Kitzingen
Gericht

Echte Schläge nach virtuellem Zoff

Mit Beleidigungen über das soziale Netzwerk Facebook begann der Streit. Er endete ganz real - in einer brutalen Schlägerei mit Folgen.
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Es begann alles im Internet. Auf Facebook schimpfte der junge Mann über Kitzingen, was dem Angeklagten so gar nicht in den Kram passte. Die beiden trafen sich und trugen ihren Streit mit Fäusten aus. Jetzt trafen sie sich erneut vor Gericht.
"Hätten Sie sich nicht gegenseitig in Facebook hochgeschaukelt, wäre es zu dem Ganzen gar nicht erst gekommen", meinte der vorsitzende Richter Wolfgang Hülle. Die Zankerei im sozialen Netzwerk nahm nach und nach Fahrt auf. Die beiden Streithähne beleidigten sich gegenseitig mit üblen Nachrichten wie "Ich ficke deinen Arsch" und trieben dieses Spielchen immer weiter. "Bist du der Pate von Kitzingen?", hat der Angeklagte den 22-jährigen Geschädigten beispielsweise höhnisch im Internet gefragt. Irgendwann war Schluss mit E-Mails. Die beiden Streitlustigen verabredeten sich am Abend. Die Katastrophe nahm ihren Lauf.
Zunächst schubste der Geschädigte den 19-jährigen Schüler. Der ließ sich das natürlich nicht gefallen. "Ich hab mich gewehrt. Das war meiner Meinung nach Notwehr." Es kam zu einer Rangelei und der 22-Jährige schlug mit der Faust zu, doch der Angriff ging daneben. Der Jüngere duckte sich und holte dann zum Gegenangriff aus. Ertraf das Opfer mit der Faust ins Gesicht. Der Geschädigte stolperte, stand jetzt mit den Rücken zur Wand - doch damit war noch lange nicht Schluss.
"Anscheinend war das noch nicht genug für ihn", berichtete der Angeklagte im Gerichtssaal. Denn der Geschädigte sprang auf den 19-Jährigen und warf ihn zu Boden. Die Rangelei ging weiter, bis irgendwann der Angeklagte auf dem Opfer lag und ihm wieder mit der Faust ins Gesicht schlug.
Erst da griffen Bekannte ein, die schaulustig der Schlägerei gefolgt waren. Als die beiden Kontrahenten voneinander getrennt waren, beruhigten sie sich langsam. Schließlich entschuldigte sich der Angeklagte beim Opfer. "Er ist älter und vor Älteren hat man Respekt. Deshalb habe ich mich entschuldigt", erklärte er vor Gericht.

Vater hat angezeigt

Der 22-Jährige nahm die Entschuldigung an und damit wäre für die beiden das Thema eigentlich gegessen gewesen. Trotzdem sitzt der 19-Jährige auf der Anklagebank. Der Grund: Der Vater der Opfers hatte sich eingeschaltet und den Schüler angezeigt.
Sein Sohn will die Anklage jetzt auch nicht mehr zurückziehen. Dazu dürfte nicht nur sein Vater einen Beitrag geleistet haben, immerhin hatte er nach der Schlägerei ziemliche Schmerzen auszuhalten. Seine Lippe musste beispielsweise genäht werden. Außerdem trug er von der Prügelei zwei Schwellungen davon. Eine am Jochbein, eine auf der Stirn.

Trotz Blackouts weitergeschlagen

An die Schlägerei selber kann oder will sich der Geschädigte nicht recht erinnern. "Ich weiß es nicht, ich hatte da so etwas wie ein Blackout." Da meldet sich der Angeklagte zu Wort: "Wenn man ein Blackout hat, steht man nicht wieder auf und schlägt zu."
Der Richter will von den beiden Raufbolde wissen, ob sie etwas aus der ganzen Misere gelernt haben. Es hätte die Zankerei auf Facebook gar nicht erst geben sollen - da sind sich die beiden Männer einig. Der Angeklagte geht sogar einen Schritt weiter: "Natürlich hab ich einiges falsch gemacht. Es tut mir auch leid. Wir hätten das einfach unter vier Augen besprechen sollen."
Diese Einsicht kommt jedoch viel zu spät. Dennoch ist Richter Hülle sowohl von den Worten des Angeklagten als auch von dessen günstiger Sozialprognose beeindruckt. Er schlägt vor, das Verfahren einzustellen, allerdings nur gegen eine Auflage. Dagegen sträubt sich der Angeklagte zunächst, doch schließlich lenkt er ein und stimmt der Auflage zu. Er muss 40 Stunden sozialen Hilfsdienst ableisten, ansonsten fängt das Ganze neu an und es kommt zu einer Verurteilung, warnt ihn der Richter. "Das sollten Sie im Hinterkopf behalten."
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