Würzburg
Handwerk

Drei Junggesellen tippeln durchs Land

In traditioneller Kluft reisen drei Gesellen aus dem Norden durch Deutschland und in fremde Länder. Dabei machen sie auch bei der Handwerkskammer in Würzburg Station. Handy und öffentliche Verkehrsmittel sind bei ihrer Tour tabu.
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Junggesellen auf Wanderschaft: Schlosser Niklas Wirth, Zimmerer Henrik Schütt und Zimmerer Pascal Lindner machten auf ihrer Reise in Würzburg Station.   Foto: privat
Junggesellen auf Wanderschaft: Schlosser Niklas Wirth, Zimmerer Henrik Schütt und Zimmerer Pascal Lindner machten auf ihrer Reise in Würzburg Station. Foto: privat
Schlossergeselle Niklas Wirth aus Celle und die beiden Zimmerergesellen Henrik Schütt aus der Nähe von Kiel und Pascal Lindner aus der Nähe von Hamburg sind auf Wanderschaft. Die Tradition der so genannten Walz wird auch heute noch in vielen Handwerksberufen gelebt. Am Mittwochnachmittag machten die drei Wandergesellen aus dem Norden in der Handwerkskammer für Unterfranken Station.
Der Stenz gehört genauso wie die traditionelle Kluft und der so genannte Charlottenburger, kurz "Charlie", zur Grundausstattung eines Gesellen auf Wanderschaft. Schlosser Niklas Wirth und die beiden Zimmerer Pascal Lindner und Henrik Schütt sind seit einigen Tagen in Unterfranken unterwegs. Sie reisen von Ort zu Ort, auf der Suche nach Arbeit oder einfach nur nach einer Mahlzeit und einer Unterkunft.

Ungeschriebene Gesetze

"Henrik und ich sind gerade erst seit zwei Wochen unterwegs.
Von Hamburg aus sind wir aber schon durch halb Deutschland gereist, in Thüringen haben wir Niklas getroffen und sind von dort aus zu dritt weiter", erzählt Zimmerer Pascal Lindner. Es gibt zahlreiche, meist ungeschriebene, Gesetze, nach denen sich Wandergesellen richten. Beispielsweise dürfen sie kein Geld ausgeben, um von A nach B zu kommen. "Öffentliche Verkehrsmittel sind verpönt, meist fahren wir per Anhalter", berichtet Schlosser Niklas Wirth. In den Jahren der Wanderschaft müssen sich die Junghandwerker außerdem immer mindestens 50 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt aufhalten. Das Handy ist tabu und in der Öffentlichkeit dürfen Wandergesellen ausschließlich in ihrer traditionellen Kluft auftreten.
Niklas Wirth, Pascal Lindner und Henrik Schütt wollen auf ihrer Walz Arbeits- und Lebenserfahrung sammeln. "Hier in der Region wird viel mit Holz gebaut, es gibt Fachwerk- und Schieferhäuser. Das allein anzuschauen, ist eine echte Bereicherung für mich", sagt Zimmerer Henrik Wirth. Und sein Kollege Pascal Lindner ergänzt: "Man lernt unheimlich viele verschiedene Leute kennen und bekommt einen anderen Blick auf die Dinge."

Das Ausland wartet

Von Würzburg aus setzten die drei Gesellen ihre Wanderschaft in Richtung Nürnberg fort. Auf dem Reiseplan stehen außerdem noch Schottland, England, Österreich, Frankreich, die Schweiz, Australien, Neuseeland und Spitzbergen, bevor sie nach drei Jahren und einem Tag wieder in ihre Heimatorte zurückkehren.

Die Walz oder "Tippelei"

Die Wanderschaft von Gesellen wird auch als "Walz" bezeichnet, die wandernden Gesellen selbst benutzen den Begriff "Tippelei". Ihre Tradition geht bis ins späte Mittelalter zurück. Bis heute wandern Handwerksgesellen, um Erfahrungen zu sammeln und ihr Wissen zu erweitern. Früher war die Tippelei in einigen Berufen eine Voraussetzung, um den Meistertitel zu erlangen. Nicht nur im Zimmererhandwerk, sondern auch bei den Tischlern, Maurern, Dachdeckern, Betonbauern und Bootsbauern, den Töpfern, Schmieden, Spenglern, Steinmetzen, Holzbildhauern, Buchbindern, Schneidern, Goldschmieden, Instrumentenbauern, Kirchenmalern und in anderen Gewerken gibt es die Wanderschaft.
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