frau aus der italienischen Großstadt. Zusammen mit gleichaltrigen Schülern ein paar Wochen in einem anderen Land zu verbringen, ist für sie einmalig.
Möglich wurde das Zusammentreffen von 21 jungen Italienern und fünf tschechischen Schülern durch das sogenannte PAD-Programm (Pädagogischer Austauschdienst Bonn), ein Prämienprogramm für besonders hervorragende Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Seit 28 Jahren führt das Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach das hochkarätige Programm durch. Organisator Dr. Matthias Hessenauer freut sich über die engagierten Teilnehmer, die aufgrund ihrer guten Leistungen im Fach Deutsch in ihrer Heimat für das Stipendium vorgeschlagen wurden.

In Familien untergebracht


In Gastfamilien, in der Schule und im Unterricht werden die Gäste Jahr für Jahr herzlich aufgenommen. Giovanni hat eine Familie in Kitzingen gefunden, die ihn beherbergt. Maud ist in Großlangheim untergekommen. Beide sind von ihren Gastgebern begeistert. Der Gästeempfang hat in Schwarzach lange Tradition. Auch diesmal stellt Bürgermeister Nagel den jungen Besuchern die Großgemeinde Schwarzach in ihren touristischen, kulturellen und wirtschaftlichen Akzenten vor und betont die herausragende Rolle der Abtei Münsterschwarzach und den guten Ruf des Egbert-Gymnasiums, das ein umfangreiches Unterrichts- und Exkursionsprogramm über einen Zeitraum von knapp vier Wochen zusammenstellte. "Wir waren schon in München, Nürnberg, Bamberg und Würzburg", schildert Giovanni. Der von Hessenauer geplante Unterricht nimmt dabei auf die besonderen Anforderungen der Schüler Rücksicht. "Aspekte der deutschen Landeskunde und Zeugnisse der deutschen Literatur sind ebenfalls Gegenstand des Unterrichts", so Hessenauer. Ihm gefällt besonders, dass alle Schüler inzwischen zu einer Gruppe von Freunden zusammengewachsen sind, bei denen es eigentlich keine allzu wichtige Rolle spielt, ob man nun Tscheche oder Italiener ist. "Hauptsache ist, man versteht sich - und das nicht nur im rein sprachlichen Sinn."
Tagsüber zusammen zu arbeiten und am Abend gemeinsam Spaß zu haben finden Giovanni und Maud absolut super. "Die Atmosphäre ist einfach großartig", sagen beide im Einklang. Sie freuen sich schon auf die kommende Woche, in der die Hauptstadt Berlin auf dem Tour-Programm steht. Dabei werden sie auf den neuen italienischen Botschafter treffen.
Vielleicht singen Giovanni und Maud zusammen mit ihren Schulkollegen bei dem Empfang ein deutsches Lied, das man nach dem letzten Abendessen schon einmal ausgiebig geprobt hat. "Das war echt lustig", sagt Giovanni.