KITZINGEN

Eigentlich völlig normal

In den Supermärkten gibt es schon Lebkuchen zu kaufen, in den Boutiquen werden Wintermäntel angeboten. Dabei sind wir mittendrin, im Ferienmonat August. Der hat bislang alles andere als Urlaubsgefühle geweckt. Und die Aussichten stehen nicht gerade auf einen Temperaturwechsel. Dennoch: Alles normal, sagen die Meteorologen. Und es gibt sogar eine ganze Reihe von Menschen, die sich über das Wetter im August 2014 freut.
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Mit Schal im Freibad: Schwimmmeisterin Verena Dambach öffnet auch bei schlechtem Wetter zwischen 9 und 11 sowie 18 und 20 Uhr die Pforten. Ein paar Unentwegte nutzen das Angebot. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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In den Supermärkten gibt es schon Lebkuchen zu kaufen, in den Boutiquen werden Wintermäntel angeboten. Dabei sind wir mittendrin, im Ferienmonat August. Der hat bislang alles andere als Urlaubsgefühle geweckt. Und die Aussichten stehen nicht gerade auf einen Temperaturwechsel. Dennoch: Alles normal, sagen die Meteorologen. Und es gibt sogar eine ganze Reihe von Menschen, die sich über das Wetter im August 2014 freut.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen zeichnet seit Jahren die wichtigsten Wetterdaten auf. Eine Wetterstation steht in Albertshofen. Und die beweist, was wir alle seit Anfang des Monats fühlen: Die Sonne hat sich rar gemacht. 149 Sonnenstunden sind bis zum 25. August zusammengekommen. Zum Vergleich: Im gesamten Juni waren es 291. Selbst der März dürfte besser abschneiden als der August. 192 Sonnenstunden sind in diesem März gezählt worden.

„Wenn die Trauben langsam reifen, dann ist das nur vorteilhaft.“
Artur Steinmann Weinbauverbands-Präsident

Und die Temperaturen? Die liegen gar nicht so weit unter dem Durchschnittswert. 17,4 Grad Celsius beträgt der Monatsmittelwert für den August 2014 – gerade einmal 0,6 Grad unter dem langjährigen Mittelwert. Eine Erklärung: Der Juli war mit 20,3 Grad deutlich wärmer als im langjährigen Mittel (plus 1,8 Grad). Der menschliche Körper hat sich an diese Bedingungen gewöhnt. Entsprechend kalt kommt ihm der August vor.

Was den Menschen irritiert, ist für viele Pflanzen genau richtig. Kai Fuchs, stellvertretender Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Main-Donau in Albertshofen, macht sich jedenfalls keine Sorgen. „Es läuft alles hervorragend, wir müssen keine Ware wegschmeißen.“ Ähnlich zufrieden äußert sich Christine Müller, Fachberaterin Gemüse am Amt für Landwirtschaft und Ernährung in Kitzingen. „Alle wärmeliebenden Kulturen wie Tomaten oder Zucchini sind in diesem Jahr super gewachsen.“ Die kühleren Temperaturen sind für viele Gemüseanbauer sogar ein Segen. „Der Schädlingsdruck ist damit überstanden“, sagt Müller. Auch die Gefahr, dass Bakterien die Kulturen angreifen, ist bei niedrigeren Temperaturen deutlich geringer.

Drei Grad wärmer als im langjährigen Mittel war es in den ersten vier Monaten des Jahres. Auch die Monate Mai, Juni und Juli lagen über dem Durchschnittswert. Entsprechend weit war die Vegetation. „Wir hatten 10 bis 14 Tage Vorsprung“, bestätigt der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann. Die aktuellen Temperaturen schaden den Trauben deshalb nicht. Im Gegenteil: „Das hält die Reife zurück und die Fruchtaromen können sich wunderbar ausbilden.“ Warme Tage und kühle Nächte sind für die Winzer im Moment genau richtig. Und wenn es nach Steinmann geht, kann das Wetter ruhig so bleiben. „Wenn die Trauben langsam reifen, dann ist das nur vorteilhaft.“

Ähnliches gilt für die Äpfel, bei denen die Erntezeit gerade begonnen hat. „Der Vegetationsvorsprung wird durch den kühlen August keinesfalls gestört“, sagt Thomas Riehl vom Gartenbauzentrum Bayern Nord. Im Gegenteil: Bei Temperaturen um die 30 Grad müssten sich die Obstbauern mit der Ernte beeilen, weil die Äpfel schnell reifen. „Bei den jetzigen Bedingungen färben sie schön aus“, freut sich Riehl.

Farbe musste in diesen Tagen auch der Einzelhandel bekennen. Der inoffizielle Sommerschlussverkauf ist so gut wie gelaufen, die Lager sind laut Michael Ziegler vom Einzelhandelsverband so gut wie leergeräumt. Jetzt liegt die Herbstkollektion in den Regalen aus. „Und dafür passt das Wetter doch eigentlich prima“, sagt Ziegler.

Birgit Grübler ist da ganz anderer Meinung. Wenn es nach ihr geht, dann kommt der Sommer noch einmal zurück. Und zwar schnell und mit aller Macht. Rund 40 000 Menschen sind bislang in dieser Saison ins Kitzinger Freibad gekommen. Minusrekord seit Grübler vor fünf Jahren die Betriebsleitung übernommen hat. Dabei war der Auftakt vielversprechend. Im Juni sonnten sich die Kitzinger gerne und zahlreich im Freibad. Jetzt zieht es nur noch Unentwegte wie Mechthild Flott auf die Mondseeinsel. Wenn zwei von drei Kriterien passen (Regenwahrscheinlichkeit unter 30 Prozent, Lufttemperatur über 20 Grad, positive Wetterprognose) ist das Freibad ganztägig geöffnet. Wenn nicht, öffnet es von 9 bis 11 Uhr und von 18 bis 20 Uhr. „Ein paar Dauergäste haben wir immer“, freut sich Schwimmmeisterin Verena Dambach. Die kommen vor oder nach der Arbeit, so wie die Mainbernheimerin Flott. „Wenn man sich mal aufgerafft hat, dann tut es richtig gut“, sagt sie. Selbst der Regen kann sie nicht abhalten. „Unangenehm ist eigentlich nur ein kalter Wind.“

„Unangenehm ist eigentlich nur ein kalter Wind.“
Mechthild Flott Stammgast im Freibad

19,6 Grad hat die Wassertemperatur aktuell. Viel wärmer wird es nicht mehr werden, vermutet Dambach. Für Stammgast Wolfgang Geldner ist die Saison damit so gut wie gelaufen. Bis 20 Grad dreht er jeden Morgen seine Runden. „Aktuell ist es mir doch ein wenig zu kalt.“ Am 14. September wird die Saison im Freibad enden. An eine vorzeitige Schließung denkt Grübler nicht – trotz der trüben Wetterprognosen.

Der August 2014 für alle Sonnenanbeter und Freibadliebhaber ins Wasser gefallen. Für die meisten Pflanzen hat er genau die richtigen Bedingungen bereit gestellt. Am kommenden Wochenende endet der meteorologische Sommer. Auch wenn es für die meisten Menschen unglaublich klingt: Im Schnitt war er völlig normal.

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