KITZINGEN

Ein Amerikaner macht Schule

Sie müssen schon genau hinhören, um alles zu verstehen. Aber genau das ist ja der Sinn und Zweck. Die Schüler der Beruflichen Oberschule haben es seit diesem Schuljahr mit einem „Native Speaker“ zu tun. Michael Berman kommt aus St. Louis im Bundesstaat Missouri. Wenn er spricht, sind die Schüler hoch konzentriert. Sie wollen kein Wort verpassen.
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Klasse: Michael Bernam aus St. Louis in den USA bringt den Schülern die amerikanische Sprache und Geschichte näher.
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Sie müssen schon genau hinhören, um alles zu verstehen. Aber genau das ist ja der Sinn und Zweck. Die Schüler der Beruflichen Oberschule haben es seit diesem Schuljahr mit einem „Native Speaker“ zu tun. Michael Berman kommt aus St. Louis im Bundesstaat Missouri. Wenn er spricht, sind die Schüler hoch konzentriert. Sie wollen kein Wort verpassen.

Seit vielen Jahren bemüht sich die Berufliche Oberschule um einen „Native Speaker“ – um jemanden, dessen Muttersprache Englisch ist. „Jetzt hat es endlich geklappt“, freut sich der Fachbetreuer Lars Wollschläger. Er weiß um die vielen Vorteile, die ein Muttersprachler in den Unterricht einbringt: „Die Schüler sind aufmerksamer und neugieriger, wenn Michael mit dabei ist. Sie fragen mehr und arbeiten noch ein wenig besser mit.“

22 Jahre jung ist Michael Berman. Gar nicht so viel älter als manche seiner Schüler. Fünf Stunden an der Beruflichen Oberschule, fünf Stunden am Armin-Knab-Gymnasium, zwei Stunden an der Berufsschule: Das ist sein Pensum an vier Arbeitstagen. An der High-School in St. Louis hat er Deutsch gelernt, später Deutsch und Biologie studiert. Im Zuge des Studiums war er schon einmal in Deutschland. Das Jahr in München hat ihn geprägt. Und es hat ihm gut gefallen. „Es war klar, dass ich noch einmal nach Deutschland kommen will“, sagt er.

Dank des pädagogischen Austauschdienstes ist das gelungen. Eigentlich ist Michael Berman als „Assistent“ eingestellt. Er soll den Englischlehrer in seiner Arbeit unterstützen. „Aber er macht das so gut, dass wir ihn auch problemlos vor die Klasse stellen können“, freut sich Wollschläger.

Und tatsächlich: Michael Berman steht vor der Klasse und kommuniziert mit den Schülern, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Und die 11- bis 19-Jährigen profitieren von den Einblicken in die amerikanische Sprache und Geschichte, die sie quasi aus erster Hand erhalten. Welche Bedeutung die amerikanische Flagge hat – und wie der Stolz auf die Nation gepflegt wird – wird den Schülern klar, wenn Michael Berman von seiner Schulzeit erzählt. „In jedem Klassenzimmer hängt eine US-Flagge“, berichtet er. „Und wehe, sie berührt den Boden.“ Jeden Morgen sprechen die Schüler im Chor den „pledge of allegiance“, ein Treue-Gelöbnis gegenüber der Flagge und damit der Nation. „Das ist schon ein wenig verrückt“, gesteht der Amerikaner. „Keiner denkt so richtig nach, was er da gerade sagt. Das wird einem erst später bewusst.“

Einen intensiven Einblick in den US-amerikanischen Alltag gewährt Michael Berman den deutschen Schülern. Und er kann sich in deren Lage gut hineinversetzen. „Ich weiß ja selber, wie es ist, eine Fremdsprache zu lernen.“ Der Englisch-Unterricht an den deutschen Schulen ist nach seiner ersten Einschätzung anspruchsvoller als der Deutsch-Unterricht an seiner High-School in St. Louis.

Dank Michael Berman wird der Unterricht in Kitzingen noch ein wenig lebendiger und zielgerichteter. „Unsere Schüler lernen die richtige Aussprache und tun sich später sicher leichter mit dem Verstehen, wenn sie selber mal in die USA reisen“, freut sich Wollschläger. Michael Berman profitiert ebenfalls von seinem Aufenthalt in Kitzingen. „Mein Deutsch wird besser“, sagt er. Und seine Kenntnisse in Landeskunde auch. „Fränkisch ist nicht immer leicht zu verstehen“, sagt er und lacht. „Aber immer noch leichter als bayerisch.“

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