Der Staatsanwalt lässt kein gutes Haar an den Brüdern aus Weißrussland: Sie seien „nur in das Land gekommen, um Straftaten zu begehen“. Die beiden Asylbewerber sind 32 und 21 Jahre alt und scheinbar mit einem großen Freiheitsdrang ausgestattet: Obwohl sie derzeit nicht über die unterfränkischen Grenzen hinaus dürfen, werden sie schon mal in Nürnberg oder Hof aufgegriffen.

Mitte Mai dieses Jahres waren die Brüder sogar in Hannover unterwegs, als sie einem Kaufhausdetektiv in einer Parfümerie auffielen: Die beiden Männer guckten sich um, besprühten sich gegenseitig, um schließlich drei Fläschchen im Wert von rund 200 Euro mitgehen zu lassen. Wobei, so die Erinnerung des Detektivs, der eine dem anderen das Parfüm gegeben habe, das schließlich in einer Tasche verschwand.

Vor dem Kitzinger Strafrichter wird die Frage nach der Täterschaft allerdings zum Streitfall. Der 32-Jährige gibt an, dass sein jüngerer Bruder nichts mit dem Diebstahl zu tun habe. Der Parfürm-Klau gehe ganz alleine auf seine Kappe, lässt der Ältere über die Dolmetscherin ausrichten.

Warum da einer für den anderen recht offensichtlich den Kopf hinhalten will, zeigt ein Blick auf die Vorstrafen: Während der 32-Jährige Ersttäter ist, schlagen bei dem Jüngeren schon drei – einschlägige – Urteile zu Buche, wobei es jeweils Geldstrafen setzte. Weil er nicht zahlen kann oder will, sitzt der Mann die Strafe gerade im Gefängnis ab.

Ob es wirklich nur einen Täter gibt – darüber könnte eine CD mit den Aufnahmen der Überwachungskamera Aufschluss geben. Das Problem: Die CD ist spurlos verschwunden. Lediglich ein Hinweis in den Akten deutet die Existenz der Aufnahme an.

Strafrichter Marc Betz entscheidet sich, das Verfahren zu trennen. Da es für den 21-Jährigen um eine Haftstrafe geht – die Staatsanwaltschaft fordert in dem aktuellen Fall neun Monate – wird zunächst einmal auf die Suche nach der CD gegangen und die Verhandlung bis dahin ausgesetzt.

Der Ältere dagegen bekommt seine Quittung für den unberechtigten Ausflug samt Diebstahl in Form einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je fünf Euro. Dass hier demnächst noch einiges dazu kommt, ließ der Staatsanwalt am Rande mit dem Hinweis verlauten, man sehe sich „nicht das erste und nicht das letzte Mal“. Es deutet sich nämlich bereits das nächste Verfahren an, dann geht es um Diebstähle in Kitzingen und Würzburg.