LANDKREIS KITZINGEN

Dringend gebraucht: Wasser

Was für eine Woche. Temperaturen weit über 30 Grad Celsius haben es den Menschen, Tieren und der Natur nicht leicht gemacht. Am Wochenende und in der kommenden Woche soll es sich ein wenig abkühlen. Wenn man bei prognostizierten Werten von 28/29 Grad von einer Abkühlung sprechen kann. Wir wollten wissen, wie sich die Hitze ausgewirkt hat – und wie wir uns bei diesen Temperaturen am besten verhalten.
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Stau am Sprungturm: Die Freibäder in der Region sind bei diesen Temperaturen willkommene Orte der Abkühlung. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Was für eine Woche. Temperaturen weit über 30 Grad Celsius haben es den Menschen, Tieren und der Natur nicht leicht gemacht. Am Wochenende und in der kommenden Woche soll es sich ein wenig abkühlen. Wenn man bei prognostizierten Werten von 28/29 Grad von einer Abkühlung sprechen kann. Wir wollten wissen, wie sich die Hitze ausgewirkt hat – und wie wir uns bei diesen Temperaturen am besten verhalten.

Der Mediziner

„Viel trinken“, rät Notarzt Dr. Daniel Holzheid. „Und die Kopfbedeckung nicht vergessen. Vor allem bei kleinen Kindern.“ Wer kann, sollte den Aufenthalt in der prallen Sonne vermeiden. „Am besten nur ganz früh oder Abends ins Freie.“ Vom Erschöpfungszustand über den Kollaps bis hin zum lebensbedrohlichen Sonnenstich reichen die Gefahren für die Gesundheit bei diesen Temperaturen. Der Kitzinger Notarzt warnt auch vor einem Sonnenbrand – der erhöht nämlich das Hautkrebsrisiko.

Die Notfallaufnahme

Noch werden relativ wenige Patienten wegen Hitzesymptomen in die Klinik eingeliefert. „Aber wenn das Wetter so bleibt, wird sich das schnell ändern“, ist Axel Wolfarth von der Notfallaufnahme in der Kitzinger Klinik sicher. Vor allem die Zahl der älteren Patienten, die ausgetrocknet sind, weil sie zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, wird steigen. „Das war in den vergangenen Hitzeperioden immer so“, sagt er. Pro Tag können dann schon mal zehn Personen mit einer Austrocknungsproblematik eingeliefert werden. Besonders gefährdet sind neben den älteren Mitbewohnern all diejenigen, die im Freien arbeiten müssen.

Die Draußen-Arbeiter

„Das ist schon brutal“, sagt Michael Langer von der IG BAU in Mainfranken. „Vor allem die Kollegen auf den Autobahnbaustellen sind nicht zu beneiden.“ Hitze von oben, Lärm, Abgase, Schichtarbeit – und für Asphaltierer auch noch Hitze von unten. „Die Arbeitgeber haben gerade in diesen Tagen eine große Verantwortung“, sagt Langer. Ausreichend Wasser müssten sie zur Verfügung stellen, den Mitarbeitern Pausen einräumen, damit sie sich im Schatten erholen können. „Und die Arbeitskleidung muss auch der Hitze angepasst sein“, erinnert er. UV-dicht sollte sie sein und eine Kopfbedeckung sei Pflicht. „Leider gibt es immer wieder Kollegen, die bei diesen Verhältnissen umkippen“, bedauert Langer. Deshalb sein Rat an alle Bauarbeiter, Landschaftsgärtner und sonstigen Draußen-Arbeiter: „Ihr tragt auch selbst Verantwortung für Eure Gesundheit.“

