Kitzingen

Disco-Schlägerei: Faustschläge und Geldstrafe bleiben übrig

Eine gefährliche Körperverletzung war einem 20-jährigen Hobbyboxer vor Gericht nicht nachzuweisen. Die beiden Schläge ins Gesicht kommen ihm dennoch teuer zu stehen.
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Symbolbilder Gewalt Foto: Ivana Biscan

Wegen gefährlicher Körperverletzung stand ein 20-Jähriger vor dem Kitzinger Jugendrichter. Gemeinsam mit anderen machte ihn die Anklage für Schläge und Tritte auf einen 26-Jährigen in einer Discothek verantwortlich. Nachzuweisen war das gemeinschaftliche Vorgehen und damit die gefährliche Körperverletzung nicht. Am Ende blieben zwei Faustschläge, eine vorsätzliche Körperverletzung und eine Geldstrafe von 2000 Euro (80 Tagessätze zu 25 Euro) übrig.

Das Verfahren hätte mit einer Freiheitsstrafe enden können, wenn sich die Anklage bestätigt hätte. Die ging davon aus, dass der Mann an einem Sonntagmorgen gegen 4.30 Uhr mit weiteren unbekannten Tätern in einer Disco auf einen 26-Jährigen losgegangen ist. Dreimal soll er den Mann ins Gesicht geschlagen und verletzt haben. Gleichzeitig und abgestimmt sollen die anderen auf den am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Die Folgen waren Verletzungen an einem Zahn, aber auch Prellungen, unter denen der Mann heute noch leidet.

Security beendet die Schlägerei

Wie sich schnell zeigte, war diese Anklage so nicht zu halten. Wie so oft bei Schlägereien im Disconebel gab es zwei Versionen. Für das Opfer war die Sache klar. Seine Freundin war angerempelt worden. Er stellte den Rempler zur Rede, packte ihn von hinten und ging auf dem glatten Parkett zu Boden. Als er aufstehen wollte, traf ihn die Faust dreimal im Gesicht. "Ich hatte keine Chance", sagte er, auch weil gleichzeitig weitere Angreifer zutraten. Dass diese zusammengehören mussten, war für ihn klar. Dann machte die Security der Sache ein Ende.

Als einziger Teilnehmer an der Aktion konnte der 20-Jährige ermittelt werden. Dieser stritt zunächst alles ab, räumte aber jetzt vor Gericht zwei der drei Schläge ein. Mit den weiteren Tritten oder mit denen, die sie ausführten, will er nichts zu tun haben: "Die kenne ich überhaupt nicht."

Dem Gericht präsentierte er seine Version. Eigentlich habe er einem Bekannten helfen wollen. Mitten im Discogetümmel hatte der 26-Jährige diesen im Schwitzkasten. Um ihn daraus zu befreien, will der 20-Jährige zweimal "Lass los!" gerufen haben. Als das nichts half, hat der Hobbyboxer dem vermeintlichen Angreifer zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Das gemeinschaftliche Vorgehen war nicht nachweisbar

Ein Fehler, wie dieser eingesehen und für den er sich entschuldigt hat. Dass er "in der notwehrähnlichen Situation" falsch reagiert hat, machte ihm nicht nur der Staatsanwalt klar. Für diesen und das Gericht war nach der Aussage des Opfers ein gemeinschaftliches Vorgehen nicht nachzuweisen. Damit war aus der gefährlichen eine vorsätzliche Körperverletzung geworden.

Die Frage Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht war schnell geklärt. Trotz einer schwierigen Ausgangssituation konnte die Jugendgerichtshilfe bei dem 20-Jährigen keinerlei Reifedefizite feststellen, also gilt das Erwachsenenstrafrecht.

Und nach dem forderte der Staatsanwalt 90 Tagessätze zu 25 Euro. Der Verteidiger sah die Sache ähnlich, hielt aber 70 Tagessätze für ausreichend. Das Gericht schließlich entschied sich für den "goldenen Mittelweg", und so stehen 80 Tagessätze zu 25 Euro im Urteil. Das nahmen alle Beteiligten an. Es ist rechtskräftig.

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