KITZINGEN

Ehrengrab für Kulturpreisträger

17 so genannte Ehrengräber gibt es derzeit auf den Kitzinger Friedhöfen. Das sind Gräber bekannter und verdienter Persönlichkeiten, darunter viele Bürgermeister, die in den Besitz der Stadt übergegangen sind. Jetzt gibt es ein Grab mehr, das von Gerhard Münzberg. Der war Richter, Stadtrat und hat sich vor allem auch als Musiker einen Namen gemacht. Und er war der erste Kulturpreisträger der Stadt Kitzingen.
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Ehrengrab: Das Familiengrab von Gerhard und Elisabeth Münzberg im Alten Friedhof mit dem markanten Grabdenkmal wird als Ehrengrab für besonders verdiente Bürger der Stadt Kitzingen eingerichtet. Foto: Foto: Siegfried Sebelka

17 so genannte Ehrengräber gibt es derzeit auf den Kitzinger Friedhöfen. Das sind Gräber bekannter und verdienter Persönlichkeiten, darunter viele Bürgermeister, die in den Besitz der Stadt übergegangen sind. Jetzt gibt es ein Grab mehr, das von Gerhard Münzberg. Der war Richter, Stadtrat und hat sich vor allem auch als Musiker einen Namen gemacht. Und er war der erste Kulturpreisträger der Stadt Kitzingen.

Der Finanzausschuss stimmte in seiner jüngsten Sitzung der vom derzeitigen Grabinhaber Christoph Münzberg beantragten Einrichtung des Ehrengrabes zu. Das Ja des Stadtrats am Donnerstag dürfte nur noch Formsache sein. Damit geht das Grab samt Denkmal entschädigungslos in das Eigentum der Stadt Kitzingen über. Die übernimmt dafür die Pflege auf die Dauer von zunächst 20 Jahren. Eine Nutzung oder Bestattung durch die Familie Münzberg ist in diesem Grab jetzt nicht mehr möglich.

Schlesischer Lehrersohn

Wer ist Gerhard Münzberg? Ein Blick ins Archiv der Main-Post bringt es an den Tag. Danach war Gerd Münzberg bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1968 Oberamtsrichter am Amtsgericht Kitzingen. Weil er zwar viele Verkehrsangelegenheiten zu regeln hatte, selbst aber immer mit den Rad unterwegs war, war er für viele Kitzinger der „radelnde Oberamtsrichter“. Der in Schlesien geborene Jurist kam nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Landkreis Kitzingen. Bis zu seinem Tod trug er zur Bereicherung des Kulturlebens bei. Der schlesische Lehrersohn studierte nach dem Abitur in Breslau und Kiel die Rechte und Musik. Danach arbeitete er als Richter und im Strafvollzug. 1934 wurde Gerd Münzberg Landgerichtsrat am Landgericht Gleiwitz.

Die ersten vier Nachkriegsjahre verdiente Münzberg in Sulzfeld den Lebensunterhalt für seine Familie als Musiker. Bereits in seiner Kieler Zeit leitete Münzberg einen Kirchenchor. Seine Tätigkeit in der Jugendbewegung an verantwortlicher Stelle befruchtete, ausgehend vom Volkslied, seine kompositorische Arbeit. In erster Linie vertonte Gerd Münzberg Dichtungen heimischer Autoren. In Franken insbesondere die des Heimatdichters Hanns Rupp. Er schuf rund 600 Kompositionen.

Zu seinen bedeutendsten Vertonungen gehören vier Kantaten, die in Kitzingen uraufgeführt worden sind, zuletzt die 1970 entstandene Schlesische Passion. Münzberg gründete und leitete viele Jahre den Kitzinger Schlesierchor. Er war Leiter der Schlesierchöre in Bayern. Zudem war er Landeskulturreferent der schlesischen Landsmannschaft.

Politisch engagiert

Zwischen 1952 und 1966 saß Münzberg 14 Jahre im Kitzinger Stadtrat, die erste Wahlperiode für eine Wählergemeinschaft der Landsmannschaften, dann für den Unabhängig-Sozial-Fortschrittlichen Block und schließlich für die CSU.

Münzberg erhielt aus den Händen des damaligen Kitzinger Oberbürgermeisters Rudolf Schardt das ihm vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande. Schardt bezeichnete Gerd Münzberg bei der Gelegenheit als das „kulturelle Gewissen der Stadt Kitzingen“. Am Vorabend seines 75. Geburtstages bekam er 1977 als erster Bürger den neu gestifteten Kulturförderpreis der Stadt. Hoch betagt starb Gerd Münzberg im Mai 1994 im Alter von 91 Jahren. Sein Grab ist im Alten Friedhof zu finden, wenige Meter von der Aussegnungshalle entfernt.

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