Die Forstwirte

Klaus Behr und seine Mitarbeiter vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen blicken mit Sorge auf die Wälder. „Das Gras ist ganz dürr, die Waldbrandgefahr extrem hoch.“ Vor allem die Nadelholzwälder bei Geiselwind und im Sandgebiet bei Volkach und Kitzingen seien extrem gefährdet. Entsprechend froh ist Behr, dass etliche Johannisfeuer abgesagt wurden. Die Pflanzen hätten auch ohne Waldbrand schon genug zu kämpfen. Seit dem Trockenjahr 2015 seien die Wasservorräte im Boden sehr niedrig. Geht es noch ein oder gar zwei Wochen mit dieser Trockenheit weiter, sieht Behr gerade für die frisch gepflanzten Bäume große Probleme. Gerade Flachwurzler wie Fichte und Kiefer seien großem Trockenstress ausgesetzt. Dazu kommt die Sorge vor Folgeschäden: Borkenkäfer, Misteln und Co. haben es bei Hitze geschwächten Bäumen leichter, Fuß zu fassen.

Die Stadtgärtner

Viel besser schaut es auch in der Stadt nicht aus. Von manchen alten Bäumen fällt schon das Laub ab, die neu gepflanzten brauchen viel Wasser. Rund 36 000 Liter bringen die Kitzinger Stadtgärtner aus – pro Tag. Ein umgebautes Feuerwehrauto ist mit seinem 8000 Liter fassenden Tank drei Mal unterwegs, ein Traktor mit Gießfass wässert die Blumenbeete mit rund 12 000 Litern. „Der Traktor ist den ganzen Tag unterwegs, auch am Samstag“, erklärt Günther Lorey von den Stadtgärtnern. Kein Wunder, dass das Wasser in der Zisterne am Bauhof langsam zur Neige geht. „Wir können deshalb auch nicht mehr die Rasenflächen bewässern“, bittet Lorey um Verständnis. Auch er hofft inständig auf einen Regenguss – oder besser gleich mehrere hintereinander.

Die Landwirtschaft

Den Landwirten geht es nicht anders. Seit Anfang Juni hat Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft in Kitzingen keine Niederschläge mehr verzeichnen können. Die Folge: Die Rüben legen ihre Blätter, der Mais rollt seine Blätter ein. „Noch ist allerdings alles im normalen Rahmen“, beruhigt er. Der Mai mit seinen 70 bis 80 Litern Niederschlag hat zumindest für ein kleines Wasserreservoir im Boden gesorgt. „Wenn es allerdings zwei bis drei Wochen so weitergeht, dann müssen wir ganz allgemein mit Ernteausfällen rechnen“, warnt Karl. Er setzt auf Gewitter, die für den Juni eigentlich typisch sind. Wochen wie diese kenne man eigentlich eher vom Juli und August.

Die Schulen

„Bei unzumutbaren Bedingungen können Schulleiter immer noch hitzefrei geben“, sagt Schulamtsdirektor Kurt Krause. So leicht wie früher ist es allerdings nicht mehr. Die Schulleiter sind schließlich dafür verantwortlich, dass die Kinder gut versorgt und betreut werden. Krause verweist auf die Verlässlichkeit der Schulzeiten für Eltern, gerade bei Schulen mit Ganztagsangeboten und Mittagsbetreuung. Der Schulamtsdirektor hat allerdings von einer Schule im Landkreis gehört, die bei den Eltern eine Abfrage gestartet hat, ob die Kinder bei diesen Temperaturen früher nach Hause geschickt werden können.

Die Badegäste

Würde die Schule früher enden, würden sich viele wohl gleich ins Freibad begeben – und die Gästezahlen würden dort weiter steigen. Der bislang größte Andrang herrschte im Kitzinger Freibad an Fronleichnam mit rund 2000 Besuchern. Aqua-Sole-Leiterin Verena Dambach hat schon jetzt rund 6000 Gäste im gesamten Juni gezählt. „So viel wie im kompletten Juni 2016.“ Wichtiger für die Statistik sind allerdings die Wochenenden und vor allem die großen Ferien.

Ob sich das heiße Wetter bis dahin halten wird? Langzeitprognosen sind bekanntlich kaum möglich. Einen Fingerzeig wird der Zeitraum um Ende Juni/Anfang Juli geben. Das Wetter rund um den Siebenschläfertag (27. Juni) soll in Süddeutschland mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 70 Prozent für die kommenden sieben Wochen bestimmend bleiben.

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