Kitzingen

Drauß vom Walde kommt er her: Bernhard Scherer mimt den Nikolaus

Seit 30 Jahren besucht Bernhard Scherer aus Obernbreit als Nikolaus verkleidet Kindergärten, Schulen und Altenheime. Wir haben ihn bei einem Auftritt in Kitzingen begleitet.
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Bernhard Scherer aus Obernbreit überraschte als Nikolaus verkleidet die Kinder des Evangelischen Kindergartens Alemannenstraße in Kitzingen. Foto: Adrian Schuppert
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Es herrscht Unruhe in der kleinen Turnhalle des Evangelischen Kindergartens Alemannenstraße in Kitzingen. Die tuschelnden Mädchen und Jungen beschäftigt nur eine Frage: Wann kommt er denn endlich? Erst das Klingeln eines kleinen Glöckchens erlöst die Drei- bis Sechsjährigen von ihrer Anspannung. Endlich ist er gekommen und er hat gleich zwei Schlitten voller Geschenke dabei.

Der Mann, dessen Ankunft von den Kindern so leidenschaftlich herbeigesehnt wird, heißt Bernhard Scherer. Der 70-Jährige besucht rund um den 6. Dezember Kindergärten, Schulen und sogar Altenheime, um den Menschen als Nikolaus verkleidet eine Freude zu machen. Dabei blickt er mittlerweile auf ein halbes Jahrhundert als Weihnachtsmann zurück.

Vor 50 Jahren hat eine befreundete Familie Scherer zum ersten Mal gefragt, ob er sich nicht ein Bischofsgewand überwerfen und den Kinder Geschenke bringen könne. Der Obernbreiter zögerte nicht lange und sagte sofort zu, erinnert er sich. Aus einigen sporadischen Auftritten entwickelte sich eine Leidenschaft, die Scherer seit 1990 durchschnittlich 15 Auftritte pro Jahr einbringt.

Bereits ein halbes Jahrhundert als Nikolaus

Wer ihn beobachtet sieht: Mittlerweile hat der ehemalige Müllermeister eine gewisse Routine entwickelt. So gelingt es ihm, die Kinder in der Alemannenstraße gleich zu Anfang zu begeistern, indem er bei seiner Ankunft das Lied "Guten Tag ich bin der Nikolaus" von Rolf Zuckowski zum Besten gibt. Dabei läuft Scherer die in einem Halbkreis sitzenden Jungen und Mädchen ab und begrüßt alle persönlich mit einem Handschlag und einem freundlichen Lächeln.

Neben seiner weichen und angenehmen Stimme und seinem selbstbewussten Auftreten hilft ihm vor allem seine aufwendige Kostümierung, die Kinder in seinen Bann zu ziehen. Den dunkelroten Mantel und die Mitra erwarb Scherer vor rund 20 Jahren mit seiner Frau in einem Faschingskostümgeschäft in Coburg. Utensilien, wie der falsche weiße Bart und der goldene Bischofsstab, runden seinen Auftritt ab und lassen viele der Sprösslinge glauben, dass da tatsächlich der leibhaftige Nikolaus vor ihnen steht.

In seinem Heimatdorf tritt er nicht auf

Ab und an äußern einige Kinder jedoch auch Zweifel, erklärt Scherer. So sei sein Enkel vor fünf Jahren weinend aus der Schule nach Hause gekommen und habe gejammert: "Die anderen Schüler sagen, dass mein Opa der Nikolaus ist." Seitdem trete er nicht mehr in seinem Heimatdorf Obernbreit auf, sagt er grinsend.

Scherer agiert mit seinen Zuschauern stets auf Augenhöhe. Im Kindergarten in Kitzingen kniet er sich auch mal auf den Turnhallenboden und nimmt einen Schnuller entgegen, den ein kleiner Junge ihm aus Begeisterung über seinen Auftritt schenken möchte. Anschließend zeigen die Mädchen und Jungen ihre Freude über den Besuch, indem sie einige Lieder vortragen, die sie speziell für den Nikolaus eingeübt haben. Er dankt es ihnen und läutet nach rund 30 Minuten voller Geschichten, Liedern und Flötenspiel die Bescherung für die Kleinen ein.

Die Bescherung als Höhepunkt des Auftritts

Doch bevor er Geschenke überreicht, wirft er erst mal einen Blick in das Goldene Buch. Der Nikolaus erklärt seinen aufmerksamen Zuhörern, was sie dieses Jahr schon gut gemacht hätten und wo er kommendes Jahr noch eine Besserung erwarte. Anschließend werden unter dem tosenden Jubel der Kinder die von den Erzieherinnen herbeigebrachten Geschenke an die Panda-, die Eisbären- und die Braunbären-Gruppe verteilt.

Seine Motivation und seinen Enthusiasmus zieht Scherer vor allem aus den fröhlichen Kinderherzen, wie er selbst sagt. Der Besuch begeistert daher nicht nur die Jüngsten. Auch die Leiterin des Kindergartens in der Alemannenstraße, Heike Pfister, zeigt sich nach dem Auftritt zufrieden. "Es ist wirklich einzigartig, wie spontan und aus dem Bauch heraus Herr Scherer auf die Kinder eingeht", erklärt sie.

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