Der Verkehr rauscht auf der B 8 am Kitzinger Rosengarten vorbei. Noch stehen die Schüler der Friedrich-Bernbeck-Wirtschaftsschule in Grüppchen herum. Jeder von ihnen hält einen Zettel fest in der Hand, auf dem Namen von deportierten jüdischen Mitbürgern stehen. Von Kitzingen aus in Vernichtungslager der Nazis gebracht. Gleich werden die Zehntklässler neben dem Kofferdenkmal diese Namen vorlesen und so an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren erinnern.

Wer sich künftig genauer über die systematische Vertreibung und Vernichtung jüdischer Mitbürger in Kitzingen informieren möchte, kann das nun mithilfe der Tafel und des QR-Codes darauf tun. Scannt man diesen mit seinem Smartphone ein, gelangt man direkt zu einer Internetseite der Stadt Kitzingen mit ausführlichen Infos .

Auftakt weiterer Veranstaltungen

Die Vorsitzende des Fördervereins der ehemaligen Synagoge, Margret Löther, testet den Code noch schnell vor ihrer Ansprache mit dem Handy: „Funktioniert!“ Das Gedenken am Vormittag im Rosengarten verbinde zwei Themen: Die Reichspogromnacht am 9. und 10. November 1938 und die Deportation der mainfränkischen Juden ab 1941. „Wir erweisen denen Respekt, denen hier das Schlimmste angetan wurde“, verdeutlicht Löther die Absicht der Veranstaltung. Weitere folgten am Freitagabend mit einem Rundgang der Jungen Union zu den Stolpersteinen sowie der Kranzniederlegung an und einem Vortrag in der Alten Synagoge.

Gauland-Aussage kritisiert

Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling sagte, an die Zehntklässler gerichtet: „Mich freut vor allem, dass Ihr heute da seid.“ Das sei besonders wichtig angesichts der Tatsache, dass heute Leute im Bundestag sitzen, die Hitler und die Nazis als „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ bezeichneten. Damit spielte er auf die Aussage des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland an.

Geschichte spannend erklären

Für Geschichtslehrer Fabian Schreinert, der zusammen mit seiner Kollegin aus der Schulleitung Bettina Schütz die Zehntklässler begleitete, ist der QR-Code eine gute Möglichkeit, die digitale Generation einzubinden. Nicht nur ihn freute die Aussage seiner Schülerin Michelle Hanselmann, die diese Infos als „richtig interessant“ bezeichnet. „Aber Geschichte finde ich sowieso spannend“, schiebt die 16-Jährige hinterher. Genau das, was sich Löther und Knobling anschließend von der jungen Generation wünschen.