Kitzingen

Disko-Schlägerei war eine reine Frauensache

Eine 21-Jährige soll während einer Disko-Schlägerei zwei Frauen geschlagen haben. Ganz zu klären war das auch vor dem Jugendgericht in Kitzingen nicht.
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Ein Jurist nimmt das Strafgesetzbuch aus dem Regal. (Symbolbild) Foto: Oliver Berg, dpa

Es ist so etwas wie ein Klassiker, der regelmäßig im Kitzinger Jugendgericht aufgeführt wird. Im Morgengrauen und Alkoholnebel kommt es in einer Discothek zu Handgreiflichkeiten. Meist sind es junge Männer, die sich danach wegen Körperverletzung verantworten müssen. Aber es schlagen auch junge Frauen zu. Wie die 21-Jährige, deren Verfahren das Gericht jetzt allerdings eingestellt hat, gegen 40 Stunden soziale Hilfsdienste.

"Das ist das letzte Angebot", versuchten das Gericht und die Staatsanwältin die junge Frau zu überzeugen. Sie war schon mehrfach aufgefallen und hat mehrere Einträge im Bundeszentralregister. Die dringende Empfehlung: Die Hilfsdienste akzeptieren und die Angelegenheit ohne Urteil und einer womöglich weitaus höheren Strafe aus der Welt schaffen. Zuvor hatten drei Zeuginnen die Frau belastet. Die blieb aber bei ihrer Version: "Ich habe nichts gemacht." Am Ende einer tränenreichen Einlassung stand dann doch der nicht ganz überzeugend wirkende Satz: "Dann mache ich halt die sch... Sozialstunden."

Auf der Tanzfläche setzt es einen Faustschlag

Erledigt sie diese bis Ende August, ist die Geschichte für sie erledigt. Die spielte sich im November 2018 in einer Würzburger Disko ab. Was da genau kurz nach 3 Uhr zwischen zwei Frauengruppen passierte, wurde auch im Verfahren vor dem Jugendrichter nicht ganz aufgeklärt. In der Anklage hörte sich alles ziemlich klar an: Die junge Frau hat einer Frau auf der Tanzfläche mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Nach einem Platzverweis durch die Security folgte ein zweiter Schlag vor der Tür. Zurück blieben blaue Augen, geschwollene Lippen, Kopfschmerzen und die Anklage wegen Körperverletzung in zwei Fällen.

Von Schlägen wollte die Angeklagte überhaupt nichts wissen. Diese war mit ihrer Mutter und einem Bekannten unterwegs, sagte sie dem Gericht. Gegen 3 Uhr habe es eine Diskussion gegeben, ob man nach Hause gehen sollte oder nicht. Dann sei es zu Schubsereien mit einer anderen Gruppe von Frauen gekommen. "Warum sind die zwei Gruppen aneinander geraten?", wollte Richter Wolfgang Hülle wissen. Das blieb ebenso im Dunkeln wie die Frage, wie sie zu dem blauen Auge gekommen ist, das sie am Morgen danach bemerkte.

Aussagen beantworten die offenen Fragen nicht

Das lag vor allem wohl daran, dass einiges an Alkohol im Spiel war. Bei der Angeklagten hatte die Polizei fast ein Promille gemessen. Die drei Zeuginnen, die Licht ins Dunkle bringen sollten, waren mit Werten zwischen 1,4 und 1,6 Promille dabei. Als diese ihre Aussagen gemacht hatten und mehr offene als geklärte Fragen blieben, griff Hülle einen Vorschlag aus den Akten auf. Im Ermittlungsverfahren war der Frau schon einmal angeboten worden, das Verfahren gegen das Ableisten von Sozialstunden einzustellen. Das war dann auch der Weg, dem Gericht, Staatsanwaltschaft und – wie beschrieben, mit einigem Missmut – auch die Angeklagte zustimmten.

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